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Bird-Spotting13 Geschäftsfrauen in Köln laden ein zur Papageiensuche

3 min
Sechs Frauen stehen nebeneinander vor einem Regal mit Pullovern, darin sitzt auch ein grüner Papagei.

Sue Appleton (r.) begleitet die Papageiensuche in der Südstadt mit ihrem digitalen Know-how. Mit dabei sind Katja Rodrian, Jennifer Matthissen, Elke Scherbaum, Sabrina Schildgen und Raphaela Acht (v.r.). 

Noch bis zum 6. November sind in 13 Geschäften in der Südstadt Papageien versteckt. Wer sie findet und postet, kann gewinnen. Die Aktion soll den analogen Handel stärken. 

„Es war gar nicht so leicht, die Papageien zu finden“, berichtet Sue Appleton, die sich gemeinsam mit 13 Geschäftsinhaberinnen in der Südstadt die dort jetzt stattfindende „Papageiensuche“ ausgedacht hat. „Wir wollen damit die Menschen, die auf Instagram unterwegs sind, zurück in die analoge Welt und ganz konkret in unsere Geschäfte locken“, erzählt Elke Scherbaum, in deren Geschäft 39einhalb an diesem Donnerstag der Kick-offf stattfindet.

Das Prinzip ist einfach: Wer den Papagei entdeckt, den die Geschäftsfrauen in ihren Auslagen platziert haben, ihn fotografiert und auf Insta postet, bekommt noch im Laden ein kleines Geschenk. Wer sechs Papageien entdeckt und postet, ist mit in der Verlosung für einen von zehn Goodie-Bags im Wert von 160 Euro. Darin finden sich Lederarmbänder, Pflegeprodukte, Kerzen, Sardinen und vieles mehr. Alles, was drin ist, gibt es in den 13 teilnehmenden Läden zu kaufen. 

Attraktivität der Südstadt beruht auf vielen kleinen Geschäften

Mit dabei ist auch Raphaela Acht von der Apotheke Goldenes Horn. „Wenn um meinen Standort auf der Bonner Straße lebendiger Einzelhandel floriert, dann profitiere ich auch, weil mehr Laufkundschaft vorbeikommt.“ Im Übrigen glaubt sie daran, dass Menschen weiterhin die Beratung durch Menschen schätzen werden. Jennifer Matthissen, die seit vier Jahren ihr Kosmetikstudio JK Beautiful You auf der Bonner Straße führt, hofft, dass die Aktion  mehr Online-Käufer in echte Geschäfte ziehen wird. „Ich kaufe bevorzugt in den Läden meines Viertels. Es wäre schön, wenn wieder mehr Leute, auch die jungen, das tun würden.“ 

Das ist auch Elke Scherbaums Ziel. Die Geschäftsfrau ist seit 20 Jahren auf der Merowinger Straße präsent und berät inzwischen die Kinder ihrer Kunden. „In kleinen Läden einzukaufen und mit den Händlerinnen persönlichen Kontakt zu haben – dieses Einkaufs- und Lebensgefühl wird vererbt“, glaubt sie, die auch merkt, dass es aber selbst in der noch sehr lebendigen Südstadt schwieriger wird für inhabergeführte Geschäfte.

Ein kleiner grüner Vogel hat eine gelbe Handtasche im Schnabel.

Die Papageien sind in 13 Südstadt-Geschäften versteckt. Wer sie findet und postet, bekommt ein Geschenk. Wer sechs findet und postet, kanneinen Goodie-Bag gewinnen.

„Wir müssen uns schon anstrengen, damit die Leute zu uns kommen, gerade auch angesichts der wirtschaftlich nicht gerade rosigen Rahmenbedingungen.“ Dass nur Damen bei der Papageiensuche mitmachen, spricht für sich. Offenbar haben Frauen mehr Mut, sich mit ihrem Sortiment oder ihrem Können selbst zu verwirklichen, so wie Sabrina Schildgen, die seit zwei Jahren in ihrem Laden Goldkunst Köln auf der Alteburger Straße Schmuckunikate fertigt. „Es ist erstaunlich, wie häufig Männer doch den Geburtstag ihrer Frauen vergessen, beziehungsweise ihnen erst sehr kurzfristig einfällt, dass sie ganz schnell noch etwas brauchen.“

Katja Rodrian hat mit ihrem Laden „Betonklunker“ Schmuck und ihren Beruf der Bauingenieurin in einzigartiger Weise verschmolzen. Dort gibt es Ringe mit Betoneinlage und viele weitere Accessoires, wie Buchstaben aus Beton. Sie und ihre Partnerin haben inzwischen auch Feinkost mit ins Sortiment aufgenommen. Außerdem finden dort auch kleinere Events statt. „Die Leute sollen sich bei uns nicht nur in Ruhe umschauen können, sondern auch eine gute Zeit haben.“

Sue Appleton verrät indes auch, dass sie den Halsbandsittichbeim einem Gartenbedarfshandel im Internet entdeckt hat. „Ich finde gut, wenn sich die Offline- und die Online-Welt gegenseitig befruchten.“ Genau das sei das Ziel der Papageien-Kampagne, die vom Land NRW über den Handelsverband und KölnBusiness gefördert wird. Die Engländerin, die seit 25 Jahren in Köln lebt, ist eine von sieben Digitalcoaches, die kleine Läden umsonst dabei unterstützen, online sichtbarer zu werden. Die teilnehmenden Geschäfte befinden sich rund um die Alteburger, Bonner und Merowinger Straße. Erkennbar sind sie an dem Papageien-Aufkleber im Fenster und der Beachflag vor der Tür. Und natürlich finden sich alle weiteren Informationen auf Instagram unter @papageiensuche_koeln.

Mein Punkt

Inhabergeführte Läden machen die Veedel bunt und attraktiv. Wo sie fehlen, fehlt Atmosphäre. Der beste Weg, sie zu erhalten, ist, hingehen und einkaufen. Macht viel mehrSpaß,ß als sich durchs Internet zu klicken und anschließend zum Retouren-Berg beizutragen, der in diesem Jahr Rekordausmaße erreicht hat.