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„Heroin und Kokain“Kölner Tierschützer retten Katzen aus Messie-Wohnung zwischen offenen Spritzen

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Zwei Katzen in und an einem Kratzbaum.

Zwei schwarze Katzen wurden aus einer Messie-Wohnung in Köln gerettet.

Eine Gerichtsvollzieherin benachrichtigte die Tierschützer. Zwei verängstigte Katzen versteckten sich zwischen Drogenbesteck, Ungeziefer und Müll.

Tierschützer haben am Donnerstag (26. Februar) zwei Katzen bei einer Zwangsräumung in Köln aus einer verwahrlosten Wohnung gerettet. Eine Gerichtsvollzieherin hatte den Verein Team für Tiere Köln am Nachmittag informiert, nachdem die Tiere in den Räumlichkeiten entdeckt worden waren. „Sie war noch nicht in der Wohnung gewesen und hatte nur die Information, dass es dort ‚etwas durcheinander‘ sei“, so ein Sprecher des Vereins auf Anfrage dieser Redaktion. Da die beiden Kölner Tierheime zu dem Zeitpunkt einen Aufnahmestopp für Katzen hatten, übernahm der Verein den Einsatz.

Als die Helfer die Wohnung betraten, bot sich ihnen ein desaströses Bild. Zwischen Müll, Ungeziefer, verstreuten Gegenständen, offenen Spritzen und Glasscherben lebten Menschen und Haustiere. Die Tierschützer mussten zunächst für ihren eigenen Schutz sorgen, bevor sie nach den beiden Katzen suchten.

„Wir haben einen Bewohner vor Ort gefragt, was in den Spritzen drin wäre: Heroin oder Kokain, meinte er dann.“ Die Katzen gehörten seinen Angaben nach einem früheren Untermieter. Neben den Gefahren durch Spritzen und Scherben waren zum Zeitpunkt der Räumung mehrere Personen in der Wohnung, darunter Mitarbeitende des Räumungsdienstes, der Hausverwaltung, Polizeikräfte sowie die Gerichtsvollzieherin.

„Die Katzen waren sehr ängstlich und versteckten sich. Auf der Suche nach ihnen mussten wir durch die ganze Wohnung.“ Eine der Katzen fanden die Helfer schließlich unter einer selbstgebauten Couch, die zweite in einem anderen Zimmer. Das Einfangen gestaltete sich aufgrund der zahlreichen Gefahrenstellen und der Schreckhaftigkeit der Tiere schwierig. Mithilfe eines Keschers gelang es schließlich, beide Katzen zu sichern und in Transportboxen zu setzen, um sie in eine Pflegestelle zu bringen.

Tierschützer finden Blutspuren

Dort stellten die Tierschützer Blutspuren in den Boxen fest. Sichtbare größere Verletzungen hatten die Tiere nicht, vermutlich jedoch kleinere Wunden, so der Sprecher. In der Pflegestelle wurden sie medizinisch versorgt und sollten zur Ruhe kommen. „Sie haben große Angst“, erklärt er besorgt. Gemeinsam mit Polizei und Veterinäramt soll nun geprüft werden, ob aus dem Rettungseinsatz eine formale Sicherstellung wird. In diesem Fall würde die Stadt Köln die tierärztlichen Kosten übernehmen.

Auf Anfrage antwortet die Stadt, dass die Behörden aufgrund von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten keine Auskunft zu Einzelfällen geben können. Sie erklärt jedoch, dass im Falle einer tierschutzwidrigen Haltung im Rahmen einer Zwangsräumung die Tiere sichergestellt und in Pflegestellen untergebracht werden. In einem solchen Fall können die Tiere den Besitzern auch entzogen und weitervermittelt werden.

Der Verein Team für Tiere Köln e. V. möchte den Fall nutzen, um auf den Tierschutz aufmerksam zu machen. Menschen, die selbst von Suchtproblemen betroffen sind, können sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Köln wenden. Angehörige und Nachbarn möchte er ermutigen, bei Verdacht auf erhebliche Vernachlässigung bei Haustieren nicht wegzuschauen. Das Team für Tiere Köln e. V. sei über eine Notfallnummer rund um die Uhr erreichbar: +49 160 99069657.