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Ehrenamtspreis für Lisa Naumann„Als Bezugsperson kannst du bei Kindern viel bewirken“

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Eine Frau mit Rugbyball in den Händen und einem Shirt, auf dem „Rugby United“ steht.

Lisa Naumann schafft mit dem Verein „Rugby United“ Sportangebote für sozial benachteiligte Kinder. 

Lisa Naumann beweist, dass Sportangebote einen Beitrag zu Inklusion und Teilhabe leisten können.

Für Lisa Naumann ist Rugby mehr als nur ein Kontaktsport, der für Härte bekannt ist: Sie weiß, dass er vor allem für Fairness, Freundschaft und Gemeinschaft steht. Die 36-Jährige wird für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im Verein „Rugby United“ mit dem Kölner Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

Angefangen hat alles im Rugby Sport Verein Köln, für den Naumann aktiv spielte, seit sie mit 20 Jahren nach Köln gezogen war. Gemeinsam mit drei Mitspielerinnen engagierte sie sich dann vor rund zehn Jahren für Geflüchtete, die zu eigens organisierten Trainings kamen. Aus diesem Projekt wurde schließlich der seit 2024 eingetragene Verein „Rugby United“. Mit ihm will Naumann sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche erreichen und durch den Rugbysport soziale Werte vermitteln und Gemeinschaft herstellen. 

Sport als Weg, etwas zu bewirken

„Sport kann unterschiedliche Menschen verbinden und kennt keine Sprache. Alle können mitmachen, auch wenn man wenig Deutsch spricht, weil man so viel über den Körper macht“, sagt Naumann. Kinder mit Fluchtgeschichte könnten so einen Sport und Raum finden, in dem sie sich angenommen fühlen, Selbstvertrauen entwickeln und soziale Werte wie Respekt und Fairness erleben. Dass Sport auch soziale und gesellschaftliche Ziele erreichen kann, lernte Naumann nicht nur durch ihre Arbeit, sondern auch im Masterstudium an der Sporthochschule Köln. Sie war Teil des ersten Jahrgangs, der Internationale Sportentwicklung und Politik studieren und verstehen konnte, wie Sport in der Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden kann. 

Naumann war bereits mit Mitte 20 ehrenamtlich in Südafrika, um sich mit Rugby an Schulen in benachteiligten Gebieten zu engagieren. In Südafrika sei Rugby eigentlich groß, aber die Kinder dort hätten es vorher gar nicht gekannt. Da habe sie gemerkt, dass es eigentlich nur bei der weißen und privilegierten Bevölkerung ein großer Sport ist.

Naumann wollte immer schon „gegensteuern, was machen und Leute zusammenbringen“, wenn sie unfaire soziale Entwicklungen beobachtet habe. Würde sie heute noch einmal studieren, wäre es Soziale Arbeit. Doch damals sah sie im Sport einen Weg, etwas zu bewirken, vor allem dank des Selbstverständnisses im Rugby: „Man diskutiert nicht mit dem Schiedsrichter, entschuldigt sich teils sogar. Man spielt nicht nur zusammen, sondern feiert mit den Gegnern danach, organisiert Feste und Aktionen. Freundschaft steht im Vordergrund. Der Verein ist für mich wie eine zweite Familie.“

Engagement mit Zukunft

Dieses Gefühl von Gemeinschaft ermöglicht der Verein Kindern durch viele Angebote: AGs an Schulen, ein jährliches Schulturnier, bei dem verschiedenste Schulen aus Köln zusammenkommen, Feriencamps für alle rugbyinteressierten Kinder aus NRW, für die sogar Trainer aus Wales anreisen, und offene Trainingsgruppen für autistische Kinder. „Es ist einfach ein Raum, wo wir Rugby-Impulse geben, aber auch einfach viel spielen.“ Das sei für Kinder und ihre Familien wertvoll, wie die Mutter eines Jungen in der Gruppe laut Naumann zeigt: Ihr nonverbaler Sohn ecke in anderen Vereinen immer an und müsse wieder aufhören, während er hier einen Riesenspaß habe und einfach glücklich sei. Naumann will zukünftig noch inklusiver arbeiten, mit körperlich Behinderten etwa.

Auch beruflich setzte Naumann ihr Engagement fort: Sie arbeitete fünf Jahre als Geschäftsführerin in einem Solinger Verein, in dem sie inklusive Sportprojekte entwickelte. Da habe sie viel Wissen mitgenommen und sich Tatkraft und Mut abgeschaut. Das half ihr, auch Rugby United weiter aufzubauen. Es hat sich gelohnt: Ab September ist Naumann hauptamtlich in einer bezahlten Stelle für Rugby United tätig. „Ich kann mit dem Trainerteam jetzt noch mehr Projekte umsetzen und habe auch wirklich viel Zeit für das Ganze. Die Energie, das nebenbei zu machen, hätte ich nicht ein Leben lang.“

Erfolg ist Teamarbeit

Trotzdem hat Naumann sie lange genug bewiesen. Sie weiß, dass Organisation und Partner entscheidend sind, um wirklich die Zielgruppen zu erreichen, die von Angeboten profitieren sollen. „Es müssen die richtigen Stellschrauben gedreht werden. Wenn man einfach sagt: ‚Hier habt ihr einen Ball, spielt was‘, funktioniert das nicht.“ 

Teamgeist zählt: Das Feriencamp auf dem Kölner Rugby-Park Gelände. Unter der Malstange versammeln sich die an Training und Organisation beteiligten Mitglieder von Rugby United und dem RSV Köln.

Als Bezugsperson könne man bei Kindern nämlich viel bewirken, so Naumann, die davon erzählt, wie Kinder ihr Geschichten ihrer Flucht anvertrauten, was bewegend gewesen sei. „Ich finde am wichtigsten, dass man den Menschen hinter dem Sportler sieht“, sagt Naumann, die selbst Leistungssportlerin war und für die Nationalmannschaft spielte. 

Ohne die vielen Ehrenamtlichen im Rugby Sportverein Köln und bei Rugby United wären die Erfolge und Entwicklungen laut Naumann nicht möglich gewesen. „Ich sehe diesen Preis stellvertretend für uns alle“, sagt sie. Gerade in einer Zeit, in der sozialpolitische Hürden die Kapazitäten für freiwilliges Engagement einschränken würden, sei es umso wichtiger, dieses zu würdigen. Was Naumann antreibt, bleibt unverändert: „Auch wenn es gerade viele Krisen und schwierige Entwicklungen gibt, ist es immer noch hilfreich, wenn du selbst das Gefühl hast, mit deiner eigenen Arbeit wirksam zu sein.“