Im Stadtgarten steht ein neuer Bücherschrank: Finanziert wurde er hauptsächlich von Karl Schulte, unterstützt von der Bürgerstiftung Köln.
Vom Verlust zur NeueröffnungNeuer Offener Bücherschrank im Stadtgarten aufgestellt

Katharina Pressberger, Karl Schulte und Hans-Jürgen Greve hatten im Schrank schon Passendes gefunden.
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Vor noch nicht allzu langer Zeit, von 2009 bis 2018, hatte der Stadtgarten seine eigene Bibliothek. Ein Holzhäuschen, von ehrenamtlichen Kräften betreut, in dem Anwohner und Parkbesucher zu festgelegten Zeiten Lesenswertes ausleihen konnten. Die „Mini-Bib“ fand viel Zuspruch, doch sie wurde nach Chorweiler verlegt, weil auch andere Stadtteile in den Genuss der guten Idee kommen sollten.
Literaturfreund Karl Schulte, der von seiner Wohnung in der Spichernstraße über den Wipfeln des Stadtparks aus den früheren Standort der „Mini-Bib“ stets im Blick hat, bringt viel Verständnis für diesen Schritt auf. Doch der Verlust an Lesekultur vor der eigenen Haustür ärgerte ihn. Als er bei einem Spaziergang vor eineinhalb Jahren den Offenen Bücherschrank im Gereonsdriesch entdeckte, hatte er die Lösung gefunden. Denn das Konzept gefiel ihm: Wer eines der Bücher aus dem Schrank lesen möchte, nimmt es einfach mit, und wer Bücher übrig hat, kann sie hier einstellen.
Bürgerstiftung unterstützt Weg zum Bücherschrank
„Die Schränke selbst sind bedienungsfreundlich und sicher, niedrigschwelliger geht’s nicht“, sagt Schulte. Er zog Erkundigungen ein und wandte sich an die Bürgerstiftung Köln, die über ihr Projekt „Eselsohr“ Initiativen, Vereine und Privatpersonen bei Antragstellung und Genehmigungsverfahren für einen Offenen Bücherschrank unterstützt. „Herr Schulte wollte sofort einen Schrank kaufen, wir mussten ihn bremsen und ihm sagen, dass es nicht so schnell geht“, erinnerte sich Katharina Pressberger von der Bürgerstiftung nun bei der Einweihung des Bücherschranks.
Ganz fertig ist man aber noch nicht, denn neben dem Bücherschrank ist reichlich Platz für eine Lesebank. Das wiederum bringt die Kölner Grün Stiftung und ihr Programm „1000 Bänke für Köln“ ins Spiel: „Wir haben im Stadtgarten schon einige Bäume gepflanzt und Bänke aufgestellt, der Standort sollte kein Problem sein“, meinte Beatrice Bülter, Vorstand der Grün Stiftung.
Auch die Sparkasse Köln Bonn unterstützt den Bücherschrank im Stadtgarten mit 1000 Euro. Weil sich aber die örtlichen Vereine nicht beteiligten, übernimmt Karl Schulte nun den Löwenanteil der Gesamtkosten in Höhe von rund 8000 Euro und ist ab sofort Pate des Bücherschranks. Er hat also ein Auge darauf, dass der Schrank einwandfrei funktioniert, und wird unerwünschte Bücher aussortieren.
Außerdem möchte Karl Schulte an einer der Schmalseiten des Schranks hinter Glas Gedichte im monatlichen Wechsel anbringen. Den Anfang machen der Dostojewski-Spruch: „Nur die Schönheit kann uns retten“ und Brechts Gedicht „Vom Klettern in Bäumen“, in dem der Dichter empfiehlt, nächtens große schwarze Bäume zu besteigen, auch wenn’s mühselig und unheimlich ist.
Zugegen war auch Hans-Jürgen Greve, Vorstand der Genossenschaft Urbanlife, die seit rund 18 Jahren europaweit Offene Bücherschränke aufstellt. Mehr als 1320 seien es mittlerweile, erzählte er. „Aber zum ersten Mal werden heute gleichzeitig Schränke in Köln und in Düsseldorf eingeweiht. Natürlich bin ich da in Köln.“ Denn Köln liegt auch bei Offenen Bücherschränken gegenüber der Stadt mit D weit vorn: 83 zu 34.
