Die Stadt ordnete eine 50-Prozent-Quote für unverarbeitete Lebensmittel auf dem Markt an. Doch die scheint aus verschiedenen Gründen kaum umsetzbar.
Diskussion die DefinitionMarktbetreiber vom Rudolfplatz verklagt die Stadt Köln

Der „Markt-Treff Rudolfplatz“ am Donnerstag, 30. August
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Welche Anforderungen muss ein Markt erfüllen, damit er als Wochenmarkt eingestuft werden kann? Über diese Frage streiten die Stadt Köln und der Veranstalter des abendlichen Wochenmarkts auf dem Rudolfplatz nun vor Gericht.
Seit dem 24. Juli sind beim Verwaltungsgericht Köln eine Klage und ein Eilverfahren anhängig. Die Deutsche Marktgilde, die den neuen abendlichen Wochenmarkt seit April jeden Donnerstag auf dem Rudolfplatz veranstaltet, wendet sich dabei gegen eine städtische Auflage. Die Stadt habe vorgegeben, dass mindestens 50 Prozent des Marktangebots aus unverarbeiteten Lebensmitteln bestehen muss. Das teilte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts auf Anfrage mit. Derzeit scheint der Markt auf dem Rudolfplatz weit entfernt von der geforderten Quote zu sein.
Die Diskussion um die Definition eines Wochenmarkts ist auf dem Rudolfplatz nicht neu. Über zehn Jahre fand dort der beliebte wöchentliche Abendmarkt „Meet & Eat“ statt. Im März zum letzten Mal. Das Rechtsamt der Stadt war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Markt des Kölner Veranstalters Agrar-Konzept längst kein Wochenmarkt mehr war. Maßgeblich für diese Bewertung ist die Gewerbeordnung. Auf einem Wochenmarkt müssen demnach mehrere Händler Lebensmittel, Obst, Gemüse oder andere landwirtschaftliche Produkte anbieten. Eine Quote für klassische Wochenmarkthändler ist in der Gewerbeordnung nicht festgelegt. Der Verkauf alkoholischer Getränke ist nur erlaubt, wenn sie selbst hergestellt wurden.
Meet & Eat: Fokus auf Alkohol und zubereitete Speisen
Bei „Meet & Eat“ bestand das Angebot nach Einschätzung der Verwaltung aber größtenteils aus alkoholischen Getränken und zubereiteten Speisen. Damit war der Markt aus Sicht der Stadt ein Spezialmarkt. Und für Spezialmärkte gilt das städtische Vergabekonzept für Innenstadtplätze: Erlaubt sind höchstens sechs pro Platz und Jahr. Eine wöchentliche Dauerveranstaltung ist damit ausgeschlossen.
Die Stadt suchte in einem offenen Auswahlverfahren einen neuen Betreiber und vergab den Markt an die Deutsche Marktgilde. Das Unternehmen veranstaltet deutschlandweit Wochenmärkte, nach eigener Aussage an 110 Standorten. Das Konzept bekam den Zuschlag, weil es ein ausgewogenes Wochenmarkt-Sortiment vorsah. In einer Mitteilung der Stadt Mitte April war von „voraussichtlich sechs klassischen Wochenmarktständen mit frischen Lebensmitteln für den täglichen Bedarf“ die Rede. Am 30. April fand die erste Ausgabe des neuen Markts unter dem Titel „Markt-Treff Rudolfplatz“ statt.
Doch mehr als drei Monate später zeigt ein Rundgang über den Markt: Die Umsetzung ist derzeit weit entfernt vom angestrebten Konzept. Von den acht Marktständen verkaufte am Donnerstag (6. August) kein einziger unverarbeitete Lebensmittel. Eine Woche zuvor waren es sieben Marktstände, von denen einer zumindest klassische Wochenmarkt-Produkte im Angebot hatte, in diesem Fall Wurst und Käse. Beobachter des Markts berichteten in den vergangenen Wochen von einer hohen Fluktuation bei den Ständen. Auch die Zahl der Händler habe sich seit dem Start Ende April stark reduziert. Der größte Andrang herrschte mit Abstand an den Ständen zweier Weingüter.
