Die neue Inszenierung des prämierten Kölner Kollektivs spinnt die (Nicht-)Umsiedlung eines Dorfes am Rande des Braunkohle-Abbaugebiets Garzweiler weiter.
Premiere in KölnAnalog-Theater zeigt sein neues Stück „Keyenberg 3“

Das Ensemble von ANALOG um Regisseur Daniel Schüßler (r.) bespricht eine Stück-Sequenz der neuen Produktion.
Copyright: Thomas Dahl
Was bleibt von Hoffnungen auf ein besseres Leben? Manchmal nur ein riesiges Loch, dessen Abgründe sich in der Dunkelheit verlieren. Die Theatermacher von Analog zeichnen eine sinistre Ausgangssituation zum neuen Stück „Keyenberg 3“, das am 10. September in der Deutzer TanzFaktur Premiere feiert. Der Titel bezieht sich auf das gleichnamige Dorf am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler bei Erkelenz. Im Dezember 2016 begann die Umsiedlung der Bewohner nach Keyenberg-Neu. Im Zuge der politischen Neuausrichtungen gab der RWE-Konzern jedoch die Aufgabe des Abrisses bekannt. „Es ist vollkommen absurd. Nun existierten also zwei Keyenbergs. Wir haben uns entschlossen, noch ein drittes Dorf zu erfinden, in dem die verschiedenen Charaktere der jeweiligen Einwohner aufeinandertreffen“, erklärt Regisseur Daniel Schüßler. Die Inszenierung werde von Verlusten, Identitäten und der Sehnsucht nach einer Heimat, die nicht konstruiert wurde, tangiert, so der Gründer des mehrfach ausgezeichneten Performance-Kollektivs (unter anderem mit dem Kölner Kulturpreis 2024 für „Mein Vater war König David“).
Die Figuren im Stück landen in einem Loch – einer Hölle – und sind gezwungen, miteinander auszukommen.
Im Zuge der Produktion führte das Analog-Team Interviews mit den Ortsansässigen. Die verschiedenen Perspektiven – auch zum Thema Abfindungszahlungen – sind demnach in die Arbeiten eingeflossen und machen die Risse innerhalb der Gesellschaft sichtbar, etwa Konflikte zwischen den langjährigen Bewohnern und linken Demonstranten, die eher einen Systemwechsel im Blick hatten. Das Ergebnis von Nachforschungen, philosophischen Betrachtungen sowie fiktionalen Kapiteln verstehen die Produzenten als eine dokumentarische Groteske. „Die Figuren im Stück landen in einem Loch – einer Hölle – und sind gezwungen, in der Matrix von Keyenberg 3 miteinander auszukommen. Sie müssen die Probleme miteinander aushandeln“, fasst der Regisseur, Schauspieler und Dozent den konstruktiven Geist des Stücks in Worte. Zu den Charakteren gehören unter anderem eine junge, anti-hierarchisch geprägte Aktivistin, eine alteingesessene Umweltschützerin sowie ein drogenabhängiger Mann. „Keyenberg 3“ gleiche dabei einem Panoptikum von Menschen, die sich vor allem um sich selbst drehen und daher oftmals mit ihren Idealen scheitern, sagt Daniel Schüssler. Die Aufführungen werden durch Audiodeskriptionen für Personen mit Sehbeeinträchtigungen unterstützt.
„Keyenberg 3“ - Eine dokumentarische Groteske über Heimat, Identität und den Tagebau Garzweiler, ANALOG in Koproduktion mit Studiobühne Köln aus der Reihe „Fiktionales Städte-Biopic“, Regie: Daniel Schüßler, Dramaturgie: Laura Becker, Inklusionsdramaturgie: Rina Schmeing, Mit: Jonas Becker, Dorothea Förtsch, Hanna Held, Lara Pietjou, Ingmar Skrinjar, Live-Musik: Ben Lauber, Bühne: Ivan Baza, 10./11./12./14. September 20 Uhr, 13. September 18 Uhr, 12. bis 16. Mai 2027, Tanzfaktur Köln, Siegburger Straße 233w, 50679 Köln, Tickets: 15 Euro (ermäßigt 7 Euro), www.analogtheater.de