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Predigt
Kölner Weihbischof erwägt auch Menschen nach Kirchenaustritt zur Kommunion einzuladen

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Weihbischof Ansgar Puff steht im Hof des Obdachlosenzentrums Gubbio.

Der Blick auf die Kirchenaustritte bedränge den Weihbischof Ansgar Puff. (Archivbild)

„Mich bedrängt diese Situation wirklich“, betonte der Bischof Ansgar Puff mit Blick auf die zahlreichen Kirchenaustritte.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff spricht sich dafür aus, Menschen auch nach einem Kirchenaustritt weiter zu begleiten, sofern sie das möchten. Dabei denke er auch darüber nach, ob man sie weiter zum Empfang der Kommunion einladen solle, sagte Puff am Sonntag nach Angaben des katholischen Internetportals domradio.de bei seiner Predigt im Kölner Dom.

„Mich bedrängt diese Situation wirklich“, betonte der Bischof mit Blick auf die zahlreichen Austritte: „Das Verbrechen des Missbrauchs durch Kleriker, die Vertuschung durch Bischöfe, gerade wieder durch die Studie aus Freiburg belegt. Mangelnde Kommunikation, Reformstau, Unbeweglichkeit, Ärger vor Ort: viele, auch aus dem innersten Kern unserer Gemeinden, sind aus der Kirche weggegangen.“

Kommunionempfang nach Kirchenaustritt: „Haben die denn ihren Glauben verloren?“

Doch schon Jesus sei immer wieder zu den Enttäuschten gegangen und habe ihnen vor allem zugehört, fügte Puff hinzu: „Ich denke in den letzten Wochen viel darüber nach, ob wir als Gemeinden, als Kirche nicht den Auftrag haben, mit denen unterwegs zu sein, die enttäuscht gegangen sind. Müssen wir die, die geistlich obdachlos werden, nicht stärker begleiten?“

Drei Punkte nannte er im Bemühen um Menschen, die sich von der Kirche abgewendet haben. Zunächst müsse man zuhören und die Entscheidung zum Austritt ernst nehmen. Wenn es möglich sei, über Christus und seine Botschaft zu sprechen – „nicht über die Institution, nicht über Machtstrukturen“ – müsse das das wichtigste Thema sein.

Dabei solle man aber – wie Jesus bei den Emmaus-Jüngern – eine Einladung abwarten und sich nicht aufdrängen, so Puff weiter: „Aber wenn man eingeladen wird, bleiben. Nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Nicht einfach zur nächsten Sitzung weiter hetzen. Mit denen, die gegangen sind, Gemeinschaft erleben, mich mit ihnen an einen Tisch setzen.“

Der Bischof ergänzte, er frage sich in diesem Zusammenhang auch, ob es richtig sei, Ausgetretene wie bisher vorgeschrieben nicht mehr zum Kommunionempfang einzuladen: „Haben die denn ihren Glauben verloren? Meistens doch nicht. Und wenn die Eucharistie, wie Papst Franziskus einmal gesagt hat, die Medizin für die Müden und Schwachen ist, würde Jesus dann sagen: Ja, du aber nicht. Du bist ja gegangen. Ich stelle mir diese Fragen sehr ernsthaft.“ Dabei sei ihm auch klar, so Puff, dass nur Jesus selbst den Enttäuschten wieder Hoffnung geben könne. Aber: „Von mir und uns erwartet er, dass wir ihm dabei helfen.“ (kna)