LimodealerKölner Unternehmer eröffnen Limo-Büdchen im Belgischen Viertel

Till Bohn (l.) und Jonathan Gehlhar sind die Limodealer in Zollstock.
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Jahrzehntelang musste man in der Gastronomie nicht wirklich nach einer Getränkekarte fragen, um etwas Nicht-Alkoholisches zu bestellen. Im Wesentlichen konnte man zwischen einer durchsichtigen, einer gelben und einer braunen Limonade mit jeweils erheblichem Zuckeranteil wählen.
In manchen traditionellen Kölsch-Kneipen sind diesbezüglich auch immer noch keine eklatanten Veränderungen ersichtlich, aber in der Individualgastronomie und in den kleinen Cafés hat sich viel getan. Dort wo sich das flüssige Angebot erfrischend anders gestaltet, stehen nicht selten zwei Männer dahinter, die mit ihrem Kölner Laden auch für promillefreie Vielfalt im privaten Kühlschrank sorgen.
Kleinen Limo-Sorten zu Bekanntheit verholfen
Till Bohn (34) und sein ein Jahr älterer Kompagnon Jonathan Gehlhar sind die „Limodealer“; so jedenfalls heißt das Geschäft und Lager, das die beiden in Zollstock betreiben. Was den Betriebswirt Bohn und den Kaufmann Gehlhar von anderen Getränkehändlern unterscheidet, ist ihr alternatives Komplett-Sortiment und ihre Bereitschaft, selbst den Wunsch eines einzelnen Kunden im Sortiment zu berücksichtigen.
Als die Limodealer vor zwei Jahren an den Start gingen, war die Marke „Proviant“ beispielsweise noch völlig unbekannt. Bohn und Gehlhar hatten die kleine Berliner Fruchtmanufaktur 2012 auf der Hamburger Gastronomie-Messe Internorga kennengelernt und einen ersten Kontakt geknüpft. Wenig später waren sie die ersten am Rhein, die die Limosorten anboten. Inzwischen sieht man die Flaschen mit den nostalgischen Aufklebern in der hiesigen Szenegastronomie immer öfter. Auch Kinos wie das Off Broadway und Weißhaus haben sich nach Worten Bohns vom klassischen Sortiment verabschiedet und „sind bereit, neue Wege zu gehen“.
Ingwer ist extrem gefragt
Einen neuen Weg hat Bohn vor einiger Zeit selber beschritten, indem er in seiner Küche nach einem Rezept seiner Mutter Ingwerlikör herstellte, den er inzwischen unter dem Namen Ginger Cat verkauft.
Ingwer ist nach Auskunft der beiden Getränkehändler zurzeit ohnehin extrem gefragt. Deshalb führen sie unter anderem eine glasklare Cola mit Ingwergeschmack, Ingwerlimonaden, Ginger Ale sowieso, aber auch Ingwerbier. Außerdem haben sie so exotische Limosorten wie Birne-Rosmarin, Aprikose-Mandel sowie Dattel-Granatapfel. „Bei Pflaume-Kardamon waren wir selber überrascht“, erzählt der Münsteraner Gehlhar lachend und weist auf weitere Besonderheiten im Regal: Die Minzlimonade „Papa Türk“, mit der man angeblich nach Verzehr eines Döners den Atem neutralisieren kann, oder die Brause Tannenwald, die ein bisschen wie Saunaaufguss schmeckt.
Der Limodealer
Gottesweg 56-62
50969 Zollstock.
Telefon 0221/888 686 54.
Öffnungszeiten: montags bis freitags 9-18, samstags 10-16 Uhr.
Bei aller Liebe für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke sind die Limodealer keine Freunde von sogenannten Energydrinks. „Die würde ich meinem Körper heute auch nicht mehr antun“, betont Gehlhar. Bei bei Mate-Getränken sind die beiden ebenfalls nicht sonderlich euphorisch. Stattdessen lieben sie Kokoswasser, Apfelcidre, Rosenlimonade sowie mit Dattelsirup gesüßte Cola.
Limo-Kiosk im Belgischen Viertel
Rund zehn Prozent ihres Umsatzes machen die Limodealer mit Gastronomen und liefern ihre Ware auch selber aus. Immer häufiger werden sie für Veranstaltungen angefragt. Ihre Hauptabnehmer sind jedoch Endverbraucher. Und da vor allem jüngere Leute auf ihr Sortiment abfahren, eröffnen am sie am Freitag, 12. Juni, im Belgischen Viertel (Brüsseler Straße 71) einen Kiosk, der „Limodealer – Dein Laden für Trinkkultur“ heißen wird.
Parallel wächst der Hauptsitz am Gottesweg. Nachdem die Limodealer zuletzt immer mehr Biersorten – vor allem Craft-Biere ins Sortiment genommen haben, wollen sie sich jetzt auch Weine zulegen.
Mitunter bekommen Spirituosen made in Cologne beim Limodealer sogar einen Ehrenplatz im Regal eingeräumt werden. Beim „Mexikölner“ genannten Tomatenschnaps der Kölschbar-Betreiber Malte Böttges und Dennis Busch „haben wir direkt das enorme Potenzial gesehen“.