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„Kirche darf kein Club für fromme Insider sein“

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Zollstock – Bei einem Festgottesdienst in der Melanchthonkirche mit anschließendem Empfang hat sich Pfarrer Gerhard Johenneken nach 32 Jahren Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Zollstock vorzeitig mit 63 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Am 27. Juli ist offiziell sein letzter Arbeitstag.

Seit 1987 war Gerhard Johenneken als Pfarrer für die Kirchengemeinde am Rosenzweigpark zuständig, anfangs zusammen mit dem Klaus Reckwitz, der 1996 in den Ruhestand ging. Gerhard Johenneken hatte auch zahlreiche außergemeindliche Aufgaben übernommen. Im Kirchenkreis Köln- Süd war er Synodalbeauftragter für Jugendarbeit. Seit 2007 engagierte er sich im Fachausschuss des Amtes für Diakonie, außerdem war er gewähltes Mitglied im Kreissynodalvorstand bis 2008.

Geboren wurde Gerhard Johenneken 1956 in Jülich, er wuchs in einem Pfarrhaus auf. In Wuppertal und Bonn studierte er Theologie, war dann in Siegburg und Essen tätig und wurde schließlich nach Köln gewählt. Er ist seit 2007 verheiratet, hat keine Kinder. Die Evangelische Kirchengemeinde Zollstock mit der markanten Melanchthonkirche im Bauhausstil an der Bornheimer Straße hat derzeit 3450 Mitglieder, Tendenz abnehmend. Es sei aber kein „totaler Schwund“ zu verzeichnen, sagt Gerhard Johenneken. Sein Nachfolger ist Pfarrer Oliver Mahn von der Kölner Antoniter-City-Kirche. Am 13. Oktober findet der Einführungsgottesdienst statt.

Herr Johenneken, Sie hören vorzeitig mit 63 Jahren auf. Ist Ihnen die Entscheidung leicht gefallen?

Es war ein langer innerer Kampf, aber das Leben ist immer auch Veränderung. Und ich habe mich für mehr freie Zeit entschieden. Die Aufgaben als leitender Pfarrer sind mit den Jahren immer komplexer geworden. Neben der Jugendarbeit kamen immer mehr Aufgaben für Senioren dazu, viele Besuche und der Aufbau von Gottesdiensten in den zwei Seniorenwohnheimen und dem Pflegeheim. Es gab immer mehr Arbeitskreise und ein sehr dichtes Beziehungsgeflecht. Finanzierungen, Gemeindefestorganisation. Ich hatte ein tolles Team, aber es gab Zeiten, in denen ich wochenlang keinen einzigen freien Tag hatte. Dem Presbyterium habe ich meinen Entschluss schon vor zwei Jahren mitgeteilt, die Gemeinde weiß es seit einem halben Jahr.

Was war das Wichtigste für Sie als Gemeinde-Pfarrer?

Vor allem die Arbeit mit Jugendlichen. Mit meiner Frau habe ich einen offenen Jugendtreff eingerichtet, den Jugendkeller renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Wir haben Freizeiten und Kinderbibelwochen durchgeführt. Ein Schwerpunkt war immer auch die Ökumene, also der Kontakt zu katholischen Nachbargemeinden. Und ich habe einen interreligiösen Dialog mit Islam und Judentum angestrebt. Konsens und Gemeinschaft sind mir wichtig gewesen. Kirche darf kein Club für fromme Insider sein.

Gibt es ein besonderes prägendes Erlebnis, das Sie in Ihrer Amtszeit hatten?

Ein Gemeindemitglied hatte uns, das Presbyterium, beauftragt, seine Erbschaft zu verwalten. Als es starb, waren 45 000 Euro vorhanden. Es stellte sich die Frage, was tun mit dem Geld. Aber das ganze Presbyterium war sich schnell einig, dass das Geld nicht der Kirche gehört. Wir haben es an Waisenhäuser gespendet. Das war ein richtig gutes Gefühl, so großzügig zu sein. Das Leben besteht aus Geben und Nehmen.

Was haben Sie sich vorgenommen in ihrem Ruhestand?

Ich habe keine To-do-Liste, will auch keine Weltreise machen. Einfach nur Zeit haben. Ich fotografiere gern, bin handwerklich interessiert. An unserem Fachwerkhaus in Bonn, in das ich mit meiner Frau einziehe, ist immer etwas zu tun. Wenn Not am Mann ist, kann ich in Bonn oder Zollstock gern mal als Vertreter aushelfen.