Nach jahrelangen Verzögerungen ist es soweit: Ananas, Palmen und Kakteen sind endlich zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
Pflanzen schon drei Jahre daKölner Schaugewächshäuser eröffnen endlich am Freitag
„So, jetzt sind wir schon mal alle durchschwitzt“, sagt Marina Tasiliki, die Leiterin des Botanischen Gartens in Köln, und lacht. Tatsächlich: Nur wenige Minuten im tropischen Teil der neuen Schaugewächshäuser reichen für einen wohligen Schweißausbruch. Denn hier ist es mindestens 20 Grad, am besten aber 25 bis 28 Grad warm, bei bis zu 90-prozentiger Luftfeuchtigkeit. In dem klimatischen Wunderwerk aus Glas und Stahl gedeihen Papayas, Avocados, Vanille, Mangos und riesige Palmen. Bananen gedeihen, eine kleine Ananas lugt unter Blättern hervor. Es gibt Pfeffer und Chili. Den haben Tsaliki und ihr Team schon probiert. „Sehr scharf.“

Brücken und Wasser prägen das Tropenhaus. Hier ist es etwa 25 Grad warm.
Copyright: Alexander Schwaiger
Alles ist üppig und dicht bewachsen. Seerosen schwimmen auf einem kleinen Teich, die Palmen reichen weit in die bis zu 17 Meter hohe gewölbte Decke. Ein fünf Meter hoher Steg führt durch die Baumkronen. Alles wirkt, als seien die Pflanzen hier schon seit ewigen Zeiten, die Beet-Begrenzungen aus Holzstämmen sehen schon etwas verwittert aus. Die ständige Feuchtigkeit hat eine Patina auf die Wege gezaubert.
6000 Arten in den Kölner Schaugewächshäusern
Die neuen Schaugewächshäuser öffnen zwar erst an diesem Freitag für Besucher – aber die Pflanzen sind schon seit drei Jahren in ihrem neuen Zuhause. „Es tut ihnen gut, das kann man sehen. Sie gedeihen prächtig“, sagt Tsaliki. 6000 Arten wachsen hier, 80 Prozent stammen aus den Vorgängerhäusern, 20 Prozent wurden dazugekauft. Drei Jahre lange brauchten die Pflanzen, um sich zu akklimatisieren. Aber drei Jahre brauchten auch die Techniker, um das richtige Klima für sie herzustellen.

Papayas gedeihen prächtig.
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„Das ist für uns ein einzigartiges Projekt und eine große Herausforderung“, sagt Torsten Lessmeister-Zawacki, technischer Betriebsleiter der städtischen Gebäudewirtschaft. Seit 2016 wurde geplant, von 2019 bis 2024 gebaut. Und dann immer wieder nachjustiert. Die Eröffnung musste mehrmals verschoben werden. „Es gibt keine Standardpläne für solche großen Gewächshäuser.“ Nicht für das Stahlgerüst mit 1000 Scheiben. Und schon gar nicht für die Simulation von fremden Klimazonen.

Die wohl älteste Pflanze Kölns: Der Brotpalmfarn ist 300 bis 400 Jahre alt.
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So gab es mehrmals Probleme im Wüstenhaus, wo unzählige Kakteen und Sukkulenten eingesetzt wurden. Hier müssen mindestens zwölf Grad sein. Wenn es draußen kälter als minus acht Grad wird, muss „gegengeheizt werden“. Wie sich herausstellte, mussten zusätzliche Lüftungsklappen eingebaut werden. Im Wüstenhaus steht auch die nach Angaben von Tsaliki wohl älteste Pflanze Kölns: ein 300 bis 400 Jahre alter Brotpalmfarn. Der will gut behütet werden.

Prächtige Bananen, bitte nicht pflücken.
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In der dreiflügeligen Anlage ist von Zeit zu Zeit ein Surren zu hören, wenn die Dachfenster zur Belüftung automatisch öffnen. Im Tropenhaus wird frühmorgens eine Beregnungsanlage angestellt, die tropischen Regen simuliert. Manchmal geht leichter Sprühnebel nieder, um Verdunstungskälte zu produzieren. Wie sich das alles auf die Pflanzen auswirkt, wird täglich kontrolliert.
OB Bürgermeister: Gewächshäuser haben überregionale Bedeutung
Oberbürgermeister Torsten Burmester sprach bei seinem Vorabbesuch am Donnerstag von der „überregionalen Bedeutung“ der Schaugewächshäuser, „Es ist eines der größten Glasbauten Deutschlands und ein zukunftsweisendes Gebäude. Der Weg dahin war lang und erforderte Geduld.“ Die Kosten betrugen am Ende 22,4 Millionen Euro für eine Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern.

Drei Jahre schon sind die Pflanzen in den Häusern.
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Marina Tsaliki schwärmt: „Wir sind hier alle pflanzenverrückt.“ Deshalb habe man das alles geschafft. Sie erzählt von einer ihrer Lieblingspflanzen, dem „Baum der Reisenden“, der zu den Strelitziengewächsen gehört. Für den Namen gibt es zwei mögliche Erklärungen: Wanderer in einsamen Gegenden konnte aus seinem Stamm Flüssigkeit zapfen, um nicht zu verdursten. Oder: Die Blätter sind in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und damit eine Art Kompass. „Ich finde beide Geschichten sehr schön.“

Blick in das Wüstenhaus
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Die Schaugewächshäuser sollen ein Ort zum Staunen und Lernen sein, Duft- und Fühlstationen auch speziell für Kinder wurden installiert. Die Pflanzen selbst sollten allerdings nicht angefasst werden, darum bittet Marina Tsaliki dringend. Auch sollten die Früchte nicht gepflückt werden. „Hier zeigt sich auch die Verwundbarkeit der Natur, wir müssen vorsichtig mit ihr umgehen.“
Der Eintritt in die Häuser ist kostenlos. Sie sind an diesem Freitag nach der offiziellen Eröffnung ab etwa 12.30 für Besucher zugänglich (alle Bereiche sind barrierefrei). Bis September sind sie täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von Oktober bis März von 10 bis 16 Uhr. Es dürfen sich höchstens 200 Menschen gleichzeitig hier aufhalten, eine automatische Zählung reguliert den Zugang. Diese Begrenzung hat mit dem empfindlichen Klima zu tun. Denn die Fachleute müssen nun beobachten, wie es sich auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit auswirkt, wenn viele Menschen unter den Palmen wandeln.
