Für die Vertreter der Zoos und Aquarien aus der ganzen Welt beginnt der Montagmorgen mit einem kleinen Kulturschock. Rund 300 Direktoren und Entscheider sind nach Köln gekommen, um über Artenschutz, Tierhaltung, Biodiversität und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Welt der Zoos zu diskutieren – und die Kölner lassen erst einmal eine Abordnung der Nippeser Bürgerwehr auflaufen. Staunend lauschen die Gäste aus aller Welt den kölschen Klängen des Spielmannszugs. Und Zoodirektor Theo Pagel, der mit Pappnas und Zebra-Frack am Rednerpult der Flora steht, erklärt dem hochmotivierten Publikum die Tradition des Kölner Karnevals und die Praxis des Alaafs. „Kölner Zoo – Alaaf“.

Eine Abordnung der Nippeser Bürgerwehr eröffnete die Weltkonferenz in der Flora.
Copyright: WAZA
Bereits zum dritten Mal richtet der Kölner Zoo die Weltkonferenz der Zoos des globalen Dachverbands WAZA aus. Dass die Zoowelt erneut geschlossen zu Gast ist, ist für Zoodirektor Pagel und sein Team eine große Anerkennung. „Köln spielt mit seinem wissenschaftlich geführten Zoo und all seinen Initiativen für Freizeit, Umweltbildung, Forschung und Artenschutz auf absolutem Champions-League-Niveau, was gut für unsere Stadt und die Region ist“, sagt Pagel.
Nur wenige Zoos hätten den Kongress so oft ausgerichtet wie Köln. Für ihn und seine Kollegen sei die jährliche Konferenz ein wichtiger Termin. „Es gibt keinen besseren Austausch, weil sich hier die Vertreter der weltführenden Zoos treffen. Man kann sein Wissen erweitern und Verbindungen schaffen. Viele Tierarten, die wir von anderen Zoos bekommen haben, sind zu uns gekommen, weil man sich vertraut und wertschätzt.“
OB über Zoodirektor: „Das zeigt, wie sehr man Sie schätzt“
Von 2019 bis 2021 war Pagel selbst Präsident des globalen Dachverbands. „Das zeigt, wie sehr man Sie schätzt und welchen Ruf der Kölner Zoo in der Welt genießt“, sagt Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). „Darauf sind wir sehr stolz.“
Der Zoo sei als Publikumsmagnet wichtig für die Stadt, aber auch für die internationale Zoogemeinschaft als wichtiges Artenschutz- und Bildungszentrum. In vielen Fragen rund um den Artenschutz sei der Kölner Zoo Vorreiter. Er gehört zu rund 88 Prozent der Stadt.
Für den im kommenden Jahr scheidenden Zoodirektor ist die Vergabe der Konferenz nach Köln auch eine Würdigung seiner langjährigen Arbeit im Zoo und in vielen internationalen Gremien.

NRW-Umweltminister Oliver Krischer (v.l.), OB Torsten Burmester, David Field (WAZA), Dr. Mona van Schingen-Khan (Bundesamt für Naturschutz), Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg (Kölner Zoo)
Copyright: WAZA
Lob für die Arbeit kommt auch von NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne), der den Kölner Zoo gar als „aus meiner Sicht besten Zoo der Welt“ bezeichnet. Nordrhein-Westfalen sei mit seinen zwölf großen Zoos eine der Regionen mit der weltweit höchsten Zoo-Dichte. „Zoos sind bei uns tief in der Region und in den Menschen verwurzelt.“
Großer politischer Rückhalt
Nicht überall auf der Welt genießen die Zoos offenbar solch einen politischen Rückhalt. „Ich würde mir wünschen, dass die Politik Zoos überall so unterstützen würde wie hier“, sagt der schottische WAZA-Präsident David Field.
Neben dem Artenschutz-Fokus gehe es für die Zoos zunehmend auch um Bildungsthemen. „In einer Zeit zunehmender Natur-Entfremdung wollen wir Menschen an die Natur heranführen, ihnen die Bedeutung des Erhalts der Biodiversität erklären, aber auch praktisch unseren Beitrag zum Erhalt verschiedener Arten leisten“, erklärt Pagel.
Die Themen, über die die Experten aus aller Welt noch bis Donnerstag in der Flora und im Zoo diskutieren, sind vielfältig. Es geht um die Nutzung von KI, wie sich das Freizeitverhalten des Publikums verändert, um Paradebeispiele für gelungenen Artenschutz oder um die Einordnung von Schlagzeilen rund um die Möglichkeiten, ausgestorbene Arten mithilfe von Gentechnik zurückzuholen.
