Der Gründer des inklusiven Sommerblut-Theater-Festivals erhielt eine besondere Ehrung: Rolf Emmerich trug sich ins Gästebuch der Stadt Köln ein.
„Mut, Tabus zu brechen“Burmester würdigt Sommerblut-Gründer

Sommerblut-Gründer Rolf Emmerich (l.) trägt sich in Anwesenheit von Oberbürgermeister Torsten Burmester in das Gästebuch der Stadt Köln ein.
Copyright: Thomas Dahl
„Sie haben mit dem Sommerblut-Festival neue Perspektiven eröffnet und Barrieren aufgebrochen“, würdigte Oberbürgermeister Torsten Burmester im Lichthof des Rathauses Sommerblut-Gründer und -Leiter Rolf Emmerich für dessen Verdienste um die Kulturszene sowie das Bemühen um gelebte Inklusion. In den 25 Jahren seines Bestehens habe das stadtweite Event zu einem „solidarischen Köln“ beigetragen und Menschen aus verschiedensten Ländern miteinander verbunden, die sich sonst nicht begegnet wären, erklärte der OB in seiner Rede vor Sommerblut-Mitarbeitern, Schirmherr Jürgen Roters, Kulturstaatssekretär a. D. Klaus Schäfer Kulturdezernent Stefan Charles sowie weiteren Vertretern aus Verwaltung und Politik.
Das jährliche Programm vereine Menschen mit und ohne Behinderung und zeichne sich durch Offenheit und Diversität aus. Sommerblut lebe dabei vor, wie Köln sein sollte. „Das macht mich hoffnungsvoll für die Zukunft“, sagte Burmester. An Rolf Emmerich gewandt formulierte er drei Wünsche: „Den Mut, Tabus zu brechen, die Kraft, dies durchzuhalten und die Neugierde auf das, was dabei entsteht.“ Der Festivalleiter zeigte sich beim Eintrag ins Gästebuch der Stadt Köln dankbar und bewegt, formulierte in seiner Rede aber auch Kritik an den Einsparungen im Kulturwesen.
Negative Einflussnahme durch die AfD
„Wir alle wissen um die schwierige Situation insbesondere der Kommunen. Wir sollten dennoch nicht den Fehler der Finanzkrise wiederholen, denn Sport, Soziales und Kultur sind wesentliche Säulen unserer Demokratie.“ Demnach hätten sich die Förderungen seit 2022 halbiert. Das Festival habe in den letzten fünf Jahren durch internationale Kulturprojekte der Europäischen Union über 550.000 Euro in die Stadt gebracht. „Bitte führt endlich eine internationale Kooperationsförderung ein (…), damit junge Künstlerinnen und Künstler Mut bekommen, EU-Mittel zu beantragen“, richtete sich Emmerich an die Entscheidungsträger.
Ferner forderte der Organisator, dass Misskalkulationen wie etwa im Rahmen der Sanierung der städtischen Bühnen nicht zulasten der Sozialträger gehen dürften. Zudem informierte der Diplom-Finanzwirt über die negative Einflussnahme der AfD auf das Sommerblut-Festival. 2025 habe es eine Kleine Anfrage im NRW-Landtag gegeben. Im Folgejahr erteilte das Bundesland den Veranstaltern eine Förderabsage aufgrund von Verletzungen der Neutralitätspflicht, da im entsprechenden Antrag Fakten zur AfD genannt worden seien. „Unsere Auffassung ist eindeutig: Kunst und Kultur sind gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes frei. Sie haben den Auftrag, in unserer Demokratie den Finger in die Wunde gesellschaftlicher Themen zu legen (…)“, unterstrich Emmerich sein Credo. Nach dem diesjährigen Leitgedanken „Solidarität“ beschäftigt sich das Festival 2027 mit Ursachen und Auswirkungen von Einsamkeit.
