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21 Tage FriedenJugendliche aus der Ukraine finden in Köln Erholung vom Kriegsalltag

3 min
16 Jugendliche aus der Ukraine verbrachten auf Einladung des Hansa-Gymnasiums drei Wochen in Köln.

16 Jugendliche aus der Ukraine verbrachten auf Einladung des Hansa-Gymnasiums drei Wochen in Köln.

Schülerinnen und Schüler aus der Stadt Zhytomyr weilten im Rahmen des Recreation-Projekts der Unesco bei Familien des Hansa-Gymnasiums.

„Auch wir gehen jeden Tag in die Schule. Doch der Unterricht wird wegen Raketen- oder Drohnenangriffen immer wieder unterbrochen. Dann müssen wir schnell in die Schutzräume. Manchmal für fünf Minuten, manchmal für fünf Stunden. Man kann sich vorstellen, dass Lernen unter diesen Umständen nicht so einfach ist“, erklärt Veronika. Für die Schülerin vom Lyzeum 23 aus Zhytomyr – einer Großstadt, rund 140 Kilometer westlich von Kiew – ist der Krieg zum Alltag geworden. Nein, daran gewöhnen will und kann man sich natürlich nicht, aber man müsse positiv denken, um zu überleben, berichtet die 16-Jährige eine Woche vor ihrer Rückfahrt in die Heimat.

Veronika und 15 weitere Jugendliche hatten in den vergangenen Wochen „Auszeit“ vom russischen Angriffskrieg. Die Teenager und zwei Lehrerinnen weilten in Köln als Gäste im Rahmen des Recreation-Projekts der Unesco. Unterkünfte fanden die Besucher bei den Familien von Schülern des Hansa-Gymnasiums. Die Bildungseinrichtung betätigt sich seit 2023 zum dritten Mal an der internationalen Initiative, die jungen Menschen aus militärischen Krisengebieten eine Erholung von den psychischen Strapazen bieten soll.

Ein persönliches Fotoalbum soll die Schülerinnen und Schüler an ihre Reise nach Köln erinnern.

Ein persönliches Fotoalbum soll die Schülerinnen und Schüler an ihre Reise nach Köln erinnern.

Unesco-Schulen ermöglichen „Auszeit“ vom Krieg

Nach Auskünften von Lehrerin Sabine Turner erhielten seit dem Start des Programms vor vier Jahren bundesweit mehr als 1.000 Personen die Möglichkeit auf eine Erholungsphase von den verheerenden Zuständen in den Kriegsgebieten. In Deutschland beteiligen sich regelmäßig bis zu 16 Unesco-Schulen an dem Projekt. Die Aktionen werden hauptsächlich vom Auswärtigen Amt finanziert. Stiftungen und lokale Partner unterstützen die Offerten.

Es ist wichtig, zu zeigen, dass uns die Menschen in der Ukraine nicht egal sind.
Sabine Turner

Das Programm ermöglicht, andere Realitäten zu erleben, erläutert Liliia Chernii. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wieder ohne Angst spazieren zu gehen“, so die ukrainische Pädagogin. Ferner unterstütze die Reise den Austausch zwischen den Staaten und fördere das Verständnis für verschiedene Kulturen. Das Aushalten-Müssen eines Krieges verschüttet die Aussicht auf etwas Positives im Leben, ergänzt Sabine Turner.

„Hier können die Schüler etwas Kraft tanken und finden Ablenkung bei gemeinsamen Unternehmungen. Es ist außerdem wichtig, zu zeigen, dass uns die Menschen in der Ukraine nicht egal sind“, betont die Lehrerin. Neben dem Besuch der Kölner Wahrzeichen standen in den vergangenen Wochen unter anderem Ausflüge in einen Freizeitpark sowie in eine Kletterhalle und das gemeinsame Kochen auf der Agenda. Darüber hinaus kam es zu Sport- und Kunstveranstaltungen. Im Aachener Tonstudio KingzCorner wurde ein Rap-Stück aufgenommen.

Der Unterricht wurde für die Gäste auf lediglich einen Tag reduziert, um den Fokus auf die Erholung zu richten. Bereits zum dritten Mal in Folge betätigte sich dabei Schülerin Pauline mit ihrer Familie als Gastgeberin. „Wir haben sehr gut auf Englisch kommuniziert und konnten viel zusammen unternehmen. Ich habe auch noch Kontakt zu den Mädchen, die in den vergangenen Jahren bei mir gewohnt haben. Gerne möchte ich in die Ukraine reisen, wenn der Krieg vorbei ist“, berichtet die 16‑Jährige.

Wenige Tage vor der Zug-Rückfahrt nach Zhytomyr zeigen sich die Schüler dankbar für die Begegnungen: „Ich habe die Zeit hier wirklich sehr genossen. Köln ist eine wunderschöne Stadt. Jeder war so nett zu uns. Wir nehmen viele warme Erinnerungen mit nach Hause. Ich glaube fest daran, dass es bald Frieden gibt und wir wieder ein normales Leben führen können. Dann können wir einander besuchen“, hofft Gymnasiastin Veronika.


Unesco-Projektschule Im globalen Netzwerk der UNESCO Associated Schools sind deutschlandweit über 300 Schulen, Studienseminare, Kindergärten und weitere Bildungsinstitutionen verzeichnet. Weltweit gehören dem Projekt rund 10.000 Schulen in 170 Ländern an. Wichtige Ansätze des Netzwerks sind die Demokratie- und Menschenrechtsbildung, die Bildung für nachhaltige Entwicklung, Global Citizenship Education, Welterbe-Bildung und Kulturelle Bildung. (Quelle: www.unesco.de). www.hansa-gymnasium-koeln.de