Köln – Einer der wenigen ruhigen Momente, die Pfarrer Klaus Kugler an Heiligabend hat, ist der Aufbau der Krippe in seinem Privathaus. Kurz darauf beginnt die Hektik. Denn für ihn geht es jetzt richtig los, an Ausruhen ist nicht zu denken. Der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus in Bickendorf hat nun Hochsaison. Er hält an Heiligabend zwei Gottesdienste, am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag jeweils einen. Da bleibt nicht viel Zeit, das christliche Fest im Privaten zu feiern.
Bereits im Advent hatte der 52-Jährige sehr viel zu tun. Dienstbesprechungen legt er bewusst nicht in den Dezember. Da möchte er sich Zeit nehmen, Menschen zu besuchen und zu empfangen. Das Pastoralteam und auch die Bauarbeiter, die mit dem Bau des neuen Pfarrzentrums beschäftigt sind, kommen zu ihm.
Am Heiligabend spät und erschöpft ins Bett
Kugler lebt in einer „Vita Communis“, einer geistigen Lebensgemeinschaft zusammen mit dem Pfarrer Jan Opiéla. An Heiligabend sehen sich die beiden Mitbewohner zwischen den Gottesdiensten kaum. Nach der Christmette um Mitternacht lassen der Pfarrer und seine Gemeindemitglieder bei einem Sektempfang den Tag ausklingen. Da wird es sehr spät, bis Klaus Kugler erschöpft ins Bett fallen kann.
Für ein festliches Essen hat der Pfarrer erst Zeit, wenn er am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags vom Besuch seiner Eltern in Mülheim zurückkehrt und sein Mitbewohner kocht. Erst nach dem großen Festgottesdienst am 26. Dezember wird es bei ihm richtig besinnlich. Dann ist er ganz allein zu Hause, genießt die Ruhe und liest ein Buch – „das darf auch ein theologisches sein, das macht mir Freude.“
Einsam ist Pfarrer Kugler nach seinen eigenen Worten eigentlich nie. „Obwohl ich keine eigene Familie habe, gibt es Leute, die an Weihnachten viel einsamer sind als ich“, sagt er. Und die Vorstellung, dass es in vielen Familien ausgerechnet während dieser besinnlichen Zeit viele Streitigkeiten gibt? „Das macht mich traurig.“
Auch Gaby Masanek erlebt die Weihnachtstage als eine Zeit der Anspannung. Sie und ihr Mann Ivo Masanek sind Pfarrerin und Pfarrer der evangelischen Johannesgemeinde in Klettenberg. Sie wechseln sich ab – mit der Erziehung ihrer vier Kinder und mit der Arbeit. Ein paar Jahre lang blieb die 44-Jährige daheim, nun ist sie wieder dran und feiert Weihnachten im Dienst der Gemeinde. Schon in der Adventszeit war es nicht unüblich, dass der Arbeitstag um 8 Uhr morgens begann und erst nach Mitternacht endete.
Heiligabend, so die Pfarrerin, verläuft in ihrer Familie „asymmetrisch zu anderen Familien“. Die Bescherung findet nicht abends, sondern bereits früh morgens statt. Noch seien ihre Kinder – sie sind zwischen vier bis neun Jahren alt – zu klein, um den ungewöhnlichen Ablauf zu hinterfragen. Aber in ein paar Jahren, wenn der Vergleich mit anderen Familien losginge, müssen die Eltern den 24. Dezember anders organisieren – das weiß Gaby Masanek. „Einmal haben wir sogar an Heiligabend einen Babysitter gebraucht. Das war fast ein Ding der Unmöglichkeit.“
Nicht genug Zeit, die Predigt zu schreiben
Nach der morgendlichen Bescherung mit der Familie setzt sich die Pfarrerin in ihr Büro und schreibt die letzten Zeilen ihrer Weihnachtspredigt. Am Nachmittag arbeitet sie im Akkord: Um 15 Uhr Krippenspiel, um 16.30 Uhr der große Festgottesdienst. „Wenn die einen aus der Kirche rausgehen, kommen schon die nächsten rein.“ Es kam auch schon vor, dass sie unzufrieden die Kanzel verließ, weil der Stress vor Weihnachten so groß war, dass sie nicht genug Zeit hatte, ihre Predigt zu schreiben.
Dazu kommt, dass Heiligabend für sie eine besondere Herausforderung darstellt. Es sei schon so oft über die Geburt Jesu gepredigt worden, dass es ihr schwer falle, da noch etwas auszulegen, neue Gedanken zu entwickeln. „Dabei würde ich am liebsten einfach nur sagen: Freut euch! Jesus ist geboren! Denn darum geht es doch wirklich“, sagt die Pfarrerin.
Wenn sie dann nach dem Gottesdienst abends nach Hause kommt, sitzt die Familie noch eine Weile zusammen. Dann gehen die Kinder bereits ins Bett. Erst danach kommt Gaby Masanek ein wenig zur Ruhe – und sammelt Kraft, um die nächste Predigt zu schreiben.
