Innenstadt – Prüfend, unsicher, erwartungsvoll blicken die vier Italiener drein. Sie schauen aus einem Abteilfenster der Deutschen Bundesbahn, als sie 1960 am Kölner Hauptbahnhof ankommen. Sie hatten die Reise nach Deutschland angetreten, um hier zu arbeiten – es war eine Reise ins fremde Land.
Der Kölner Künstler Cornel Wachter hat das Bild gemalt auf der Basis eines Original-Fotos von 1960. „Es wirft die Frage auf, wie heute unser Blick auf Fremde ist“, sagt er. Und er hat das Bild zum Anlass genommen, um über das „Fremdsein“ zu plaudern. Zum „Klaaf“ eingeladen hatte er italienische Freunde und Bekannte aus der Südstadt, die damals – wie die Männer aus dem Zug und viele andere auch – nach Deutschland kamen, „um uns bei der Arbeit zu helfen“, so Wachter. Es sind Menschen, die in Köln blieben und heute „kölsche Italiener“ sind. „Es ging den Leuten nicht gut in Italien, es gab keine Arbeit“, sagt Angela Lafata, die 1961 mit ihrer Mutter Pamela dem Vater hinterher gereist war. Zwei Jahre war sie alt, der Vater arbeitete schon in Köln. Erst hätten sie in Baracken gelebt, dann in einer Einzimmerwohnung in Ehrenfeld.
Probleme nur zu Beginn
Mit Händen und Füßen hätten sie sich anfangs verständigt, aber sie hätten sich angestrengt, die deutsche Sprache zu lernen. Freilich seien sie zunächst mit Vorurteilen konfrontiert worden, auch in dem Haus, in dem sie wohnten, sagt Angela Lafata. Aber das habe sich schnell gelegt, als man sich näher kennen gelernt habe. Insgesamt seien sie gut aufgenommen worden.
Angela Lafata hat studiert, wurde Lehrerin, hat als Übersetzerin gearbeitet und ist jetzt in einer Pfarrgemeinde beschäftigt. Sie sei stolz in Köln zu leben, schließlich sei Köln das „Neapel des Nordens“, meint sie scherzend. Und trotzdem seien die italienischen Wurzeln sehr stark; immer wieder denke sie darüber nach, dass sie eigentlich dorthin gehöre, dass alles hier nur provisorisch sei.
Zum „Klaaf“ hatte Cornel Wachter in die Eisdiele „Il Gelatiere“ bei Franco di Caro an der Severinstraße eingeladen, wo er auch sein Bild präsentiert. An der Gesprächsrunde nahm auch der italienische Generalkonsul Emilio Lolli teil.
Für das nächste Frühjahr plant Cornel Wachter eine Ausstellung in italienischen Restaurants und Bars der Südstadt und will den „Klaaf im Vringsveedel“ zur festen Einrichtung machen.
Bereits 1948 reiste Don Armando Martucci als 26-Jähriger nach Deutschland. Der jetzt 92-Jährige war zunächst Vertreter für Lederwaren. 1959 eröffnete er ein eigenes Restaurant in der Marzellenstraße. „Ich war der erste Pizzabäcker in ganz Köln“, sagt der elegant gekleidete Senior mit rauchiger Stimme. „Köln hat mir viel gegeben“, meint er rückblickend. Köln sei – nach Neapel und Dresden – die schönste Stadt der Welt. Und doch: Wenn er sterbe, solle seine Asche im Hafen von Neapel verstreut werden.
Spannungen habe es vor allem am Anfang gegeben. „Eintritt für Italiener verboten“ – solche Zettel hingen an manchen Lokalen, schildert Wachter.
Für Don Armando ist wichtiger zu betonen, dass die Deutschen auch viel von den Neuankömmlingen gelernt hätten. Zum Beispiel dass man draußen essen kann. Vor allem das mediterrane Essen sei den Italienern zu verdanken, Artischocken, Auberginen, Zucchini.
„Denen war es zu kalt“
Carlo Gioia, der Steinmetz, arbeitete 40 Jahre lang als Sägemeister für die Dombauhütte, und er ist stolz darauf. Mit 200 Leuten sei er aus seinem Dorf aus Apulien nach Köln aufgebrochen, nur vier seien geblieben. „Denen war es hier zu kalt“, meint er. Mit anderen Steinmetzen habe er in der Freizeit Fußball gespielt, mit einigen habe er immer noch Kontakt. 76 Jahre ist er alt, und obwohl er seit zwölf Jahren Rentner ist, arbeitet er immer noch. Er gießt in seiner Werkstatt kleine Bronzefiguren.
