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„Warum hast du nicht ja gesagt?“Jan und Griet eröffnen den Straßenkarneval in der Südstadt

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Jan und Griet beim „Spill an d’r Vringspooz“

Rund um den Chlodwigplatz eröffneten Jan und Griet den Straßenkarneval in der Südstadt.

Mit dem „Spill an d’r Vringspooz“ an der Severinstorburg begann in der Kölner Südstadt der Straßenkarneval.

Maite Kelly und Roland Kaiser haben mit „Warum hast du nicht nein gesagt“ einen Hit gelandet. Melanie und Horst-Peter Becker betraten an Wieverfastelovend mit ihrer Variante die Bühne: „Warum hast du nicht ja gesagt?“, sang das Ehepaar in ihren Rollen als Jan und Griet an der Severinstorburg. Die Abwandlung passt natürlich wie die Faust aufs Auge zum „Spill an d’r Vringspooz“, das das Reiter-Korps Jan von Werth alljährlich zum Auftakt des Straßenkarnevals in der Südstadt zum Besten gibt. Geht es doch um eine verpasste Gelegenheit.

Die Sage dreht sich um Jan von Werth, der einst als unbedeutender Knecht von der schönen Magd Griet abgewiesen wurde und nun hoch zu Ross aus dem Dreißigjährigen Krieg nach Köln zurückkehrt. Dort trifft er erneut auf Griet, die mittellose Marktfrau geblieben ist, während er zum hochdekorierten Reitergeneral aufgestiegen ist. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt, aus der Liebesgeschichte wird auch diesmal nichts. Jans Ausspruch „Griet, wer et hätt jedonn!“ („Griet, wer es getan hätte!“) und Griets reuevolle Antwort „Jan, wer et hätt jewoß!“ („Jan, wer konnte das wissen!“) gehören zu den bekanntesten Dialogen im Kölner Karneval. Oder eben in der aktuellen Zusammenfassung: „Warum hast du nicht ja gesagt?“

Griet und Jan: Liebesglück im echten Leben

In diesem Jahr bekam es Griet mit ihren unerzogenen Kindern zu tun, deren Vater sich tot gesoffen hat. Umso schmerzhafter, als dann der stattliche Jan samt Gefolge des Weges geritten kommt. Im echten Leben hatten die beiden Hauptdarsteller mehr Liebesglück. 2002 lernten sich Melanie und Horst-Peter Becker über eine Online-Kontaktplattform kennen. Melanies Idealvorstellungen – 1,85 Meter, schwarze Haare, braune Augen, möglichst aus Köln – erfüllten sich in Gestalt von Horst-Peter aus Nippes nahezu perfekt. Sie zog aus Niedersachsen nach Köln und tauchte sofort in den Karneval ein: „Schon auf der ersten Sitzung war ich infiziert“, sagt die 53-Jährige aus Nordhorn in der Grafschaft Bentheim. Ihre Rolle als Griet hat in ihrer Heimat bereits die Runde gemacht. „Grafschafterin erobert den Kölner Karneval“, hieß es in der Zeitung. Die Session sei bisher einfach traumhaft gelaufen: „Die Stimmung ist über Wochen nicht eingeknickt.“

Hunderte Jecke ließen sich das Schauspiel auf dem Chlodwigplatz nicht entgehen. Für Annette aus der Südstadt gehört es schon seit 20 Jahren zum festen Ablauf: „Die fünfte Jahreszeit ist für mich die farbenfroheste und toleranteste“, sagt die 65-Jährige. Nach dem „Spill an der Vringspooz“ ging es farbenfroh weiter: 18 Gruppen bildeten diesmal den frühesten Veedelszoch Kölns quer durch die Altstadt.