Köln – Die Posse, die sich seit Beginn des neuen Schuljahres vor gut zwei Wochen im Kartäuserwallbad, dem Lehrschwimmbecken des Humboldt-Gymnasiums in der Südstadt, abspielt, erinnert an einen Schildbürgerstreich: Die Duschen sind frisch saniert, das Wasser ist eingelassen und auf 27 Grad geheizt, zwei Bademeister stehen bereit – doch schwimmen kann hier niemand. Rund 200 Wochenstunden Schwimmunterricht sind bereits ausgefallen, weil die Renovierung der Duschen nicht rechtzeitig fertig geworden ist. Allein 400 Schüler des Gymnasiums sind betroffen, auch die vier Grundschulen und die zahlreichen Vereine, die hier Zeiten gebucht haben, standen vor verschlossenen Türen. Schulleitung und Schwimmvereine haben seither alle Hände voll zu tun, um erboste Eltern und Mitglieder zu besänftigen.
Grund für die Verzögerung ist ein kleiner, aber folgenschwerer Fehler bei den Sanierungsarbeiten während der Ferien: Als die Türzargen für die Duschräume geliefert wurden, stellte sich heraus, dass sie für die Maueröffnungen zu klein sind – und zwar sowohl in der Höhe, als auch in der Tiefe. Nach Angaben der Stadt ist die Schuldfrage eindeutig geklärt: „Wir haben die richtigen Zargen bestellt, es sind aber die falschen geliefert worden“, sagt Uwe Kaven, Sprecher der Gebäudewirtschaft. Die Betriebe hätten zugesichert, die Mängel auf eigene Kosten zu beheben.
Neue Rahmen zu bestellen hätte mehrere Wochen gedauert. Die Gebäudewirtschaft hat daher entschieden, die zu kleinen Zargen einzubauen. Doch nun muss die Wand angepasst werden: In dieser Woche haben Handwerker die gerade erst angebrachten Kacheln wieder abgehämmert, das Loch oberhalb der Zarge zugemauert und die Wand seitlich der Türen abgeschlagen. Da wegen der Verzögerung das Wasser zu lange in den Leitungen des Bades gestanden hat, müssen diese nun aus Hygienegründen nachgespült werden. Dazu müssen dann auch die Duschen der Sporthalle geschlossen werden, weil die Wasserkreisläufe zusammenhängen.
Eltern sind verärgert
Für Schulleiter Harald Junge ist die ganze Sache mehr als ärgerlich: „Wir haben jetzt toll renovierte Duschen, worüber wir sehr froh sind. Deshalb ist es sehr bedauerlich, dass durch einen solch kleinen Fehler Hunderte Schüler keinen Schwimmunterricht haben.“ In einer Information für die Eltern auf der Webseite des Gymnasiums kommentiert Junge die verfahrene Situation mit Galgenhumor: „Die Bademeister dürfen die spiegelglatte Wasserfläche kontemplativ in untätiger Bereitschaft bewundern. Die Schwimmlehrer gehen mit den Schülern und Schülerinnen spazieren.“
Die Schwimmvereine, die das Lehrbecken nach Schulschluss belegen, hat die Verschiebung besonders heftig getroffen. Während die Schulen vorab angeschrieben wurden, wussten die Vereine von nichts. „Es gab keinerlei Information an uns seitens der Verwaltung, was bei uns zu einem heillosen Durcheinander geführt hat“, sagt Robert Becker, Vorsitzender des Ortsverbandes Kölner Schwimmvereine. Kinder, Eltern und Übungsleiter hätten nach den Ferien ahnungslos vor verschlossenen Türen gestanden. „Wir mussten uns mit Hunderten verärgerten Eltern auseinandersetzen“, so Becker. Die Verantwortlichen für das Informationschaos konnte er trotz intensiven Mailverkehrs mit diversen Ämtern nicht ausmachen: „Niemand fühlte sich zuständig.“
Tatsächlich ist die Gemengelage im Fall des Kartäuserwallbads so speziell, dass sie offenbar selbst von Verwaltungsmitarbeitern nicht immer durchschaut wird. Die Renovierung läuft unter der Regie der Gebäudewirtschaft, der Betrieb hingegen obliegt den Köln-Bädern – im Gegensatz zu manch anderen Schulbädern, die von den Bezirksbürgerämtern betrieben werden. Die Gebäudewirtschaft hat nach Angaben ihres Sprechers Uwe Kaven das Bürgeramt Innenstadt über die Schließung informiert, wo die Nachricht mangels Zuständigkeit versandete. „Wir haben keinerlei Kontakt zu den Vereinen und auch keine Listen über die Badbelegung“, sagt Amtsleiter Ulrich Höver. Auch die Köln-Bäder waren nach eigenen Angaben nicht offiziell informiert: „Wir sind vielleicht ins cc einer Mail gesetzt worden, aber eine Bestätigung aus erster Hand lag uns nicht vor“, so Marc Riemann, Abteilungsleiter Bäderbetrieb.
Und das Durcheinander hat noch kein Ende: Nachdem die Wiedereröffnung des Bades zunächst für Freitag angekündigt war, bleibt es nun doch bis mindestens Ende der Woche geschlossen. Der Grund: Verzögerungen bei der Lieferung von Ersatzteilen.
