Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Kölsch statt LesesaalWarum Kölner gemeinsam im Brauhaus lesen

3 min

Bei der „Read & Rhythm: Social Reading Night“ treffen sich Menschen in einem Kölner Brauhaus, um gemeinsam zu lesen. Danach geht es um Bücher, Geschichten und neue Bekanntschaften.

Auf den Tischen liegen Bücher, Gläser und kleine Karten mit Icebreaker-Fragen. Nach und nach kommen die Gäste an, zeigen einander ihre Lektüre und kommen ins Gespräch. Die knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen in einem eigens abgetrennten Bereich des Hellers Brauhaus an der Roonstraße in der Kölner Innenstadt. Einige allein, andere in Begleitung.

Das Konzept der „Read & Rhythm: Social Reading Night“ ist unkompliziert: Nach dem gemeinsamen Ankommen beginnt eine 30-minütige Lesezeit. Jede und jeder liest für sich, und trotzdem entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft. Das Handy bleibt dabei möglichst weg, der Alltag tritt für eine Weile in den Hintergrund.

Lesen zwischen Gläserklirren und Musik

Danach gibt es 20 Minuten Zeit zum Reden und Kennenlernen. Die Fragen auf den Tischen helfen dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen. Welche Bücher haben die anderen dabei? Was lesen sie gerade? Und welche Geschichten sind ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Schnell wird deutlich, dass die Gespräche nicht auf die aktuelle Lektüre beschränkt bleiben.

Anschließend folgt eine weitere 30-minütige Lesezeit. Erst danach geht der Abend in ein offenes Ende über. Wer möchte, bleibt im Brauhaus, bestellt noch ein Kölsch oder ein anderes Getränk und setzt die Gespräche fort.

Die Geräusche des Brauhauses verschwinden während der Lesephasen natürlich nicht vollständig. Gläser klirren, im Hintergrund wird gesprochen, Musik läuft. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer scheint das jedoch nicht zu stören. Die lebendige Umgebung gehört zum Konzept dazu und verleiht dem Abend eine besondere Atmosphäre: konzentriertes Lesen trifft auf geselliges Zusammensein.

Das Hellers Brauhaus ist am Donnerstagabend geöffnet für alle normalen Besucher, sowie für alle Lesefreunde.

Das Hellers empfängt am Donnerstagabend erstmals die Teilnehmer der „Social Reading Night“.

Auch Julia ist von dem Konzept überzeugt. Sie hat ein historisches Buch über Agrippina dabei und schätzt, dass man hier zusammenkommen, sich austauschen und neue Lesetipps bekommen kann. „Brauhaus ist Köln“, sagt sie. Julia liest rund 150 Bücher im Jahr und hat einen eigenen Buchclub. Ihre beiden Freundinnen können bei dieser Zahl zwar nicht mithalten, doch auch ihnen gefällt der Abend sehr gut.

Ihre Freundin Rebecca empfindet es als schön, beim Lesen nicht allein zu sein und sich anschließend auszutauschen. Außerdem nimmt man sich bewusst Zeit zum Lesen – etwas, das im Alltag schnell untergeht. „Jetzt nehme ich mir die Zeit zum Lesen“, sagt sie.

Kölner Autorin will Menschen zusammenbringen

Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von der Kölner Autorin Sylvia Deloy, die seit vielen Jahren Romane, romantische Komödien und Jugendbücher schreibt. Sie liest selbst gerne und möchte mit der Lesenacht Menschen zusammenbringen, die ihre Begeisterung für Bücher teilen.

Autorin Sylvia Deloy steht an der Theke des Brauhauses.

Autorin Sylvia Deloy möchte an diesem Abend Freunde des Lesens miteinander verbinden.

„Die Social Reading Party ist eine Veranstaltung, wo ich gerne Menschen zusammenbringen möchte, die gerne lesen“, sagt Deloy. Lesen sei normalerweise eine Beschäftigung, der man allein nachgeht. Mit „Read & Rhythm“ wolle sie daraus ein gemeinsames Erlebnis machen. Die Idee, Lesen und Brauhaus miteinander zu verbinden, entstand auch aus ihrer eigenen Vorliebe für die Kölner Brauhauskultur.

„Ich gehe selbst ganz gerne ins Brauhaus in Köln und ich habe gedacht, das gibt es irgendwie noch nicht. Das ist etwas Neues: Lesen und Brauhaus zusammenzubringen.“
Sylvia Deloy

Ähnliche Veranstaltungen gibt es bereits in Cafés. Im Brauhaus ist das Konzept hingegen neu. Für zwölf Euro konnten die Gäste teilnehmen, ein Begrüßungsgetränk war im Preis enthalten – wahlweise ein Hellers Kölsch, eine Fassbrause oder ein Gaffel Zero. Die Veranstaltung fand im Rahmen des 30-jährigen Bestehens des Hellers Brauhauses statt.

Deloy kann sich gut vorstellen, eine ganze Reihe daraus zu machen – vielleicht an diesem Ort, vielleicht auch in anderen Brauhäusern. Die Mischung aus Lesezeit, Austausch und kölscher Gemütlichkeit kommt jedenfalls an.