Armut in KölnHilft es, Bettlern auf der Straße Geld zu geben?

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Viele Bettler von der Domplatte haben kein Dach über dem Kopf.

Köln – Fakten statt Vorurteile will der neue Caritas-Leitfaden „Arm in Köln“ liefern. Die Broschüre soll zu mehr Sicherheit im Umgang mit Betteln und Armut führen und Verständnis dafür wecken, dass Bettler und Obdachlose zur urbanen Gesellschaft einer Großstadt wie Köln dazugehören. Wir dokumentieren Antworten der Caritas auf einige der häufig gestellten Fragen.

Soll man Bettlern Geld geben, wenn sie sich davon möglicherweise doch nur Alkohol davon kaufen?

Ja. Menschen, die auf der Straße leben, brauchen Drogen häufig, um ihr eigenes Elend zu ertragen. Ein kalter Entzug auf der Straße kann zudem lebensbedrohlich sein. Wer dennoch kein Geld geben will, kann den Bettler stattdessen fragen, was er braucht. Vielleicht neue Socken, einen Schal oder Schuhe. Oder man kann Hilfseinrichtungen unterstützen. Ein belegtes Brötchen oder ein Kaffee mögen sinnvoll erscheinen. Was aber, wenn es der zehnte Kaffee und das sechste Brötchen ist, das dann unter Umständen im Müll landet?

Was kann man tun, wenn man sich von Bettlern belästigt fühlt?

Niemand muss sich beschimpfen oder anpöbeln lassen, wenn er nichts gibt. Wer sich bedrängt fühlt, zum Beispiel, weil der Bettler weiter neben einem hergeht, sollte seine Ablehnung klar zeigen und notfalls andere Personen um Hilfe bitten.

Ist Betteln überhaupt erlaubt?

Das sogenannte „stille Betteln“ ist seit 1974 nicht mehr strafbar. Aggressives Betteln gilt dagegen als Nötigung, man kann dagegen Strafanzeige stellen. Werden falsche Lebensumstände wie Blindheit oder eine verlorene Geldbörse vorgetäuscht, gilt das als Betrug. Zudem können Kommunen bandenmäßiges oder organisiertes Betteln untersagen.

Soll man Bettler einfach vertreiben?

Das löst das Problem überhaupt nicht. Durch Verbote und Platzverweise werden sie nur an andere Stellen verdrängt.

Was ist mit organisierten Bettlerbanden?

Dass die meisten Südosteuropäer, die auf den Straßen betteln, zur so genannten Bettel-Mafia gehören oder von dieser gezwungen werden, ist ein gängiges Vorurteil. Dafür gibt es genauso wenig Belege wie für die weit verbreitete Anschuldigung, die Zuwanderer wollten lediglich vom deutschen Sozialsystem profitieren. Allerdings kommen viele im traditionell engen Familienverband hierher und organisieren das Betteln gemeinsam. Die Gleichsetzung von „organisiert“ und „kriminell“ ist jedoch keineswegs haltbar.

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Warum kommen überhaupt so viele Rumänen und Bulgaren. Ist ihre Not echt?

Die Löhne in diesen Ländern sind extrem niedrig – wovon auch die hiesige Industrie profitiert. Ein Ehepaar, bei dem beide zum dort geltenden Mindestlohn von nicht einmal zwei Euro pro Stunde Vollzeit arbeiten, erwirtschaftet in Rumänien nur die Hälfte des Existenzminimums. In Deutschland dürfen sie als EU-Bürger arbeiten, haben aber wegen der Sprache oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Viele arbeiten nur zeitweise und in prekären Verhältnissen auf Äckern, in der Fleischindustrie oder auf dem Bau – teils schwarz. Anspruch auf Sozialleistungen haben sie vorerst nicht.

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