Abo

Kommentar

Verbot auch in Köln?
Gegen aggressives Betteln müssen Städte Grenzen ziehen

Ein Kommentar von
2 min
SYMBOLBILD - 10.07.2023, Berlin: Der Schatten einer Person mit einem Becher für Spenden fällt auf den Gehweg. (zu dpa: «Wohnungslosenhilfe fordert Trinkwasserstellen für Obdachlose») Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Schatten einer Person mit einem Becher für Spenden fällt auf den Gehweg. (Archivfoto)

Die Kölner Toleranz sollte keine Probleme überdecken, findet Chefredakteur Jens Meifert.

Betteln empfindet niemand als angenehm. Schon gar nicht die, die auf Unterstützung angewiesen sind und sich nicht anders zu helfen wissen. Es sind arme Menschen. In Großstädten wie Köln fühlen sich aber zunehmend Bürger belästigt, die in der Stadt unterwegs sind, die im Café oder Restaurant sitzen und bedrängt werden. Manchmal aggressiv. In der Regel nicht durch harmlose Clochards.

Dahinter stehen persönliche Schicksale und manchmal auch organisierte Bettlerstrukturen. Die werden sich nicht einfach auflösen. Köln, die weltbekannte Metropole der Toleranz, tendiert dazu, so etwas hinzunehmen und darüber hinwegzusehen. Das mag lange gut gegangen sein, aber es funktioniert im Zentrum und an bestimmten Veedelsplätzen oft nicht mehr. Manche Gastronomen können ein Lied von den Auswüchsen singen: Weil sie Gäste vor aggressiven Bettlern schützen müssen. 

Die Stadt Dortmund will nun testweise eine Verbotszone für Bettler rund um Restaurants und Cafés beschließen. Dabei geht es weniger um stilles Betteln – das in Deutschland nicht verboten ist – sondern um Auswüchse von verwahrlosten Menschen, die Gäste bedrängen und direkt vor den Gästen Drogen konsumieren. In einem offenen Brief hatten die Wirte ihre Sorgen mitgeteilt und der Politik Hilflosigkeit vorgeworfen.

Die Stadt will nun im Wortsinn klar machen: Wir ziehen eine Grenze. Wir schauen nicht über alles hinweg und wir schützen auch die Betriebe und Menschen unserer Stadt.  Die Debatte wird auch in Köln an Fahrt aufnehmen. Entlang der Innenstadtringe sind die Auswüchse der Drogen-Szene zuletzt sehr sichtbar geworden. Es ist eine Verdrängung von einem Platz zum nächsten, nichts, was sich schnell ändern wird. Aber die Städte können darauf auch reagieren, indem sie Regeln nachschärfen. Dortmund will dies in einem Test für ein Jahr beschließen. Es ist eine gute Idee.