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Kölner Agneskirche
Rosenmontags-Gottesdienst setzt Zeichen für die Ukraine

Messe Agneskirche Brings

Große Namen der Kölschen Musik-Szene waren in der Kölner Kirche dabei.

Köln – „Es kommt der Tag, an dem all die Kriege aufhör’n, das macht doch alles keinen Sinn, weil wir alle Kinder derselben Mutter sind“, heißt es im Lied „Liebe gewinnt“, das Stephan Brings am Rosenmontag in St. Agnes sang. Und die 300 kostümierten Besucher, die zum Karnevalsgottesdienst gekommen waren, sangen durch ihre Masken mit.

Das Motto der Feier, die im Zeichen des Kriegs in der Ukraine stand, war auf einem großen, kugelförmigen Pappmaché-Fisch mit Clownsnase und Narrenkappe zu lesen: „Make FasteLOVEnd, not War.“ Im vorigen Jahr hatte „Mir klääve am Lääve“ als spontaner Gottesdienst zur corona-bedingt ausgefallenen Session großen Zuspruch gefunden.

Messe Agneskirche Brings

Große Namen der Kölschen Musik-Szene waren in der Kölner Kirche dabei.

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Deshalb entschied sich der Initiatorenkreis um Pastoralreferent Peter Otten, Georg Hinz, Gründer der Mitsinginitiative „Loss mer singe“, und Gemeindemitglied Klaus Nelißen zu einer Neuauflage in Pandemie-Zeiten – nicht ahndend, welches Thema die Feier beherrschen würde. Neun Lieder gab es zu hören und mitzusingen, vorgetragen von Stephan und Maria Brings, Stefan Knittler, Kafi Biermann (früher bei den Bläck Fööss) und Micki Schläger von den Höhnern.

Predigt umgeschrieben

„Wir spüren, dass wir selber und das Friedensprojekt Europa angegriffen werden“, sagte Dominik Meiering, leitender Pfarrer der katholischen Innenstadt-Gemeinden. „Unsere Herzen sind unruhig, wütend, verletzt und erschöpft.“  Die Predigt hielt Fernsehmoderatorin Yvonne Willicks, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Eigentlich habe sie kritische Worte über die Zustände in der katholischen Kirche verlieren wollen und dafür eine „gereimte Büttenpredigt, gepfeffert und gesalzen“ vorbereitet.

Messe Agneskirche Corona

Jecke beim Gottesdienst in der Agneskirche

Doch das Manuskript habe sie am Donnerstag zerrissen, denn es sei nicht die Zeit, „Witze über den Zölibat“ zu machen, sich über die Benachteiligung von Frauen in der Kirche aufzuregen und sich über „Personalien“ im Erzbistum Köln und anderswo zu „wundern“. Zeit sei es, „auf die Straße zu tragen, was unsere Vorstellung von einer demokratischen Welt ist“. Dass seit Jahrzehnten Frieden herrsche, sei zu sehr als „selbstverständlich angesehen“ worden.

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Die eigentliche Herausforderung dieser Zeit sei nicht, mit dem Coronavirus umzugehen, sondern „mit unseren christlichen Grundwerten jeden Tag dafür einzustehen, dass der Krieg beendet werden muss, dass wir zusammenstehen und dass wir solidarisch sind mit den Menschen, die einfach überrannt worden sind“.

Die Fürbitten galten den „grundlos Überfallenen“, den Flüchtlingen, die mit offenen Armen empfangen werden sollten, und der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Vor den Stufen zum Altar stellten die Besucher Kerzen ab. In seinen Schlussworten sagte Otten, der Fastelovend sei ein „Zeichen dafür, wie schön die Welt sein kann, wenn sich alle unterhaken, Tünnes und Schäl, Putin und Papst, Köln und Düsseldorf“.

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