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Theater reagiert auf KürzungenEnsemble aus Köln verkauft Kostüme und mehr

Das Kollektiv „Ubu“ inszeniert als Reaktion auf den Wegfall von Fördermitteln seinen eigenen Ausverkauf. Es gibt „Unsoziale Bänke“ und mehr im Online-Shop.

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Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Mauer, auf der ein großes Tag prangt.

Sophia Spies und Christoph Stöber gehen neue Wege bei der Finanzierung.

Shoppen bei Ubu: Der Blick in den Online-Laden des Kölner Ensembles offenbart die Kunst der Selbstvermarktung. Mit einem vorübergehenden Ausverkauf will die Gruppe, die keine feste Spielstätte hat, auf Einsparungen in der Freien  Theaterszene und zunehmend schwierigere Rahmenbedingungen aufmerksam machen. Darüber sollen neue Wege der Eigenfinanzierung beschritten werden. Neben Pragmatismus bietet das Kollektiv vor allem eins: Originalität.

Unsoziale Bank für Menschen ohne Worte

Ein Schaumstoffmantel für große Menschen (in Anlehnung an das Drama „König Ubu“ von Alfred Jarry): 200 Euro (Verleihung: 50 Euro/Woche). Eine „Unsoziale Bank“ mit entgegengesetzten Sitzflächen für „Menschen ohne Worte, die „am besten nach gescheiterten Paartherapie-Sitzungen funktioniert“: 400 Euro (Verleihung: 100 Euro). Als Kontrast fungiert die „Soziale Bank“ mit Gefälle, auf der gemäß Hersteller „kurze Rutschpartien für lange Lebewesen genauso möglich wie lange Rutschpartien für kurze Lebewesen sind“. Das Designerstück ist für 400 Euro (Leihe: 100 Euro) erhältlich.

Ein Mensch liegt auf einer Bank, die ein Gefälle aufweist.

Die Bank „Guten Rutsch“ ist im Ubu-Onlineshop erhältlich.

Der Pony-Pullover „Emo-Elfe“ hilft dagegen bei düsteren Gedanken. Laut Produzenten verdeckt das Kleidungsstück verwischten Kajal und „wirkt abweisender als die Airpods vom sympathischen Typen rechts in der Bahn“. Leihgebühr: 50 Euro. Die „Modulare Treppe“ gibt es für 500 Euro. In der Schnäppchenecke finden sich unter anderem eine ohrenlose himmelblaue Badehaube zur Ausleihe sowie ein robuster Richterhammer für jeweils 15 und 10 Euro. Die komplette Ubu-Aufführung „Vom Hören und Feen“ inklusive Ballettmusik, Tanz sowie Instrumentalkonzert kostet 8.799,95 Euro zuzüglich Reisekosten. Zahlreiche weitere Unikate aus den Bereichen Objekte und Produktionen aus dem „uBuversum“ warten im digitalen Fundus auf Zugriffe.

‚Ausverkauf‘ klingt zwar super-ernst, aber der Begriff ist mit Ironie geladen. Das soll für uns kein End-Game sein.
Christoph Stöber

Mit ihren Slogans „Was verkauft ist, bleibt sichtbar“ und „Wenn Förderung nicht ausreicht, ist Kommerz die Lösung“ begegnen die Mitglieder ihrer Zukunft selbstbewusst. Wohlwissend, dass der Shop keine Lösung für das langfristige Überleben darstellt, zeigt sich Christoph Stöber dennoch entspannt. „Wir sind alle auch in anderen Bereichen tätig, beispielsweise als Musiklehrer, Kostümbildner oder Berater“, so der Pianist. An ein Auseinanderbrechen des Kollektivs denken die Künstler demnach trotz schwieriger Lage nicht. In Bezug auf die Online-Aktion erklärt Stöber, „‚Ausverkauf‘ klingt zwar superernst, aber der Begriff ist mit Ironie geladen. Das soll für uns kein End-Game sein. Es geht uns hier auch um die Sichtbarmachung einer Retrospektive der Arbeiten aus einem Jahrzehnt.“

Bei Interesse besteht der Plan einer kontinuierlichen Neubestückung des Shops. „Es gibt noch viele Unikate, die wir zur Verfügung stellen könnten. Wir freuen uns über Anfragen von den Leuten, egal ob für privaten Gebrauch oder eigene Inszenierungen“, informiert Sängerin und Komponistin Sophia Spies, die aktuell mit der E. P. „Nest“ des Projekts faira mit experimentellem lyrischem Indie-Folk für Aufhorchen sorgen sollte. Das sechs Songs umfassende Werk ist bei Papercup-Records erschienen.

„Ubu“ steht nach Aussage der Mitglieder für die Erforschung von Musik als körperlichem und sozialem Ereignis. Gegründet 2016 in Köln besteht das Team derzeit aus sieben Akteuren. Zum Repertoire gehören unter anderem die Neuinterpretation von B.A. Zimmermanns Ballet blanc „Présence“ (ausgezeichnet mit dem Pergamenschikow-Preis 2016), Vladimir Guicheff-Bogaczs „La Palanca“ (2018) und Huihui Chengs „Calling Sirens“ (2019). 2022 initiierte uBu erstmals die Reihe „Mutants in Music“ mit Darbietungen in der TanzFaktur Köln, im Frankfurter LAB und im Resonanzraum Hamburg. Nach weiteren Produktionen erlebte 2024 „Vom Hören und Feen – pas de concert“ die Premiere.


www.ensembleubu.com shop.ensembleubu.com