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Deutlichster Engpass in BocklemündKölner Gesamtschulen lehnen 733 Kinder ab

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Zur gewünschten weiterführenden Schule können längst nicht alle Kölner Kinder laufen.

  1. 733 Mal mussten Kölner Gesamtschulen zuletzt eine Absage an Familien verschicken.
  2. Schulen und Verwaltung veröffentlichen die Zahlen ungern. Doch sie belegen den Handlungsbedarf an vielen Stellen
  3. Ganz anders sieht die Lage der Hauptschulen aus.

Köln – Trotz des Angebots der 2018 eröffneten Heliosschule in Ehrenfeld herrscht in dem Stadtbezirk ein deutlicher Mangel an Gesamtschulplätzen. An der Max-Ernst-Gesamtschule in Bocklemünd wurden mehr als 100 Kinder, die dort in die fünfte Klasse wollten, abgelehnt – so viele wie an keiner anderen der 15 städtischen Gesamtschulen. An der Heliosschule – der zweiten Gesamtschule im Stadtbezirk – wurden 80 Kinder abgelehnt, weil die vorhandenen Plätze nicht reichten.

Das geht aus einer statistischen Auflistung hervor, die von der Verwaltung für die Politiker im Schulausschuss vorbereitet wurde. Handlungsbedarf besteht offensichtlich auch in den Stadtbezirken Chorweiler, wo die einzige Gesamtschule 104 Schüler ablehnte, und im Stadtbezirk Mülheim. Dort gibt es mittlerweile vier Gesamtschulen mit insgesamt 23 Klassen – und doch bekamen 160 Familien eine Absage für ihr Kind.

Nur in Rodenkirchen wenige Absagen

Die Schulen der Stadt und auch die städtische Schulverwaltung veröffentlichen die Zahlen zu den Anmeldungen, Annahmen und Ablehnungen an den einzelnen Schulen nicht gerne. Sie sind in der Vergangenheit häufig missgedeutet worden, weil man von der Zahl der Ablehnungen auf die angebliche Beliebtheit einzelner Schulen geschlossen hat. Tatsächlich machen die Ablehnungen den Handlungsbedarf für die städtische Schulpolitik deutlich.

Es fehlt vor allem an Gesamtschulplätzen. 733 Kinder wurden abgelehnt. Alle 15 Schulen haben Absagen verschickt. Nur im Stadtbezirk Rodenkirchen war die Zahl gering.

Mehr Klassen in der Innenstadt

Auch bei den Gymnasien ist der Druck groß. Zwar haben alle, die einen Gymnasialplatz wollten, einen bekommen. Doch das war nur möglich, weil an den meisten Schulen die Klassen vergrößert wurden. Das Gesetz sieht eigentlich vor, dass eine Klasse im Gymnasium höchstens 29 Schüler haben sollte. So hätten rechnerisch 3422 Plätze für Fünfklässler in 118 Klassen zur Verfügung gestanden. Aufgenommen wurden an den städtischen Gymnasien schließlich 3603. Hinzu kommen 391 Kinder, die nun private Gymnasien besuchen.

Obwohl im Stadtbezirk Innenstadt weniger Familien wohnen als in den anderen acht Bezirken, sind die Schulen dort weiterhin besonders begehrt. Die acht Gymnasien in der City und in Deutz haben 881 Kinder aufgenommen. Am Humboldt- und am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium wurde eine zusätzliche Klasse eingerichtet. Auch im Stadtbezirk Ehrenfeld wurde mit zwei so genannten „Mehrklassen“ auf die hohen Schülerzahlen reagiert.

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Traut man der städtischen Statistik, hat sich die Lage an den Realschulen deutlich entspannt. Auch bei dieser Schulform hatte es im vergangenen Jahr in einigen Stadtbezirken Probleme gegeben. Eng ist es beim Realschulangebot weiterhin im Stadtbezirk Kalk.

Ganz anders ist die Lage bei den verbliebenen zwölf Hauptschulen in der Stadt. Nach der Schließung vieler Schulen stehen noch 572 Plätze bereit, über 200 blieben unbesetzt. Das Schulgesetz verlangt eigentlich für den Betrieb einer Schule, dass es mindestens zwei Klassen pro Jahrgang gibt. Das schaffen fünf Hauptschulen nicht. Bei zweien ist die Schülerzahl auf 16 beziehungsweise 13 für den ganzen fünften Jahrgang gefallen.