Deutz – Der Mann will auffallen. Seine Visitenkarte, verziert mit einem Goldtaler, ist doppelt so groß wie der Standard und quadratisch dazu. Die Folge: Sie passt in kein Portemonnaie. „Mir bricht es immer das Herz, wenn die Leute sie einfach in der Mitte knicken“, sagt Elmar Robert, der vor 20 Jahren fast Priester geworden wäre, kurz vor der Weihe die Handbremse zog und heute Kunsthändler ist. Spezialisiert hat er sich auf Kunstwerke des Mittelalters – wer Engel, Madonnen, Kruzifixe oder Bischöfe sucht, der wird in der Galerie „Medieval Art Cologne“ von Elmar Robert fündig.
Die liegt in Deutz, im Schatten von St. Heribert, von außen uneinsehbar. „Ich hatte eine Galerie mit Schaufenstern in der Zeughausstraße, habe aber rasch gemerkt, dass der Handel mit Mittelalterlicher Kunst keine Laufkundschaft hat. Oft saß ich tagelang im Laden und wartete. Da wurde mir klar: Meine Kunden brauchen keine Schaufenster, sondern Diskretion und Vertrauen.“
Nach zwei Jahren schloss er den Laden und baute in seinem Deutzer Privathaus das Erdgeschoss zur Galerie um. Er strich die Wände dunkelrot, kaufte alte Apothekerschränke als Vitrinen, vergitterte die Fenster, installierte eine Alarmanlage und baute eine dicke Stahltür ein. „Diese 50 Quadratmeter sind meine Schatzkammer. Sie können bei mir ab 150 Euro Objekte kaufen, zum Beispiel rheinische Steinzeugkrüge aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Es gibt aber auch Kunstwerke für 2000, 10.000, 40.000 oder 100.000 Euro. So teure Dinge gehen aber nicht von jetzt auf gleich über die Theke. Ich fahre zu den Interessenten und mache Stellproben. So eine Entscheidung will gut überlegt sein.“
Kleine Galerie mit mittelalterlichen Kunstobjekten
Seine Kunden sind international, am meisten aber freut sich der Fast-Priester Robert, wenn er eine Madonna oder eine Bischofsstatue an eine Kirche verkaufen kann, wenn die Objekte wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren.
Neue Kunden gewinnt der Kunsthändler vor allem auf Messen, regelmäßig stellt er auf der Cologne Fine Art aus und seit zwei Jahren sogar auf der internationalen Brüsseler Antiquitätenmesse. Darauf ist Robert besonders stolz. „So ein Messestand ist ein Multiplikator, so interessante Leute lernt man in keinem Geschäft der Welt kennen“, berichtet der Autodidakt.
In seiner kleinen Galerie stehen mehr als 100 mittelalterliche Kunstobjekte, Reste von Chorgestühlen, Heilige aus Stein und Holz, Corpi Christi in allen Formen, aber auch Profanes wie die genannten Steinzeugkrüge. „Ich liebe mittelalterliche Kunst. Wenn ich ein neues Objekt kaufe, stelle ich es in die Galerie, gehe dann manchmal nachts runter, mache ein paar Kerzen an, rauche eine Zigarre trinke ein Glas Wein und genieße die Neuerwerbung. Ich nenne das Ritual abfreuen; abfreuen vor dem Verkauf, denn als Kunsthändler kann ich nur mit der Barschaft anderer Menschen überleben und weiter expandieren.“
Die Eurokrise ist an dem Galeristen nicht spurlos vorbeigegangen. Doch er hat beobachtet, dass Menschen, die Geld haben, es eher in Kunst anlegen als es aufs Sparbuch einzuzahlen. „Ich erlebe, dass es eine Renaissance des Mittelalters gibt, dass Menschen in dieser von Krisen geschüttelten Welt nach Beständigkeit suchen, und in der mittelalterlichen Kunst finden sie etwas, woran sie sich festhalten können.
Sein Highlight ist eine alte Holzschatulle
Nach Ware sucht er meistens in Privatsammlungen und auf Auktionen. Robert reist durch Belgien, die Niederlande, Österreich, Frankreich und natürlich auch Deutschland – stets auf der Suche nach Raritäten. Plagiate kann er weitgehend erkennen, doch er weiß auch, dass niemand sich davor schützen kann, auch mal eine Fälschung zu erwischen. „Ich bin immer skeptisch, gehe analytisch vor, und schließe Schritt für Schritt Fälschungen aus.
Der Kölner Kunsthändler Gerd Naescher, der mich an Antiquitäten herangeführt hat, sagte stets: Elmar, wenn du bei einem Objekt Bauchschmerzen oder Zweifel hast, dann lass die Finger davon“, erinnert sich Elmar Robert, der eine Jahreskarte für die Kölner Museen hat und im Schnütgen-Museum Dauergast ist. Obwohl Robert in Köln zu den ganz wenigen Antiquitätenhändlern gehört, die überwiegend mit sakralen Objekten ihr Geld verdienen, ist es ihm bislang nicht gelungen, eine Beziehung zu den Museumsoberen seiner Wahlheimat Köln herzustellen.
„Ich lade seit Jahren die Direktoren zu meinen Veranstaltungen ein, habe aber bisher keinen Erfolg gehabt.“ Auf der nächsten „Cologne Fine Art“ ist Robert als Aussteller wieder dabei. „Die Büste der Heiligen Ursula von 1330 nehme ich mit, diese Pietà aus Süddeutschland um 1520 für 8000 Euro, auch die Madonna mit dem perfekten Faltenwurf für 50.000 Euro. Ach ja, und den heiligen Sebastian auf jeden Fall: Er ist aus Stein, sieht gut aus, hat eine gute Figur, ist halb nackt. Ein schwules Paar aus Köln ist da sehr interessiert, es gibt auch solche Gründe für einen Kauf.“
Das Highlight aber ist eine Holz-Schatulle aus dem 15. Jahrhundert für 48.000 Euro. Bunt bemalt, verziert mit zahlreichen Wappen, gehörte sie wahrscheinlich einer reichen, politisch nicht unbedeutenden Familie. „Dieses Kästchen ist 550 Jahre alt, alle Eisenbänder unbeschädigt, kein Pinselstrich verändert, bis auf den Schlüssel alles Original. Nichts Hilliges, wie man in Köln sagt. Viele liebäugeln damit, aber man muss auch bereit sein, den Preis für so ein außergewöhnliches Objekt zu zahlen.“
