Unerwartet in die PhilharmonieKölner Ehepaar kauft 400 Konzertkarten und schenkt sie älteren Menschen

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Ein frühes Weihnachtsgeschenk: 400 Kölner Seniorinnen und Senioren bekamen Karten für die Philharmonie. (Archivbild)

Ein frühes Weihnachtsgeschenk: 400 Kölner Seniorinnen und Senioren bekamen Karten für die Philharmonie. (Archivbild)

Eine überraschende Aufgabe: Wie verteilt man bloß Hunderte gespendete Konzerttickets? Wie Kölner Senioren an ein frühes Weihnachtsgeschenk kamen.

Ein Kölner Ehepaar hat Seniorinnen und Senioren in der Stadt ein unverhofftes Geschenk gemacht: Das Paar kaufte 400 Karten für ein Konzert in der Philharmonie und gab sie an ältere Menschen weiter, die sich einen Besuch sonst nicht leisten können.

Wie groß die Freude ist, die sie ihren Mitmenschen damit machten, zeigte sich erst richtig in dieser Woche. Am Montag fand das Konzert statt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielte Werke von Haydn, Beethoven, Sibelius und Rachmaninow. Seitdem treffen jeden Tag Mails und Briefe mit Danksagungen bei den beteiligten Helfern ein.

Köln: Sponsoren wollen unbekannt bleiben

Wer die großzügigen Sponsoren sind, verrät die Philharmonie auf Wunsch des Paares nicht. Weil sich die eigenen Sonderprogramme der Philharmonie vor allem an Schüler und junge Erwachsene richten, wollte das Paar in der Vorweihnachtszeit auch Seniorinnen und Senioren den Zugang zum Konzerthaus vereinfachen.

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Die Verteilung der von ihnen gekauften Konzertkarten hatten gemeinnützige Träger wie die Alexianer und der Paritätische Köln übernommen. Dort erreichte spät an einem Nachmittag im Oktober Christof Wild eine Mail mit dem Angebot, 202 der Karten weiterzugeben. „Ich war überrascht“, sagte der Fachberater für Seniorenarbeit bei dem Paritätischen nun dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, „so ein Geschenk in diesem Maße ist außergewöhnlich.“

Häufig seien Spenden ähnlich dieser an Bedingungen geknüpft, die bei der Überprüfung von Berechtigungen zu viel Bürokratie führen. Anders dieses Mal, das Ehepaar wählte eine unkomplizierte Verteilung. Und noch ein Grund habe ihn überzeugt, noch am selben Abend eine Plattform zum Anmelden einzurichten: „Das Besondere war, dass auch Begleitpersonen mitkommen durften.“

Seniorinnen und Senioren besuchen Philharmonie-Konzert zusammen mit Begleitpersonen

Selbst wenn ältere Menschen Eintritte bezahlt bekommen, fehle es häufig an nötiger Unterstützung, auch zu der Veranstaltung zu kommen, sagte Wild. Bei Dunkelheit und schlechtem Wetter, wie es Montag herrschte, trauten sich viele nicht, allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Das halte sie laut dem Fachberater davon ab, überhaupt teure Karten für fixe Termine zu kaufen.

So ein Geschenk zu bekommen, heißt auch, wertgeschätzt zu werden.
Magdalena Gather, Leiterin Seniorentreff im Alevitischen Kulturverein Köln-Porz

Christof Wild schrieb also 66 Seniorennetzwerke in Köln an. „Ich war selbst überrascht, dass wir so viele Karten verteilen konnten“, sagt er. 15 davon gingen an das Alevitische Kulturzentrum Köln-Porz. Magdalena Gather leitet dort einen wöchentlichen Seniorentreff, mit dem sie am Montag das Konzert besuchte. „Es war für viele das erste Mal in der Philharmonie“, berichtete sie.

Die Teilnehmenden ihrer Gruppe sprechen nur wenig Deutsch, manche sind Analphabeten. „In eine Atmosphäre wie die der Philharmonie werden sie sonst nicht eingebunden“, sagte Gather. „Es hat ihnen unglaublich gutgetan. So ein Geschenk zu bekommen, heißt auch, wertgeschätzt zu werden.“ 

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