Köln – Früher als vorgesehen will der Chemiekonzern Shell die unsicheren unterirdischen Rohrleitungen auf dem Werksgelände in Godorf über die Erde holen. Marco Richrath, Direktor der Raffinerie, sagte zu, die Rohre nach unterirdischen Leckagen in den vergangenen Jahren nunmehr bis Ende 2029 sanieren lassen zu wollen, um weitere Störfälle durch auslaufendes Öl künftig zu vermeiden. Die Bezirksregierung Köln hatte dem Konzern für diese Arbeiten ursprünglich bis 2034 Zeit gegeben. Sowohl Anwohnern als auch Stadtteilpolitikern erschien dieser Zeitraum allerdings deutlich zu lang, sie forderten eine kürzere Frist. Bezirksbürgermeister Manfred Giesen hatte im Januar das Jahr 2025 als akzeptables Ziel genannt. Nun wird es also voraussichtlich 2029.
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300 Tonnen Gasöl ins Erdreich geflossen
Vor knapp einem Jahr war bekannt geworden, dass neun Monate lang ungefähr 300 Tonnen leichten Gasöls durch ein 1,5 Millimeter großes Loch an einer korrodierten Leitung ins Erdreich geflossen waren. Etwa 13.000 Quadratmeter Boden des Firmengeländes waren von der Verunreinigung betroffen. Ein Gutachten benannte die unterirdische Lage der kilometerlangen Ölrohre auf dem Gelände als Hauptproblem und konstatierte „dringenden Handlungsbedarf“.
„Die 2020 entdeckte Leckage ist nicht tolerierbar. Wir sind unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden“, sagte Richrath am Mittwoch. Umso mehr habe man sich bemüht, „unter Beachtung aller sicherheitsrelevanten Aspekte, Möglichkeiten zu finden, die Risiken zu reduzieren und die Maßnahmen zu beschleunigen“ und werde dies auch weiterhin tun.
„Kritische Punkte“ sollen noch dieses Jahr behoben werden
Shell hatte 2014 damit begonnen, alle sogenannten Straßendurchführungen im Werk Godorf, die unterhalb der Straße verlaufen, zu Brückenkörpern umzubauen. Von insgesamt 145 Straßendurchführungen waren laut Unternehmen Ende 2020 bereits 68 umgebaut. Als nächstes sollen alle verbliebenen unterirdisch verlegten Rohrleitungen unter Straßenkreuzungen bis 2025 offengelegt werden. Der Fokus liege dabei auf den noch vorhandenen „kritischen Kreuzungspunkten“, die bereits bis Ende 2021 abgearbeitet werden sollen. Allein dadurch werde das Risiko einer nicht erkannten Leckage um ungefähr 80 Prozent reduziert, teilte Shell mit.
Das externe, unabhängige Gutachterteam um Professor Christian Jochum hält den weiteren Betrieb der Leitungen mit den festgelegten Maßnahmen und insbesondere mit der Beschleunigung des Sanierungsprogramms bis zur endgültigen Sanierung für „weiterhin vertretbar“.
NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser äußerste sich zufrieden: „Die Beschleunigung des Sanierungsplans ist ein zu begrüßender Schritt in die richtige Richtung“, sagte sie. Er müsse im nächsten Schritt noch von der Bezirksregierung näher geprüft und in einer Ordnungsverfügung rechtssicher verankert werden. „Ziel muss es sein, weitere Leckagen schon im Ansatz zu verhindern.“
Auch Regierungspräsidentein Gisela Walsken äußerte sich „erfreut“ und erklärte: „Das verbleibende Risiko bis dahin wird durch zusätzliche Überwachungsmaßnahmen, die wir bereits per Ordnungsverfügung festgelegt haben, minimiert.“



