Köln – Es war die Nacht auf Allerheiligen im vorigen Jahr, als Taxifahrer Paolo T. in Düsseldorf zwei junge Männer sah, die ihn heranwinkten. Er hielt an, und die beiden stiegen ein; einer setzte sich auf den Beifahrersitz, der andere in den Fonds. Die Fahrt schien lukrativ, denn die Männer wollten nach Köln gebracht werden.
Am Ziel, in der Remscheider Straße in Kalk, zeigte das Taxameter 104 Euro. Da umklammerte der hinten sitzende Fahrgast Paolo T.s Hals, während der andere Mann sich über ihn beugte, ihn an einer Schulter festhielt und aus der Ablage der Fahrertür die Geldbörse mit rund 300 Euro und das Handy nahm. Außerdem steckte er die Autoschlüssel ein. Dann flüchteten die Männer. Paolo T. bat Passanten, die Polizei zu rufen.
Täter zeigen sich geständig
Seit Montag müssen sich die Täter, Cousins im Alter von 22 und 28 Jahren, vor dem Landgericht verantworten. „Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer“ lautet der Vorwurf. Sie zeigten sich geständig und ausgesprochen reuig. Paolo T. (61, alle Namen geändert), der im Zeugenstand sagte, er habe einige Tage lang Schmerzen wegen des Klammergriffs gehabt, sei aber nach zwei Wochen wieder Taxi gefahren, ist nicht das einzige Opfer der Männer.
In der Nacht zum 3. November verfuhren sie nach derselben Methode. In Düsseldorf orderten sie ein Taxi, ließen sich nach Kalk fahren , der Ältere, Murat K., fixierte den Fahrer, und der Jüngere, Kerim G., raubte Portemonnaie, Smartphone und Schlüssel. Schon in der Nacht darauf geschah die dritte Tat. Diesmal bestiegen die Täter in Kalk ein Taxi, ließen sich nach Buchforst bringen und überwältigten den Fahrer. Der flehte, ihm wenigstens die Schlüssel und das Handy zu lassen, und die Männer gingen darauf ein, nahmen nur die Geldbörse mit 250 Euro mit.
Drogen und Spielsucht
Murat K., der zuletzt von Hartz IV gelebt hat und in Untersuchungshaft sitzt, sagte, ständige Geldsorgen hätte ihn und seinen Cousin zu den Taten getrieben. Er selber habe Marihuana und Kokain genommen, außerdem sei er spielsüchtig, habe sich immer wieder Geld geliehen und an Automaten verzockt. Er sei bereit, eine Therapie zu machen.
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„Wir beide haben Scheiß gebaut, und wir stehen dazu.“ Auch Kerim G. sprach von Drogenkonsum und Zockerei in Spielotheken; bis zu 4000 Euro Schulden habe er abzutragen. Er gab sich geläutert. Inzwischen habe er wieder guten Kontakt zu Mutter und Stiefvater, seine Frau, die er vor zwei Wochen geheiratet hat, stütze ihn ebenfalls, und er habe „zu Gott gefunden“. Alkohol, Zigaretten und Drogen seien heute tabu für ihn. Im September beginne er eine Ausbildung.
Die Angeklagten beließen es nicht bei reuigen Worten. So boten sie Paolo T. über ihre Verteidiger Schadenswiedergutmachung an – und zahlten auf der Stelle 550 Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.
