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Mein VeedelUnterwegs mit der Chefin der KD-Flotte Nina Luig

6 min
Eine Frau mit grünem Schal steht vor einem großen Schiff.

Nina Luig auf der Hohenzollernbrücke

Nina Luig ist Herrin über die Flotte der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt. Aus ihrem Büro im Alten Stapelhaus hat sie den Fluss und ihre Schiffe immer im Blick. 

„Der Rundgang durch mein Veedel dauert genau 30 Minuten – ganz egal, ob man mit oder gegen den Uhrzeigersinn geht.“ Nina Luig bleibt stehen, blickt über den Rhein und deutet nach links. „Entweder zuerst über die Hohenzollernbrücke und über die Deutzer Brücke zurück. Oder andersherum.“ Sie lächelt. „Wobei ich den Weg gegen den Uhrzeigersinn fast schöner finde, denn dann läuft man auf dem Rückweg direkt auf den Dom zu.“ Den Rundgang macht sie mindestens einmal die  Woche, manchmal läuft 'Millo' mit, ein 15 jähriger Kernterrier der auch mal 'Witsch' genannt wird. "Ich bin Kölnerin durch und durch, habe am Schiller Gymnasium Abitur gemacht und eine Hotelfachausbildung  im  Hyatt "

KD hat 15 eigene Schiffe, in der Hochsaison chartert sie weitere

Ihr Veedel, in dem sie mehr Zeit verbringt als zu Hause, ist zweigeteilt: links- und rechtsrheinisch, dazwischen der Fluss. „Für mich ist es das schönste Veedel Kölns“, sagt Luig. „von der anderen Rheinseite gibt es den besten Blick auf diese Stadtkulisse.“ Seit Sommer 2023 steht die 43-jährige Kölnerin an der Spitze der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt (KD). Ihre Kapitänsbrücke ist das Alte Stapelhaus. Aus ihrem Büro blickt sie auf den Fluss und auf fünf Landungsbrücken – ein ständiges Kommen und Gehen aus Linienfahrten, Eventschiffen, Hotelschiffen und Touristenströmen. „Hier ist es nie langweilig“, sagt sie. Und man glaubt es sofort.

Wir verlassen das Stapelhaus und gehen zu den Schiffen, die in der Nebensaison in Zweierreihen an den Landungsbrücken vor Anker liegen. Die KD-Flotte umfasst 15 eigene Schiffe, ergänzt durch weitere gecharterte. Neben den Flaggschiffen wie der Goethe (Baujahr 1913) prägen auch große Event- und Partyschiffe das Bild: Rhein-Fantasie, Rhein-Magie oder Rhein-Galaxie, auf denen bis zu 1.600 Menschen feiern können. Ein Lieblingsschiff hat Luig nicht. Aber einen Lieblingsmoment. „Wenn ich mit dem Kapitän auf der Brücke stehe und sehe, wie die Menschen das Panorama genießen oder bei Musik die Arme hochreißen, dann bekomme ich Gänsehaut. Ich möchte aus der KD eine Love Brand machen – eine Marke, die man liebt.“

Neues Angebot „Dinner & Dance“ startet im April

Zum 200-jährigen Jubiläum erweitert die KD ihr Gastronomieangebot. Ab dem 18. April startet das neue Format „Dinner & Dance“: ein schwimmendes Restaurant, das viermal im Jahr stattfindet. Während einer verlängerten Rundfahrt bis Rodenkirchen und zum Zoo wird ein regionales Drei-Gänge-Menü serviert. Nach dem Essen ist bis 23.30 Uhr Party an Bord. Trotz Innovationen bleibt aber auch Raum für Klassiker. „Keine Angst, auf den Linienschiffen wird es immer Würstchen und Pommes geben“, sagt Luig, „Ich will das vierjährige Kind genauso ansprechen wie die über 80-Jährigen.“ Die Gastronomie auf allen KD-Schiffen wird von eigenen Köchen betrieben und ist inzwischen plastikfrei – bereits vor dem Jubiläum habe man sich von Plastikgeschirr und Portionsverpackungen für Marmelade, Milch und Butter verabschiedet.

Zwei Frauen und zwei Männer stehen im Heck eines Schiffes vor dem Altstadt-Panorama Kölns.

Nina Luig, Michele Hanck, Schiffsmangerin, Gregor Kühn, Küchenchef , Kaptän Danilo Schulz  sind vier von über 200 Mitarbeitern der KD.

Der Spaziergang führt rheinaufwärts Richtung Deutzer Brücke. An einer unscheinbaren Stelle bleibt Nina Luig stehen. Hier stand früher der KD-Ticketkiosk, der im Zuge der Sanierung der Rheinpromenade abgerissen wurde. „Leider unüberlegt“, sagt sie. „Für viele war das ein fester Anlaufpunkt – ein Ort, an den man einfach hingehen konnte, um Auskünfte zu bekommen oder spontan ein Ticket zu kaufen. Schifffahrt lebt vom direkten Kontakt.“ Statt eines Ersatzes denkt Luig größer. Sie wünscht sich zum 200 KD Jubiläum von der Stadt einen Pavillon auf der Rheinpromenade, einen offenen Treffpunkt für Gäste und Kölner gleichermaßen in dem die Attraktionen Kölns gebündelt und sichtbar werden.