Stadt sah Anforderungen an einen Wochenmarkt nicht erfüllt
Die Stadt wollte das aktuelle Marktangebot mit Verweis auf das laufende Verfahren in dieser Woche nicht kommentieren. Auf eine frühere Anfrage dieser Zeitung antwortete die Stadt Mitte Juli, der im Sinne der Gewerbeordnung geforderte Sortimentsmix sei bislang noch nicht zu jeder Marktveranstaltung abgebildet worden. „Die Verwaltung kontrolliert die Zusammenstellung des Angebotes bei jeder Marktveranstaltung und befindet sich mit der Betreiberin im Austausch mit dem Ziel, den geforderten Sortimentsmix dauerhaft sicherzustellen“, hieß es damals. Kurze Zeit später mündete der Austausch offenbar in der 50-Prozent-Quote für unverarbeitete Lebensmittel, gegen die die Deutsche Marktgilde nun klagt.
Zu den Inhalten der Klage wollte sich die Deutsche Marktgilde auf Anfrage nicht äußern. „Nach unserer Einschätzung entspricht der aktuelle Sortimentsmix den Anforderungen eines Wochenmarkts gemäß Paragraf 67 der Gewerbeordnung“, sagte Martin Rosmiarek, Leiter der Kölner Niederlassung der Marktgilde, in dieser Woche. Der Markt befinde sich „weiterhin in der Aufbau- und Entwicklungsphase“, die Zahl der Marktstände sei unter anderem von der Witterung und anderen Rahmenbedingungen abhängig. Zu diesen Rahmenbedingungen gehöre auch, dass ein abendlicher Wochenmarkt besondere Herausforderungen mit sich bringe. „Viele klassische Wochenmarkthändler sind vormittags bereits auf anderen Wochenmärkten tätig und können aus zeitlichen, personellen oder organisatorischen Gründen keinen zusätzlichen Markttag am Abend wahrnehmen“, sagte Rosmiarek.
Gemüsehändlerin: „Es macht finanziell einfach keinen Sinn“
Dazu kommt offenbar, dass sich das Abendgeschäft für einen klassischen Wochenmarkthändler auf dem Rudolfplatz bisher schlichtweg nicht lohnt. „Es macht für uns finanziell einfach keinen Sinn“, sagt eine Wochenmarkthändlerin aus dem Kölner Umland, die nach eigenen Angaben viermal testweise beim „Markt-Treff“ dabei war. „Die Menschen kommen auf den Markt, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken, nicht um Obst und Gemüse einzukaufen.“ Die Idee eines abendlichen Wochenmarkts sei gut, gehe aber an der Nachfrage der Besucher vorbei.

Beate und Harald Braun waren jahrelang auf dem Vorgängermarkt „Meet & Eat“ vertreten.
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Auch Beate und Harald Braun glauben, dass das Konzept eines ausgewogenen Wochenmarkt-Angebots am Abend nicht umsetzbar ist. Das Ehepaar verkaufte auf dem „Meet & Eat“-Markt viele Jahre lang kölsche Tapas – zusätzlich Bier, Wein und Aperol. Als der Nachfolgermarkt in den Startlöchern stand, habe die Marktgilde als Veranstalter alle Händler gefragt, ob sie weitermachen wollten. „Mit unserem Konzept hätten wir weitergemacht, aber ohne Alkoholverkauf war für uns klar, dass es sich nicht lohnt“, sagt Beate Braun. Bei „Meet & Eat“ hätten die Leute gegessen, das habe aber nicht im Vordergrund gestanden. „Man isst nicht jede Woche Erbsensuppe“, sagt Harald Braun.
Umso mehr ärgerte sich das Paar, als die Stadt die Regeln für den Alkoholausschank auf dem Nachfolgermarkt später noch einmal änderte. Plötzlich durften einige Marktstände Wein verkaufen, obwohl er nicht aus eigener Herstellung stammte. Auf Anfrage teilte die Stadt dieser Zeitung bereits im Juni mit: „Im Zuge des Neustarts mit dem geänderten Konzept auf dem Rudolfplatz ergaben sich zusätzliche rechtliche Fragestellungen. Im Ergebnis ergänzte die Verwaltung ihre rechtliche Einschätzung dahingehend, dass auch der Verkauf mittels schriftlicher Vertriebsvereinbarung zwischen Erzeuger und Händler/-innen auf dem Rudolfplatz ermöglicht werden kann.“ Die Frage, auf welcher rechtlichen Basis diese Entscheidung getroffen wurde, ließ die Stadt auf Anfrage unbeantwortet.