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Margita LindeSanfte Klänge aus dem Hintergrund

4 min

Die Pianistin Margita Linde.

Köln – „Mich selbst verkaufen, das kann ich nicht“, sagt Margita Linde. Sie habe ja nicht mal eine eigene Website, so die 38-jährige Kölner Pianistin mit lettischen Wurzeln. „Das ist mein sowjetisches Erbe.“ Eine große Selbstdarstellerin ist Margita nicht. Weder auf der Bühne, noch beim Gespräch im Café. Ruhig und bescheiden erzählt sie von sich, und bei Konzerten überlässt sie anderen den „glamourösen“ Part, den Chanson-Sängerinnen und Dirigenten. Und doch ist sie bei allem, was sie tut, unübersehbar – vor allem unüberhörbar. Denn Margita Linde ist groß, schön, plaudert mit Herz und Seele, und, noch viel wichtiger: sie spielt sehr gut Klavier.

Sowjetischer Drill

Keine Frage: Diese Frau weiß, was sie tut, und hat einen langen und harten Weg hinter sich, um dahin zu kommen, wo sie heute steht. Aufgewachsen im damals noch sowjetischen Lettland, begann die Gewöhnung ans Klavier in einer musikalischen Familie schon im Kindesalter. „Hart, aber effektiv“ nennt Linde die musikalische Ausbildung in dem kleinen baltischen Land: „Sowjetischer Drill – anstrengend war es, aber dafür haben wir in unserem kleinen Zwei-Millionen-Einwohner-Land heute auch wirklich tolle Musiker.“ Der Drill sorgte dafür, dass es Linde gelang, ein Staatsexamen im Klavier und einen Magister in Kammermusik zu erlangen – und dafür, dass das kleine Lettland irgendwann doch zu klein für sie wurde, und sie auszog in die Welt. Es folgte ein Studium an der Musikhochschule Köln – zwölf Jahre ist das her – und der Neubeginn war nicht einfach: „Meine Deutschkenntnisse beschränkten sich damals auf Ja und Nein“, sagt Linde. Auch heute spricht sie noch mit deutlich hörbarem osteuropäischem Akzent, aber perfekter Grammatik: „Soziale Kontakte waren auch nicht vorhanden. Hier standen keine Familie, keine Freunde hinter mir. Und die deutsche Bürokratie war für mich absolut unbegreiflich.“

Heute fühlt sich Margita Linde aber im Belgischen Viertel sehr wohl: „Wenn ich zurück nach Lettland fahre, merke ich immer, wie deutsch ich schon geworden bin. Wenn in Deutschland an der Tafel steht, dass der Bus in drei Minuten kommt, dann kommt er meistens auch.“ In Lettland sei man zufrieden, wenn er überhaupt irgendwann komme. Und auch das deutsche Publikum und dessen Musikvorlieben mag sie mittlerweile: „In Lettland sitzen die Leute, die professionell mit Musik zu tun haben, im Publikum und achten in erster Linie darauf, was du für Fehler machst“, sagt Linde.

Chansons, neben der klassischen Kammermusik Margita Lindes Haupt-Spielrichtung, präsentiert sie seit Jahren mit der Kölner Sängerin Klara, deren richtiger Name Birgit Schlenther lautet. Denn Soloauftritte sind Lindes Vorliebe nicht: „Beim Chanson bin ich nie auf der Bühne allein, ich gehe mit meinem Spiel auf den Gesang ein.“ Dieses Aufeinander -Eingehen ist nicht nur auf die Bühne begrenzt: „Bei der Vorbereitung neuer Nummern helfe ich, das Ganze zu entwickeln, zu arrangieren. Das Texten, das Philosophieren, das nimmt Tage und Abende ein“, sagt Linde. Als Ausländerin fühle sie sich im Umgang mit der deutschen Sprache nicht sicher genug, um selbst zu schreiben. Linde: „Außerdem habe ich bis jetzt kein Bedürfnis verspürt, mich musikalisch durch Sprache auszudrücken. Aber ich bin ein tolles Versuchskaninchen, ob Texte auch verständlich sind.“

Austausch mit dem Publikum

Die Pianistin arbeitet intensiv für die Musik, aber nie verbissen: „Klara und ich sind ja keine Profis, was das Schreiben von Chansons angeht. Das läuft alles über Intuition“, so Linde. Auf der Bühne benehme sie sich am Klavier bei Chansons ganz ähnlich wie bei Kammermusik, nur der Austausch mit dem Publikum sei freier, intensiver. „Ich versuche eher, dem Lied zu gefallen, als dem Publikum. Das geht dann Hand in Hand.“

Neben ihren Auftritten lebt Linde von ihrer Tätigkeit als Klavierlehrerin. „Wenn ich nicht unterrichte, übe ich, und wenn ich nicht übe, schlafe ich. Stille ist manchmal die schönste Musik“, sagt sie. Für die Pianistin ist der Arbeitsalltag oft hart, die Konkurrenz in der Branche ist groß: „Wenn die Bekanntheit wächst, öffnen sich Türen, aber dass es einfach ist, kann ich nicht behaupten. Es gibt ein Publikum für Chansons und Kammermusik, aber das ist speziell, und du musst es finden, oder es muss dich kennen.“