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„Will weiter Säle abreißen“Kölsche Ikone Marita Köllner beim Bühnen-Jubiläum voller Energie

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Marita Köllner steht bei ihrem Konzert auf der Bühne.

Rote Rosen zum großen Abend. Marita Köllner feierte am Freitagabend (10. Juli 2026) im Theater am Dom ihr 60. Bühnenjubiläum.

Marita Köllner hat ihr 60. Bühnenjubiläum mit einem Konzert im Theater am Dom gefeiert. 

Sie ist die Powerfrau mit der Gute-Laune-Garantie. Marita Köllner hat immer Spaß em Jeseech und feiert wahrlich das Leben, wie sie es besingt. 1967 hat sie an Karnevalssamstag eine Rede von Hans Hachenberg alias Doof Noss nachgemacht, mit zwölf Jahren stand sie erstmals im Gürzenich auf der Bühne.

Am Freitagabend (10. Juli 2026) blickte die Kölner Karnevals-Legende bereits auf ihre 60-jährige Karriere zurück. Im Theater am Dom fand ihr Jubiläumskonzert statt. Erstmals wurde sie sogar von einer Band (Jule, Daniel, Pascal und Otto) begleitet. In drei Tagen war der Saal ausverkauft. Dennoch entschied sie sich nicht für eine größere Location.

Marita Köllner: „Ich bin kein Star, sondern ein Liebling aus dem Volk“

„Ich möchte mit den Leuten feiern und nicht auf einer hohen Bühne stehen. Das erzeugt zu viel Distanz zum Publikum. Ich bin kein Star, sondern ein Liebling aus dem Volk. Und wenn die Menschen mir zujubeln, ist das viel mehr wert als jede Gage“, sagt die 68-Jährige im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Losgelegt hat Marita als Büttenrednerin. Der Kaplan brachte die junge Künstlerin zur Kajuja, wo sie sich vor Ludwig Sebus vorstellen durfte. Auch eine Gruppe in bunten Hühnerkostümen machte damals dort ihre ersten Gehversuche im Karneval: die Höhner.

„Ich habe nicht nur Freunde gehabt als Frau in der Bütt. Es gab genug Gegenwind“, erinnert sie sich. „Bei meinen ersten Auftritten haben Männer hinter der Bühne um eine Flasche Sekt gewettet, dass ich im Sartory ausgepfiffen werde. Damals war ich voller Hemmungen und hatte Minderwertigkeitskomplexe. Aber ich bin vom Sternzeichen Stier: Ich kämpfe immer.“

Marita Köllner beim Konzert im Theater am Dom.

Das Theater am Dom war beim Jubiläumskonzert von Marita Köllner restlos ausverkauft.

Ex-Höhner-Frontmann Henning Krautmacher überzeugte „Et fussich Julche“ 1988 dazu, wegen ihrer markanten, kratzigen Stimme zu singen. Im Garten des Musikers entstand der Hit „Denn mir sin kölsche Mädcher“. Selbstverständlich kam die Höhner-Legende deshalb auch beim Jubiläumsabend mit auf die Bühne.

Aus ihrem Repertoire von über 100 Titeln sang Marita für ihre Fans rund 30 Songs. Als letztes Stück vor den Zugaben war „Oh Susanna – Wo ist das rote Pferd?“ an der Reihe. Mit der Veröffentlichung des Partylieds Ende 2023 nahm die Karriere der Stimmungssängerin noch mal richtig Fahrt auf.

Henning Krautmacher steht mit Marita Köllner auf der Bühne.

Ex-Höhner-Frontmann Henning Krautmacher war gekommen, um Marita Köllner zum Jubiläum zu gratulieren.

Mit „Weisste wat, mir maache Polonaise“ folgte im vergangenen Jahr ein weiterer Kracher, der in jedem Saal sofort für Ausnahmezustand sorgt. „Seitdem drehen alle am Rad bei meinen Auftritten.“ Zweimal in Folge gewann Marita den Närrischen Oscar als beste Solokünstlerin. „Immer wigger“ heißt nicht nur ihr neuer Sessionstitel, es ist auch ihr Lebensmotto.

„Ich habe so viel Spaß am Leben und bin eine Frohsinnsverbreiterin“, sagt sie. Dabei liegen schwere Momente hinter ihr. Als Kind wurde sie vom Stiefvater misshandelt. Ihr musste ein Gehirntumor entfernt werden. „Ich habe viel mitgemacht. Die Hölle hat mich aber nur stärker gemacht. Im Karneval wurde ich erst gemieden, weil ich eine Frau war. Dann war mein Alter plötzlich für einige ein Problem. Inzwischen stehe ich aber darüber.“

Marita Köllner in einem Prinzessinnen-Kostüm.

Ein altes Foto-Fundstück: Marita Köllner liebt den Kölner Karneval. Sie findet aber, dass es nicht zwingend eines Tages auch mal ein weibliches Dreigestirn geben muss.

Ihr ausgeprägter Lebenswille überträgt sich bei den Auftritten immer rasend schnell auf das Publikum. „Ich lebe exzessiv bis zum Ende“, sagt sie. Selbst darüber hat sie sich schon Gedanken gemacht. „Mein Wunsch ist es, dass ich eines Tages bei der zweiten Zugabe auf der Bühne umkippe. Meine Beerdigung soll dann auch eine fröhliche Party werden – in Rot und Weiß.“

Doch vorher hat sie noch viele Pläne. Mit Räuber-Gründungsmitglied Kurt Feller, der nach der Session bei seiner Band aussteigt, will sie ein Duett singen. Soziale Projekte liegen ihr auch am Herzen. Beim Jubiläumskonzert wurden im Foyer die Köllner-Perücken verkauft. Ein Teil der Einnahmen geht an den Verein Der Sack, der rund 1000 Haushalte und 19 Kindertagesstätten in Köln unterstützt.

Marita Köllner als Kind in einer Mariechen-Uniform.

Als ganz kleines Kind bekam Marita Köllner von ihrer Mutter eine Mariechen-Uniform der Roten Funken genäht.

Die roten Haare sind inzwischen ihr Markenzeichen. „Mit der Perücke schlüpfe ich in eine Rolle. Da geht es mir wie Mickie Krause“, sagt die Sängerin. Wie der Ballermann-Star hat auch Marita eine Bleibe an der Playa de Palma. Mit ihrem Mann Peter genießt sie dort das bunte Treiben genauso wie in Köln.

Nach dem umjubelten Jubiläumskonzert hatte sie nur einen Wunsch: „Solange ich noch bei Kräften bin, möchte ich noch weitere junge Leute mit meiner Musik gewinnen und die Säle abreißen“, sagt sie. „Wir planen gerade die Session 2028, da werde ich 70. Aber so alt komme ich mir gar nicht vor.“ Die gute Laune und die Liebe zu ihrer Stadt und der Musik halten die jecke Ikone jung.