
Keshavara in der Christuskirche bei der Verleihung des Preises für Popmusik der Stadt Köln
Copyright: Dörthe Boxberg / Stadt Köln
Kosmopolitischer, psychedelischer Pop mit Keshavara
Die Musik von Keshavara ist ein bunter, weicher Klangteppich, mit dem man abheben kann. Die Band vergleicht ihren Mix aus Deutsch, Englisch und Hindi und ihren Genremix mit einem Cocktail nach dem dritten Glas. Für ihre Mischung aus psychedelischem Pop, Elektronik, Krautrock und Einflüssen aus der indischen Musik hat die Stadt Köln die Kölner Band mit dem Holger-Czukay-Hauptpreis für Popmusik ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert. Mit einer eigenen Handschrift, ohne sich „Trends anzupassen“, habe die Band eine international relevante Ästhetik entwickelt, so die Jury. „Für Köln spielt die Band eine wichtige Rolle, weil sie zeigt, wie offen und vielfältig Popmusik hier gedacht werden kann“, heißt es.
Frontmann Keshav Purushotham, Jahrgang 1983, gründete Keshavara vor zehn Jahren. Mittlerweile ist die Band zu viert unterwegs. Anfang Oktober ist ihr viertes Studioalbum erschienen: „Moondram Sevi“. Das bedeutet auf Tamilisch „das dritte Ohr“. Purushotham kommt gebürtig aus Hagen, lebte einige Jahre in Indien, und ist seit 1990 in Köln. Der indische Einfluss auf die Musik ist groß und auch im neuen Album deutlich hörbar. Purushothams Cousine, die indische Musikerin Sahana Naresh, ist darauf als Gastsängerin zu hören.
Cio D'Or: Zwischen elektronischer Klangkunst und Minimal-Techno

In Köln lebende Musikproduzentin und DJ Cio D'Or hat den Ehrenpreis erhalten.
Copyright: Dörthe Boxberg / Stadt Köln
Ob im Club oder für zeitgenössischen Tanz und Theater: Mit ihrer Musik und ihren DJ-Sets überwindet die deutsche Musikproduzentin und DJ Cio D’or, bürgerlich Cio Dorbandt, die Grenzen zwischen sogenannter Hochkultur und Subkultur. Dorbandt, Jahrgang 1958, hat in diesem Jahr den mit 5000 Euro dotierten Holger-Czukay-Ehrenpreis erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: „Das Erforschen von neuen Sounds und Klangstrukturen passt zum kreativen Geist des Studio-Tüftlers Holger Czukay.“
Dorbandt lebt seit 2006 in Köln. Musikalisch ist seit den 1970er-Jahren aktiv. Auf ihrer Webseite bezeichnet Dorbandt die Auszeichnung als „unerwartetes Geschenk für die Musik“. Hier kündigt sie auch eine längere Pause vom DJing an, um sich neuen Musikprojekten zu widmen. Ihr Stil oszilliert zwischen Minimal-Techno und Dub-Techno. Für die Klanggestaltung arbeitet sie mit Alltags- und Naturaufnahmen, orchestralen Elementen und selbst entwickelten Klängen.
Band Grenzkontrolle: Post-Punk und funkiger Indie

Die Kölner Band Grenzkontrolle
Copyright: Kristina Wolff
Ihren ersten Live-Auftritt hatte die Kölner Post-Punk-Band Grenzkontrolle um Frontmann Don L. Gaspár Ali im Jahr 2025 bei der c/o pop. Nach anderthalb Jahren hat die Band sich bereits eine stabile Fanbasis aufgebaut und sich gleichzeitig in die Herzen von so manchem Musikjournalisten gespielt. Für diesen vielversprechenden Start wurde die Band nun mit dem 2500 Euro dotierten Zukunftspreis der Stadt ausgezeichnet. „Nach Auffassung der Jury schaffen Grenzkontrolle etwas Neues innerhalb der deutschsprachigen Independent- und Punkszene. Sie klingen direkt, energetisch und experimentell, zugleich aber zugänglich und relevant.“ Grenzkontrolle spielen eine Mischung aus Post-Punk, Dada-Pop und funkigem Indie. Die Jury lobt ihren Mut zur „Unabhängigkeit“ und ihre gesellschaftlichen Beobachtungen.
Im Gebäude 9 feierte die Band Anfang Oktober ihr Tourende mit einem ausverkauften Konzert. Der Bezug zu Köln wird auch in diversen Songs deutlich. In ihrem neuen Song „Piraten“ erinnern sie an die Jugend-Widerstandsgruppe „Edelweißpiraten“, die im Nationalsozialismus ihr Leben riskierte. In „Neumarkt“ sprechen sie über Gentrifizierung und soziale Gruppen am Rande der Gesellschaft. Sänger Gaspár Ali ist am Kölnberg aufgewachsen und hat kongolesische Wurzeln. Als Jugendlicher spielte er Fußball, er war unter anderem beim Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach. Doch die Musik, und nicht der Profifußball ist das Feld, auf dem er seine Persönlichkeit ausdrücken möchte.
Chanson Trottoir aus der Südstadt mit der „Straße im Herzen“

