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Oper als Volksfest„Maskenball in Venedig“ verbindet Artistik, Musik und Mode im Ehrenfelder Urania-Theater

3 min
„Maskenball in Venedig“ verbindet Artistik, Musik und Mode im Ehrenfelder Urania-Theater.

Das Stück „Maskenball in Venedig“ wird im Kölner Urania-Theater aufgeführt.

Opernstimmen, weltbekannte Artisten und karnevalistische Begeisterung finden auf der Bühne zusammen.

Wenn man, wie Bettina Montazem, ein Varieté-Theater leitet und immer wieder aufs Neue versucht, unterschiedliche Kunstformen nicht nur miteinander in Einklang zu bringen, sondern buchstäblich zu verschmelzen, dann gibt es im Denken erst mal keine Schranken. Doch jetzt, bei der neuen, nunmehr sechsten Produktion des Ehrenfelder Urania-Theaters, war die erfahrene Musiktheater-Regisseurin an einer Stelle überzeugt: „Das geht im Leben nicht!“

Was sie meinte, war das Kostüm, das Luftakrobatin Amelie Kamps auf der Bühne tragen sollte. Ein Spitzen-Tutu am Trapez – um Gottes Willen! Montazem sah die Gefahr, damit abrutschen oder irgendwo hängenbleiben zu können. Erst als die 56-Jährige das Stück Stoff selber in den Händen hielt, erkannte sie: „Noch so ein Geniestreich von André Lucas!“

200 kunstvolle Kleider prägen das Bild

In der Tat hat sich der 35-jährige Sohn der Kölner Designerin Maria Lucas in seiner Funktion als Kostümbildner für das Stück „Maskenball in Venedig“ mehrfach selber übertroffen; nicht nur, was die Farbenpracht anbelangt, sondern weil die kunstvollen Kleider gleichzeitig atemberaubend erscheinen und den Trägerinnen auf der Bühne alle Bewegungsfreiheit lassen.

Insgesamt 200 dieser vielfach sinnlich-erotischen und an die Pariser Oper der Jahrhundertwende erinnernde Roben und Gewänder prägen das Bild dieser Produktion, die sich als gelungene Melange aus Artistik, Tanz, Musik und Schauspiel entpuppt und diesmal auch noch mit dem Karneval anbändelt.

Die Gewänder erinnern an die Pariser Oper der Jahrhundertwende.

Die Gewänder erinnern an die Pariser Oper der Jahrhundertwende.

Eigentlich habe sie diesmal ein Märchen erzählen wollen, sagt Montazem im Vorfeld der Premiere. Dann habe sie sich – inspiriert vom Maskenball der Roten Funken vor zwei Jahren – näher mit dem Reiz und „mit der Macht der Maske“ beschäftigt und dabei auch die historische Verwebung des venezianischen Karnevals mit der hiesigen Spielart erkannt.

Die Kölner mit diesem Thema zu ködern, dürfte nicht schwierig sein. Aber Montazem möchte noch mehr: Den in unserer Stadt inzwischen so negativ behafteten Begriff „Oper“ von seinem schlechten Image befreien. Für die 56-Jährige ist Oper ein Volksfest. „Etwas zum Mitsingen und Mitklatschen.“ Also bietet sie drei Opernstimmen auf – eine gehört ihrer Tochter Lea-Johanna – und holt dazu noch Artisten mit Weltruhm auf die Bühne. Zum Beispiel Kris Kremo, den wohl bekanntesten Jongleur der Welt.

Auch Kölner Karneval wird eine Rolle bei Aufführung spielen

Der heute 75-Jährige hatte zwölf Jahre lang in Las Vegas eine eigene Show und ist zusammen mit Frank Sinatra oder Samy Davis Jr. aufgetreten. Seit 2018 ist er – perfekt synchron – mit seinem Sohn auf der Bühne zu erleben. Der 26-jährige Harrison Kremo verkörpert die sechste Generation der Artistenfamilie und verweist darauf, dass bereits Ururgroßvater Josef eine Jonglage mit seinen zwölf (!) Kindern vorgeführt habe.

Wie bei der letzten Produktion „Broadway“ ist auch diesmal Seifenblasen-Künstler Oleksii Shcherbliuk mit von der Partie sowie Montazems andere Tochter Rosa-Halina Dahm als Clown mit zwei Gesichtern.

Eine Premiere feiert der Chor „Urania Voices“, der eigens für den Maskenball aufgebaut wurde. Und last – but not least – wird auch der Kölner Karneval eine Rolle spielen; denn bei jeder Aufführung wird ein Mitglied eines Traditionscorps als Statist in das Geschehen involviert sein. Den Auftakt macht beim Premierenabend Ludger Paas, Vorstandsmitglied der Roten Funken. Regisseurin Bettina Montazem hat neben dem verständlichen Wunsch, dass die Vorstellungen voll sein werden, noch einen weiteren an die Zuschauer im Publikum: „Bitte kommt im Kostüm!“

„Maskenball in Venedig – Oper meets Varieté“ ist vom 29. August (Premiere) bis zum 26. Oktober jeweils donnerstags, freitags und samstags um 20 Uhr und sonntags jeweils um 16 Uhr zu erleben. Tickets (32,50 Euro) gibt es im Urania Theater Ehrenfeld, Platenstraße 32 oder online: www.uraniatheater.de.