In Köln leben queere Menschen glücklicher als im NRW-Durchschnitt – und doch wächst die Angst vor Ausgrenzung. Eine Studie zeigt, wie groß die Verunsicherung ist.
Studie zu LebenslagenMehrheit der queeren Menschen in Köln fürchtet um ihre Rechte

In Köln leben queere Menschen glücklicher als im NRW-Durchschnitt – und doch wächst die Angst vor Ausgrenzung. (Symbolbild)
Copyright: Uwe Weiser
Queere Menschen sind in Köln mehrheitlich zufrieden mit ihrem Leben, gleichzeitig fürchten mehr als vier von fünf von ihnen, dass sich ihre Situation künftig verschlechtert. Das geht aus einer Sonderauswertung der Studie „Queer durch NRW“ für Köln hervor.
Demnach geben 78 Prozent der befragten Personen an, zufrieden mit ihrem Leben zu sein – etwas mehr als NRW-weit (75 Prozent). 85 Prozent glauben jedoch, dass sich die Situation queerer Menschen in NRW verschlechtert.
Mehr als jede dritte Person fühlt sich unsicher
Die Stadt Köln hatte die Sonderauswertung der Studie „Queer durch NRW – Lebenslagen und Erfahrungen von LSBTIQ“ in Auftrag gegeben. Die bundesweit größte Studie dieser Art, vom NRW-Gleichstellungsministerium initiiert, wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht. Befragt wurden 6.172 queere Menschen und ihre Angehörigen, 873 von ihnen stammen aus Köln.
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„Die Studie zeigt, dass Köln viel zu bieten hat für queere Menschen. Aber die Rechte queerer Menschen stehen spätestens seit Donald Trump und dem Rechtsruck unter Beschuss“, sagt Mike Nienhaus aus der Geschäftsführung des Rubicon, einer Kölner Beratungsstelle für queere Menschen. „Viele queere Menschen fürchten, dass ihnen ihre Rechte wieder entzogen werden könnten.“
Mehr als jede dritte befragte Person aus Köln fühlt sich eher oder sehr unsicher im öffentlichen Raum. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sind dabei erheblich. So fühlen sich beispielsweise 70 Prozent der befragten schwulen Männer sehr oder eher sicher, aber nur 38 Prozent der nicht-binären trans Personen.
Nur wenige queere Menschen zeigen Übergriffe an
„Unter vielen queeren Menschen ist die Verunsicherung groß, Vermeidungsstrategien sind weit verbreitet“, sagt Nienhaus. „Laut der Studie geht es schwulen Männern beispielsweise auffällig gut. Fragt man sie jedoch, ob sie händchenhaltend über die Straße gehen können, ergibt sich ein ganz anderes Bild.“
37 Prozent der befragten Personen aus Köln geben an, in den letzten fünf Jahren Beleidigungen oder Übergriffe – verbale, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt – aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität erfahren zu haben. Ein Großteil hat diese Übergriffe nach eigenen Angaben nicht zur Anzeige gebracht.
Auch bei Erfahrungen mit Polizei und Justiz zeigen sich deutliche Unterschiede. So geben 21 Prozent der befragten schwulen Männer in Köln an, negative Erfahrungen mit Polizei oder Justiz gemacht zu haben – unter nicht-binären trans Personen sind es hingegen 94 Prozent.
Nienhaus überrascht das nicht: „Der Paragraf 175 stellte homosexuelle Handlungen unter Männern bis in die 1990er-Jahre unter Strafe – und es war die Polizei, die dieses Gesetz in die Tat umgesetzt hat. Davon ist das Verhältnis bis heute tief geprägt.“ Hinzu komme, dass sich viele trans Personen gerade bei Kontrollen diskriminiert fühlen – also sich beispielsweise als Frau identifizieren, aber trotzdem gegen ihren Willen von einem Mann kontrolliert werden. „Nichtsdestotrotz tut sich viel bei der Polizei. In Köln gibt es mit Thorsten Hellmers seit einigen Jahren einen Queerbeauftragten, der einen hervorragenden Job macht und Vertrauen aufbaut.“
In den vergangenen Jahren haben Stadt, Polizei und Staatsanwaltschaft mit der Kampagne „Anzeigen statt aushalten“ dafür geworben, queerfeindliche Übergriffe stärker zur Anzeige zu bringen. Zuletzt ist die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen Hasskriminalität gegen queere Menschen in Köln gestiegen. 2024 führte die Staatsanwaltschaft Köln 183 Verfahren – ein Jahr zuvor waren es 156, was einem Anstieg von rund 17 Prozent entspricht. Als mögliche Ursache nannte die Staatsanwaltschaft eine höhere Anzeigebereitschaft.
Von den Kölnerinnen und Kölnern wünscht sich Nienhaus vor allem eines: Solidarität. „Dass Leute einschreiten, wenn sie Übergriffe auf queere Menschen mitbekommen, dass sie eine klare Haltung zeigen und sagen: Ich stehe auf eurer Seite. Das ist ein wichtiges Zeichen.“

