Nippes – Zum Abschied wurde noch einmal gemeinsam geschunkelt. Das Trio „De Neppeser“, seit langem mit „Pferdetränke“-Wirtin Vroni Werner freundschaftlich verbunden, spielte für die in Ruhestand gehende Gastronomin und die rund 100 Gäste der Abrissparty klassische kölsche Lieder. Die Palette der Band, die auch immer beim „Treff em Veedel“-Sommerfest draußen auf der Ürdinger Straße präsent war, reichte von den „prima, prima Prümmcher“ über „En unserem Veedel“ bis zur Veedelshymne „Loss mer jet noh Neppes jon“. Und alle im Saal hakten sich unter. „För uns leev Vroni, et Urjestein us d'r Hartwichstroß“, so Gitarrist Bruno Praß. Auch die Neppeser Ahr-Schwärmer, für die die „Pferdetränke“ ebenso wie für die Neppeser Schlümpfe und die Lumpemänner das Vereinslokal war, kamen in kompletter Team-Stärke mitsamt ihres Spillmannszochs herein marschiert – und die Wirtin kloppte selbst mal „op de Trumm“. „Mer sin ja all ein bissche traurig, dat hück at widder e Stückche Tradition verlore jeiht, he en Neppes. Ävver irjendwann muss do ja en Rente jon, leev Vroni“, grüßte der Vorstand die Wirtin.
Und die erwiderte: „Ich möchte mich herzlich bei Euch bedanken, dass ihr alle so zahlreich gekommen seid. Mein ganz großer Dank geht jedoch an mein Thekenteam, ohne das ich das alles hätte gar nicht machen können.“
Blickte man vorne in den Schankraum der „Pferdetränke“, sah es auf den ersten Blick gar nicht nach Abschied aus. Rund um die Theke herrschte Betrieb wie immer, die Fenster waren wie gewohnt liebevoll mit Blumen und Figürchen geschmückt.
Doch schaute man genau, sah man in der Ecke links hintendurch bereits Inventar zusammengepackt; auch im großen rückwärtigen Saal waren die Vereinsorden schon aus den Vitrinen geräumt. Es hieß Abschied nehmen von einer Institution des Sechzigveedels: Das Lokal öffnete zum letzten Mal, denn die mittlerweile 70-jährige Werner setzt sich zur Ruhe. Da kamen alle Stammgäste noch mal vorbei; es gab viel Zeit für Erinnerungsfotos, den Austausch von Erinnerungen und Glückwünschen für die Zukunft. Ein Nachfolger fürs Lokal hatte sich nicht gefunden.
„Ich hatte mit den Neppeser Schlümpfen, den Ahr-Schwärmern und auch mit den Lumpemännern eine sehr schöne Zeit“, so Vroni Werner. Vor zwölf Jahren hatte sie den Betrieb von ihren Vorgängern übernommen, insgesamt bestand der Laden jedoch seit Jahrzehnten, sogar schon vor dem Zweiten Weltkrieg. „Früher hat die Familie Urfey jahrzehntelang die Gaststätte betrieben“, erinnerte sich die Wirtin, die an der Hartwichstraße aufgewachsen ist. „Ich habe dort immer für meine Eltern Zigarren und einen Krug Bier geholt.“
Was nun in den Laden einziehe, stehe noch nicht fest. Doch erstmal freut sie sich auf ihren Ruhestand – und neben vielen Blumen und Urkunden gab es von ihrem Team zur Einstimmung auf ihr neues Leben auch einen Gutschein fürs Thermalbad.