Leo Valdivia hat seinen Job gekündigt, um Musiker zu werden. Warum der Kölner jetzt alles auf eine Karte setzt.
Vom Schreibtisch auf die BühneKölner kündigt seinen Job für den Traum von der Musik

Leo Valdivia sitzt in einem Café in Sülz. Statt als Marketingmanager möchte er nun als Musiker erfolgreich sein.
Copyright: Maxi Gaiser
Als Leo Valdivia an einem Septembertag im vergangenen Jahr das letzte Mal die Tür zu seinem Büro hinter sich ins Schloss fallen hört, weiß er: Ein Zurück gibt es nicht mehr. Mehr als zwei Jahre arbeitete der 27-jährige Wahl-Kölner als Marketingmanager, durchlief eine geradlinige Karriere von Ausbildung über Studium bis zur Vollzeitstelle mit sicherem Gehalt. Doch insgeheim hegte er einen anderen Traum. Dann hat Leo Valdivia seinen Job gekündigt, um als Sänger durchzustarten.
Fünf Monate später sitzt Valdivia in einem Café in Sülz. Vor einigen Tagen ist seine erste Single erschienen, er ist noch sichtlich aufgeregt: „Dass ich zum jetzigen Zeitpunkt schon die erste Single veröffentlicht habe, hätte ich nie gedacht. Es macht mich richtig glücklich“, erzählt er, während er das Cover von „Entzug von dir“ zeigt. 4500 Streams und mehr als 2000 monatliche Hörerinnen und Hörer hat der Song bisher. Auch wenn Valdivia versucht, sich nicht zu sehr auf diese Zahlen zu fokussieren, ist er doch gerührt: „Sich vorzustellen, dass 2000 Leute mir zugehört haben, ist krass.“
„Mach dein Hobby nie zum Beruf!“
Musik macht und liebt Valdivia schon immer. In der Grundschule besucht er eine Gitarren-AG, spielt am liebsten Songs der Punkrock-Band Green Day und gibt mit 15 sein Taschengeld für einen wackeligen Mikrofonständer und Lautsprecher aus, um Coversongs auf YouTube zu veröffentlichen. Leider sei das Feedback seiner Mitschülerinnen und Mitschüler eher negativ gewesen, erzählt er: „Im Nachhinein ärgere ich mich sehr darüber, dass ich mich davon habe beeinflussen lassen. Musik war trotz aller Unsicherheiten mein Traum, und den habe ich dann leider angefangen zu ignorieren.“ In den nächsten Jahren verliert er die Musik aus den Augen. Leo Valdivia habe oft zu hören bekommen: „Mach dein Hobby nie zum Beruf, sonst bleibt dir keine Freizeit.“ Das glaubt er dann auch.
2025 kommt der Wendepunkt: Valdivia nimmt sich eine Auszeit, geht auf Reisen. An einem der letzten Abende sitzt er mit einigen Reisebegleitern in einem Park in Bangkok. Sie tauschen sich über die Reise aus, erzählen, worauf sie sich zuhause am meisten freuen. Valdivia freut sich nicht: „Und dann habe ich es zum ersten Mal ausgesprochen: Ich will Musik machen, mich komplett darauf konzentrieren. Es kam einfach aus mir raus und ich fühlte mich plötzlich so erleichtert.“ Zurück in Köln hält er das alles doch wieder nur für eine Idee, besinnt sich auf sein sicheres Gehalt, das gute Arbeitsklima, die netten Kolleginnen und Kollegen. Doch als er sein Büro das erste Mal wieder betritt, kommt der Gedanke an die Musik zurück. Noch am selben Tag reicht er seine Kündigung ein.
„Es ist gut, viel zu fühlen. Man muss sich nur trauen.“
„Ich würde die Entscheidung immer wieder treffen, ich muss das jetzt einfach probieren!“, sagt er heute. Seine Reise dokumentiert er in den sozialen Medien, filmt Vlogs im Studio, zeigt, wie er in der Musikbranche Fuß fassen will, aber geht auch offen mit den Schattenseiten seiner Entscheidung um: „Natürlich habe ich Existenzängste, Unsicherheiten und Zweifel. Aber wenn ich eines Tages zumindest einen Teil meiner Lebenserhaltungskosten mit meiner Liebe zur Musik decken kann, dann bin ich zufrieden. Und ich bin heute so viel glücklicher als vorher.“ In seinem ersten Song zeigt er sich besonders verletzlich, verarbeitet einen schmerzhaften Verlust. Es sei ihm wichtig, Gefühle stets offen zu zeigen, egal ob in seiner Musik oder auf seiner Reise als Newcomer: „Es ist gut, viel zu fühlen. Man muss sich nur trauen.“
Für dieses Jahr hofft er auf noch mehr Bühnenauftritte, neue Songs und Mut, aus seiner Komfortzone herauszutreten. Er sei sehr dankbar für die Unterstützung, die er bisher durch Bekannte, aber auch durch Fremde erfahren habe: „Köln ist dafür einfach eine tolle Stadt, alle sind so herzlich und offen.“ Nach den letzten vier Monaten ist er sich sicher: „Ein Zurück gibt es so nicht mehr. Ich möchte meinem Traum eine Chance geben, selbst wenn ich dafür bis zum letzten Cent Musik machen muss.“

