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Bau an der RoonstraßeSynagoge in Köln wird für 42 Millionen Euro umgestaltet

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Die Synagoge in der Roonstraße in Köln

Köln – Die Synagoge in der Roonstraße wird im Sinne der Denkmalpflege aufwändig umgestaltet. Am Mittwochabend hat der Haushaltsausschuss des Bundestages in Berlin beschlossen, dafür 42 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Dies sei ein „außerordentliches Zeichen, jüdisches Leben in der ältesten Gemeinde Deutschlands gerade in diesen herausfordernden Zeiten zu fördern“, erklärt der Vorstand der Synagogen-Gemeinde und dankt den Koalitionsfraktionen mit ihren Vorsitzenden Rolf Mützenich (SPD) und Ralph Brinkhaus (CDU).

Ende August habe Mützenich zusammen mit Dennis Rohde, SPD-Obmann im Haushaltsausschuss, die Synagogen- Gemeinde besucht, heißt es aus dem Gemeinschaftsbüro, das der Fraktionschef der Sozialdemokraten zusammen mit dem zweiten Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach unterhält; bei dieser Gelegenheit habe Abraham Lehrer vom Synagogen-Vorstand das Anliegen der Umgestaltung angesprochen. Auch mit anderen Politikern kam der Vorstand anschließend ins Gespräch. In der Folge brachten Sozial- und Christdemokraten gemeinsam einen entsprechenden Antrag im Haushaltsausschuss ein. Er wurde einstimmig angenommen.

Synagoge in Köln brannte in der Reichspogromnacht aus

„Der Vorstand ist sich bewusst, dass es eine architektonische und bauliche Herausforderung darstellt, das Gebäude unter dem denkmalpflegerischen und zukunftsorientierten Aspekt umzugestalten“, heißt es in der Presseerklärung. 1899 wurde die im neuromanischen Stil errichtete Synagoge gegenüber dem Rathenauplatz eingeweiht. In der Reichspogromnacht 1938 brannte sie aus, im Krieg wurde sie durch Luftangriffe beschädigt. Mit Unterstützung des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer wurde sie Ende der 50er Jahre mit manchen Veränderungen wieder aufgebaut. Die Gemeinde, die rund 4100 Mitglieder zählt, beabsichtigt nach den Worten des Vorstands, „das Gebäude in seiner vollständigen ehemaligen Schönheit wiederherzustellen“. Fachingenieure hätten sich mit der Grundplanung beschäftigt, nun werde ein bereits beauftragter Architekt in enger Absprache mit der Denkmalpflege weiterplanen, teilte David Klapheck, Geschäftsführer der Synagogen-Gemeinde, auf Anfrage mit.

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Das Vorhaben, die „ursprüngliche Pracht“ mit „modernen Materialien“ wiederherzustellen, betreffe zum Beispiel die Gestaltung des Dachs und der Kuppel, ein Mosaik im Innenraum und Fenster. „Wir fangen bald an.“ Die Umsetzung werde mehrere Jahre dauern.

„Wir haben ein wichtiges Signal für das jüdische Leben in Deutschland gegeben“, so Mützenich. Mit der Sanierung und Umgestaltung der Synagoge „bekräftigen wir, dass jüdisches Leben einen festen Platz nicht nur in Köln, sondern in ganz Deutschland hat – und zwar dauerhaft“. Vor dem Hintergrund, dass der Antisemitismus wieder erstarke, „wollen wir den Jüdinnen und Juden deutlich unsere Solidarität zeigen“. Ähnlich äußert sich Brinkhaus . Ihm sei es „ein ganz besonderes Anliegen“, jüdisches Leben hierzulande zu fördern. „Jüdische Gemeinden und ihre Synagogen haben einen festen Platz in unserer Gesellschaft.“

Mehr Geld auch für Festjahr

Zugleich hat der Haushaltsausschuss beschlossen, für das Projekt „321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das die Synagogen-Gemeinde Köln federführend betreut, die Mittel um 5,7 auf 24,5 Millionen Euro aufzustocken, weil sehr viele Förderanträge – 635 Projektskizzen – jüdischer und nicht-jüdischer Vereine und Institutionen eingegangen sind. 

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