„Mir schwebt eine Art Rhein-Treff vor“, sagt sie. „Ein Ort, an dem Köln Tourismus, Museen, Kulturinstitutionen, das Schokoladenmuseum, der Zoo – und natürlich die KD – gemeinsam präsent sind.“ Der Spaziergang geht weiter zum Kölner Pegel - da wird Luig geschäftlich. „Die Wasserstände entscheiden über Routen, Auslastung – und manchmal sogar darüber, ob wir überhaupt fahren können. Hoch- und Niedrigwasser sind Teil des Alltags. Und der verändert sich ständig. Der  Rhein ist unser Arbeitsplatz und unserer Einnahmequelle.“

Sie liebt den Blick von der Deutzer Brücke auf die Kranhäuser

Kurz bevor es hinauf auf die Deutzer Brücke geht, legt Nina Luig einen Zwischenstopp ein ,in der Kaffeerösterei True Beans. „Auch wenn ich keinen Kaffee trinke hole ich mir hier häufig einen Chai Latte to go, der ist einfach super“. sagt sie. Ein kurzer Halt, ein vertrauter Ort – Teil des Alltags in ihrem Veedel. Dann geht es hinauf auf die Brücke. Oben rauscht der Verkehr, unten fließt der Rhein. „Ich mag den Blick von hier auf die Kranhäuser. Die Sanierung des alten Hafens ist wirklich gelungen. Aber das gehört nicht mehr zu meinem Veedel“, sagt sie lachend.

Auf der anderen Rheinseite angekommen, verlangsamt sich ihr Schritt, sie bleibt immer wieder stehen und kommt ins Schwärmen. „Ich liebe diesen Teil der rechten Rheinseite, hier spiegelt sich Köln in seiner ganzen Vielfalt: die Schiffe, der Fluss, die Altstadt, die romanischen Kirchen – und natürlich der Dom. Genau das zeigt man doch Gästen“ sagt sie. „Und genau das zeige ich auch meinen privaten Gästen.“

Die breite Treppe am Deutzer Rheinufer sei ein echter Gewinn für die Stadt, und wer für die Mittagspause kein Butterbrot mitgebracht hat, dem empfiehlt sie die Einkehr in die Glaspavillons vor dem Hyatt. In der Altstadt wieder angekommen, steuert Nina Luig zielsicher das Traditionslokal Em Krützche an. „ Wenn ich in meiner Freizeit essen gehe, dann komme ich immer wieder gern hierher. Es schmeckt hervorragend und das Ambiente ist eine echte Zeitreise - ein Stück Kölsches Geföhl. Und es gibt auch  Kinder Portionen“. Luig ist verheiratet und hat einen  9-Jährigen Sohn. 

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch im Restaurant Em Krützche.

Die Gastronomin Sylvia Fehn -Madaus und Nina Luig sitzen im sogenannten Beichtstuhl, das Restaurant ist 400 Jahre alt und liegt direkt an der Kölner Rheinpromenade.

Luig sieht ihr Veedel auch kritisch, „Hier gibt es – abgesehen von Gastronomie – kaum etwas. Nur Restaurants, das ist zu wenig. Was fehlt, sind kleine, nette Geschäfte, Boutiquen, eine schönere Bepflanzung. Weniger Dreck, weniger Kioske. Mehr Aufenthaltsqualität, der richtige Mix “ . Das sei auch für die KD wichtig. Für viele Gäste beginnt und endet eine Schiffstour genau hier. „Es wäre schön, wenn sie die Altstadt in guter Erinnerung behalten – und gerne wiederkommen.“

Für Nina Luig endet der kritische Blick nicht an der Gangway, "Das oft chaotische und nicht ungefährliche Nebeneinander von Joggern, Fußgängern, Radfahrern, Kinderwagen und Lastenrädern auf der Rheinpromenade lässt sich möglicherweise schon durch einen einfachen Trennungsstrich beheben. Nur so eine Idee" sagt die Frau der KD Flotte und verschwindet.


Die KD-Chefin empfiehlt

Das Schnitzel im ‚Em Krützche‘ im rund 400 Jahre alten Traditionslokal an der Frankenwerft 1-3

Kaffee oder Tee to go von ‚True Beans‘
Am Buttermarkt 15 – perfekt für den Spaziergang durchs Veedel.

Eine Fahrt mit den KD-Schiffen. Ob Linienfahrt, Eventfahrt oder beides. Tickets gibt es online oder an der Frankenwerft 15.