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Kölner AusländeramtExperte über Schleuser-Verdacht: „Müssen von hoher krimineller Energie ausgehen“

Eine Mitarbeiterin soll rechtswidrig Aufenthaltstitel erteilt haben. Korruptionsexperte Carsten Stark lehrt an der Hochschule Hof. Er ordnet den Fall ein.

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Im Ehrenfelder Bezirksrathaus soll die beschuldigte Mitarbeiterin gearbeitet haben.

Im Ehrenfelder Bezirksrathaus soll die beschuldigte Mitarbeiterin gearbeitet haben.

Eine frühere Mitarbeiterin des Kölner Ausländeramts soll Teil einer Schleuserbande gewesen sein, die indischen Männern über Scheinehen Aufenthaltserlaubnisse verschafft haben soll. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat Anklage gegen vier Personen erhoben. Carsten Stark ist Professor für Personalmanagement und Organisation an der Hochschule Hof und leitet das Institut für Korruptionsprävention. Im Interview spricht er darüber, warum das Ausländeramt ein besonders gefährdeter Bereich ist, ob es sich um ein Großstadtphänomen handelt und die Frage, ob es einen wirksamen Schutz überhaupt gibt.

Zum wiederholten Mal ist eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde  im Zusammenhang mit Schleuseraktivitäten offenbar straffällig geworden. Ist das Ausländeramt ein besonderes Einfallstor für Vorgänge dieser Art?

Carsten Stark: Das Ausländeramt muss als besonders gefährdeter Bereich angesehen werden. Hier gibt es seitens der Antragsteller ein sehr großes Interesse. Es ist ein Massengeschäft, und die Rechtsbereiche sind unter Umständen sehr komplex. In dieser Gemengelage kann es ohne geeignete präventive Maßnahmen immer zu korruptiven Sachverhalten kommen. Das muss nicht unbedingt zu Schleuseraktivitäten führen. Aber klar muss sein, dass insbesondere bei diesem Thema von hoher krimineller Energie ausgegangen werden muss und es hier durchaus auch Beziehungen zur organisierten Kriminalität geben kann. Und schon das Wort sollte uns klar machen, dass diese Kriminalität sehr gut organisiert ist.

Welche Mechanismen erleichtern kriminelle Vorgänge wie hier beschrieben?

Schlechte Personalausstattung, wenig transparente Verfahren, Konzentration auf einzelne Stellen ohne wirksame Kontrollen, schlechte Bezahlung der Beschäftigten sind hier wohl die Hauptfaktoren.

Köln steht aktuell mit diesem Fall im Fokus. Handelt es sich um ein Großstadtphänomen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. Aber natürlich ist schon alleine die Anzahl der Verfahren in Großstädten höher. Damit steigt einfach die statistische Wahrscheinlichkeit.

Gibt es einen wirksamen Schutz?

Ja. Schwachstellenanalysen, Prozessoptimierungen mit Einbau eines Mehraugenprinzips. Trennung von Antragsentgegennahme und Entscheidung. Personalrotation nicht nur bezogen auf Regionen oder Namen, sondern bezüglich unterschiedlicher Ämter. Schulung der Führungskräfte bezüglich des Erkennens von Risiken und der Etablierung effektiver Kontrollen.

Was können Städte und Gemeinden tun, um dies zu unterbinden?

Die Arbeitsabläufe in den Ausländerämtern analysieren, Kontrollmöglichkeiten in den Prozess einbauen. Personalrotation durchführen und mehrere Stellen in das Verfahren  integrieren.

Welche strikten Regeln sollten für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gelten?

Die Regeln wie das Mehraugenprinzip sind bekannt und gut. Ich denke nicht, dass man hier mit neuen Regeln etwas bewirken kann. Das Problem ist nicht juristischer, sondern personalwirtschaftlicher und organisatorischer Art.


Zur Person

Carsten Stark ist Professor für Personalmanagement und Organisation an der Hochschule Hof und leitet das Institut für Korruptionsprävention.