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Kölner werden EuropameisterDie mit dem Schwert tanzen

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Die Kölner Sportlerinnen bei der EM in Paris. Im Wettkampf werden Holzschwerter benutzt.

Köln – Niemand hatte sie ernst genommen. 500 Athleten waren in die Pariser Sporthalle zu den Europameisterschaften im koreanischen Schwertkampf Haidong Gumdo angetreten. Aus 22 Ländern waren sie angereist, 80 Wettkämpfer aus Deutschland, darunter 15 Kölner. Und fast alle trugen sie die Anzüge, die typisch sind für den Kampfsport. „Nur wir kamen in unseren Kostümen“, berichtet Svenja Niedmann. „Darum haben uns die Konkurrenten nur als Tanzmäuse belächelt.“

Dreizehneinhalb Stunden lang. Um 8 Uhr morgens mussten sich Niedmann (25), Hannah Hänscheid (26), Isabell Henkel (16), Katharina Kremer (22), Jana Ortmann (18) und Hannah Schünke (23) für den Wettkampf anmelden. Aber erst um 21.30 Uhr abends folgte ihr Auftritt. Zwei Minuten, 58 Sekunden lang. Danach belächelte niemand mehr das Sextett der Brücker Tanzschule „Ballettundmehr“. „Sogar die Kampfrichter haben applaudiert“, erinnert sich Schulleiterin und Choreographin Verena Milenkovic. Um 22.45 Uhr stand fest: Die Kölnerinnen sind tatsächlich Europameister. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt Niedmann, als sie – zurück in Deutschland – nach dem Training an der Bar der Ballettschule am Brücker Mauspfad sitzt. „Und ich muss mich immer noch kneifen“, stimmt Ballett-Pädagogin Milenkovic zu. „So aufgeregt wie bei eurem Auftritt bin ich nur einmal in meinem Leben gewesen: bei meiner Hochzeit.“ Die Goldmedaillen-Gewinnerinnen lachen. „Ihr wart in keiner Probe so synchron wie bei diesem Auftritt.“

Wer die Kampfsportart Haidong Gumdo einmal ausprobieren möchte, kann das zum Beispiel beim TV Dellbrück, Mielenforster Straße 40, in der Brücker Tanzschule „Ballettundmehr“, Brücker Mauspfad 568, beim Sakura Karate-Dojo im Sportpark Müngersdorf oder beim Campussport der Uni und Sporthochschule. (vek)

www.tv-dellbrueck.de

www.sakura-karate.de

www.campussport-koeln.de

www.ballettundmehr.de

Was schon deshalb ein kleines Wunder ist, weil keine der Tänzerinnen zuvor etwas mit Kampfsport zu tun hatte. Schon gar nicht mit dem koreanischen Schwertkampf oder genauer: der Disziplin Schwerttanz. „Das war für die Mädels schon deshalb schwer, weil sie nicht daran gewöhnt sind, mit einem Schwert in der Hand zu tanzen“, sagt Christoph Albrecht. Er gilt als Kölns Cheftrainer im Haidong Gumdo, hat den dritten von acht Meister-Graden und will im Januar die Prüfung zum sogenannten vierten Dan ablegen. Dann dürfte er selbst Trainer ausbilden.

Ende vergangenen Jahres war Albrecht zu Milenkovic in die Tanzschule gekommen und hatte gefragt, ob sie sich vorstellen könne, ein Team für die Europameisterschaft zusammenzustellen. Sie konnte. „Aber ich habe lange gesiebt, bis ich mir überlegt hatte, wen ich dafür anspreche“, erzählt sie. Immerhin: Auf die Wettkämpferinnen warteten anderthalb Stunden Extra-Training pro Woche – zusätzlich zu den üblichen mindestens vier Stunden Tanztraining. Fürs Kampftraining mussten sie in eine Sporthalle, der Ballettsaal in Brück wäre zu klein gewesen. „Wenn sie mit dem Schwert am ausgestreckten Arm tanzen, brauchen Sie ordentlich Deckenhöhe“, sagt Albrecht.

Fremd sei ihr der neue Sport zu Beginn vorgekommen, beschreibt Hannah Hänscheid. „Der Bruch vom Tanzen zum Kampfsport war doch sehr groß. Aber als wir angefangen haben, mit dem Schwert zu tanzen, hat es irgendwann klick im Kopf gemacht.“ Verletzen kann sich dabei übrigens niemand: Zum Tanzen benutzen die Sportler ein Holzschwert, das Mokgom. Mit dem würde die Gruppe nun am liebsten beim sogenannten Mulympia im kommenden Jahr in Korea antreten, den Weltspielen der Haidong-Gumdo-Kampfsportler. Da könnten sie Weltmeister werden. Nur fehlt ihnen ein Sponsor für die Reise. „Ein Wochenende in Paris, das konnten wir uns selbst finanzieren“, sagt Milenkovic. „Aber Korea – das übersteigt unsere Möglichkeiten.“ Obgleich die Konkurrenz die Europameisterinnen dort ganz sicher nicht mehr belächeln würde.