Kölner Domschatzraub 1975Ex-Polizist erinnert sich: „Täter schockten die ganze Stadt“

Lesezeit 2 Minuten
Neuer Inhalt (1)

Die vergoldete Stele als Wegweiser zur Schatzkammer im Kölner Dom

Köln – Erinnert Sie der Juwelendiebstahl von Dresden an den Raub in der Kölner Domschatzkammer 1975?

Ja, tatsächlich. Ich glaube auch, Parallelen zu erkennen. Die Täter aus Dresden müssen Insiderwissen gehabt haben, sonst geht das eigentlich gar nicht. Damals wie heute wurden einzigartige Kunstgegenstände von unschätzbarem Wert gestohlen. Und in beiden Fällen haben die Diebe eine ganze Stadt geschockt. Dass der Dom ausgeraubt wurde, war eine Katastrophe für die Kölner.

MDS-KSTA-2014-03-28-71-67098207

Helmut Simon war 23 Jahre alt und neu bei der Kripo, als in die Domschatzkammer eingebrochen wurde.

Es war die Nacht auf Allerseelen 1975. Was ist damals passiert?

Irgendwoher wussten die Täter, dass in sechs Metern Höhe ein Lüftungsschacht in die Domschatzkammer führte. Der war mit zwei Eisengitterstäben gesichert. Die haben die Täter auseinandergebogen, vorsichtig, denn dort liefen die Kabel der Alarmanlage durch. Einer hat sich durch die schmale Öffnung gezwängt, stieg an einem Seil in die Schatzkammer hinunter und brach die Vitrinen auf, die alle nicht gesichert waren.

War kein Wachpersonal vor Ort?

Doch, zwei Domschweizer. Versehentlich ließ der Täter die große Prunkmonstranz fallen, das gab einen Höllenlärm. Die beiden Schweizer rannten zur Schatzkammer, hatten aber keinen Schlüssel. Der Dieb kletterte am Seil wieder hoch und flüchtete mit einem Komplizen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Sie waren 23 Jahre alt und frisch bei der Kripo. Was war Ihr Beitrag zu den Ermittlungen?

Ich war damals genauso groß – oder klein – wie heute, nur 25 Kilo leichter und durchtrainiert. Die Tat wurde rekonstruiert und ich bin an einem Seil in die Schatzkammer geklettert. Heute würde ich nicht mehr durch den Lüftungsschacht passen.

Wie ging es weiter?

Die Beute hat man zurückbekommen. Von der damaligen Oberstaatsanwältin Maria Mösch, genannt „Bloody Mary“, weiß ich, dass der Ermittlungsleiter sofort nach der Tat sagte: „Es gibt in Köln nur einen, der so bescheuert ist, den Domschatz zu klauen: Lubomir E.“ – ein Jugoslawe, der als Kunsthändler arbeitete. Und der war es auch. Er hatte zwei Mittäter angeheuert. Alle drei bekamen hohe Gefängnisstrafen. Den Kölner Dom beklaut man nicht.

Nachtmodus
KStA abonnieren