Die Kölner Band Chanson Trottoir veröffentlicht am 14. November ihr neues Album.
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Was Underground bedeutet? „Wir machen gute, handgemachte Musik und verdienen kein Geld damit. Die Aufmerksamkeit liegt woanders. Aber wir schaffen das“, sagt der Sänger der Kölner Multi-Kulti-Band Chanson Trottoir, Quique Carrica, so pragmatisch wie positiv gestimmt. Die Band aus der Südstadt veröffentlicht am 14. November ihr neues Album.
Anderthalb Jahre Arbeit mit Studioaufnahmen in drei Städten stecken darin. Gerade erst waren sie auf Tour. Die große Release-Party findet aber in Köln, im Stadtgarten, statt, wie schon vor zwei Jahren. Es gebe nur noch wenige Tickets, so Carrica. Bisher sang der aus Madrid stammende Sänger seine Lieder auf Französisch – in Paris hat er gelebt und studiert. Doch im dritten Album scheut er sich nicht, in seiner Muttersprache Spanisch zu singen.
Die Band hat jahrelang Straßenmusik gemacht: Man sah sie auf auf dem Eierplätzchen, auf Wochenmärkten, eigentlich in jedem Veedel. Bis heute spielen sie noch auf dem Klettenberger Wochenmarkt, aber Carrica versteht seine Band immer mehr als Bühnen- und nicht Straßenband. „Das bleiben wir im Herzen auch, aber wir haben uns entwickelt.“ Vom Chanson à la George Brassens, mit dem alles losgegangen sei – daher auch der Name Chanson Trottoir (frz. für Bürgersteig) – hat sich die Band dem Indie-Rock zugewandt. „In den Texten arbeiten wir mit vielen Metaphern und für den instrumentalen Part nehmen wir uns sehr viel Zeit. Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis.“
Omar Jatta: Neues Album „Naato“

Omar Jatta beim Summerjam im Jahr 2024
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Auf großen Bühnen hat der in Köln lebende Omar Jatta bereits gespielt, vor Tausenden etwa beim Summerjam. Nun hat Omar Jatta sein erstes, absolut hörenswertes, Studioalbum herausgebracht. Die 13 Lieder von „Naato“ bewegen sich zwischen Afrobeats, Rap, Soul und elektronischen Elementen. Der Titelsong kommt auch jazzig daher. Jatta singt und rappt auf Deutsch, Englisch, Französisch und Mandinka, einer westafrikanischen Sprache.
In seinen Songs erzählt er von Lebensrealitäten zwischen Senegal, Gambia, Frankreich und Deutschland, vom Aufwachsen mit einer alleinerziehenden Mutter, dem Leben in der Diaspora und den Fremdzuschreibungen. Jatta ist in Solingen aufgewachsen und mit Anfang 20 nach Köln gezogen. Vergleichsweise spät sei er zur Musik gestoßen, erzählte er einmal im Interview. Köln sei für seine musikalische Entwicklung perfekt. 2024 sagt er dieser Redaktion: „Ich will eine Art Übersetzer sein und einen pädagogischen Einfluss auf die Leute haben. Ich will ihnen nahebringen, wer ich bin.“
Vavunettha

Vavunettha beim Gamescom-Festival auf den Ringen im Jahr 2025.
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Vavunettha verarbeitet in ihren deutschsprachigen Songs persönliche und gesellschaftliche Themen. Auf ihrem Debütalbum „Haus“ beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen nach Zugehörigkeit, Herkunft und Identität. In ihrem meistgestreamten Song „Asche & Staub“ setzt sich die in Köln lebende Sängerin mit tamilischen Wurzeln kritisch mit dem Kölner Karneval auseinander. „Fick dein Karneval, wenn ein Tag vorher Hanau war. Tja, gehört dazu, Leitkultur im Vaterland. Zwischen Schüssen und Büttenreden und Korkenknallen liegt mal wieder nur ein Einzelfall.“ Kölner Bezüge schafft sie auch mit dem Lied „Aachener Weiher“.
Die Songs sind eine Mischung aus Pop, R'n'B und Hiphop. Sie greifen Themen wie Depression und mentale Gesundheit auf. 2026 veröffentlichte sie ihr zweites Studio-Album „Denkmalschutz“. Die Lebensrealität zwischen der deutschen und migrantischen Gesellschaft, das Dazwischensein, thematisiert die Sängerin regelmäßig.


