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Köln-DeutzEinmal im Jahr zum „Lommi“

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Die fröhliche Runde aus ehemaligen Mitarbeitern in der Kultkneipe an der Siegestraße.

Deutz – „Schnell rein, dann gleich links den Tisch am Fenster besetzen“, so lautete die Parole vor der Kneipentür. Auch für einen Stammtisch, der vor 30 Jahren im Gasthaus Lommerzheim gegründet wurde, gibt es keine Stammplatzgarantie. Das macht Horst Limberg und seinen ehemaligen Kollegen der Bayer-Farben jedoch nichts aus. Im Gegenteil: Wie alle Gäste schätzen sie den Reiz, in der stets vollen Kultgaststätte an der Siegesstraße zu sein. Wer hier an einem Tisch sitzen darf und nicht stehen muss, kann sich glücklich schätzen.

1988 lud der damalige Buchhalter in der zu dieser Zeit noch sehr bedeutenden Bayer-Sparte Kollegen zu einem Treffen ein. „Die Kneip’ ist voll mit Leut’ und Rauch/ und wie es ist bei ihm so Brauch – man kriegt sein Bier erst nach ner Weile, denn Trinken, das hat keine Eile“ – so dichtete Horst Limberg auf die Wirtsleute Lommerzheim.

Die drei Jahrzehnte alten Zeilen hängen gerahmt zwischen Ansichten des alten Köln immer noch im Lokal. Aufgehängt habe den Rahmen Herr Lommerzheim persönlich, weil er und seine Frau das Gedicht – und die dazugehörige Gruppe – ins Herz geschlossen hätten, heißt es in der Runde. Ein bedeutender Moment, denn sonst habe es damals keinerlei Dekorationsgegenstände gegeben. Bis heute kommt der „Lommi-Kreis“ der Bayer-Mitarbeiter einmal im Jahr zusammen. Gisela Bollig reiste sogar aus Trier an, wo sie inzwischen lebt: „Ich bin ein altes Bayer-Gewächs“, bekennt sie.

Die meisten des gut ein Dutzend Mitglieder zählenden Kreises sind bereits in Rente. Das Unternehmen sorgt immer noch für Gesprächsstoff. Die Aufspaltung des Konzerns, die Aktienkurse und natürlich Tratsch über alte Kollegen, aber auch freundschaftliche Unterhaltungen über die private Situation der Stammtischmitglieder gehören dazu. Unbeantwortet blieb immer noch die Frage nach der Kollegin, die vor zwei Jahren ihren Stammtischbesuch kurzfristig telefonisch wegen eines gerade erhaltenen Heiratsantrages absagte.

Der frühere Abteilungsleiter Dieter Zimmermann betont: „Nirgends ist der Zusammenhalt so groß wie in der ehemaligen Farben-Sparte.“

Die Wahl des Kultlokals als Treffpunkt traf Horst Limberg. „Als ich in den Siebzigern bei Bayer anfing, bin ich nach Mülheim gezogen. Ein Nachbar nahm mich mal mit zum Lommerzheim“, erzählt er. Voll sei das Lokal auch schon damals gewesen. Mit den – inzwischen verstorbenen Wirtsleuten Hans und Annemie Lommerzheim – freundete er sich bald an. „Ich war sogar mal im Privathaus eingeladen “, sagt er stolz und erzählt, dass der stets brummige Gastwirt lieber Wein statt Kölsch trank. Er habe sogar einen gut sortierten Weinkeller gehabt.

In der Bayer-Runde ist Kölsch dennoch das bevorzugte Getränk und auch die berühmten Koteletts, von denen es heißt, dass sie mehr als eine Person satt machen. Bis zum nächsten Treffen werden schließlich wieder zwölf Monate vergehen.

Horst Limberg