Die Stadt zieht sich aus dem Mülheimer Depot zurück. Unternehmer Frank Blase baut es zum Musical-Standort aus – und fördert die freie Szene. Sein Engagement rettet einen Kölner Kulturort
KommentarKulturförderung für Köln im besten Sinne

Blick auf die Zuschauerränge im Depot 2, dem langjährigen Ausweich-Standort des Schauspiel Köln
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Eine Stadt lebt vom Engagement ihrer Bürger. Von Menschen, die nach Feierabend Kinder trainieren, die Feuerwehr organisieren, sich im Karneval einsetzen. Die sich auf vielfältigste Weise um Schwächere und Bedürftige kümmern. All diese Menschen schenken einer Stadt ihre kostbare Zeit. Sie schaffen damit etwas, das in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird – was aber kein Haushalt finanzieren und keine Verwaltung verordnen kann: Zusammenhalt.
Das ist Bürgersinn. Und der hat viele Formen. Zu ihnen gehört seit Jahrhunderten auch das Mäzenatentum: Menschen setzen ihr Vermögen ein, um etwas zu ermöglichen, das der Allgemeinheit zugutekommt. Sie fördern soziale Projekte, Kultur und Sport, finanzieren Ausstellungen oder stiften ganze Sammlungen. Vor allem auch Köln wäre ohne diese Tradition nicht die Stadt, die sie heute ist. Ferdinand Franz Wallraf vermachte der Öffentlichkeit seine Sammlung, Johann Heinrich Richartz finanzierte das Museum dazu, Peter und Irene Ludwig schenkten Kunst von Weltrang. Heute unterstützen Freundeskreise Museen, Oper und Philharmonie. Die zuletzt gefeierte Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig wäre ohne private Förderer nicht möglich gewesen. Köln ist auch eine Stadt seiner Mäzene.
Eine Stadt kann nie genug Menschen haben, die sich für sie verantwortlich fühlen
Der Unternehmer Frank Blase, Gründer von Igus, schreibt diese Geschichte nun fort. Zehn Jahre lang will er jährlich eine Million Euro für die freien darstellenden Künste geben. Zehn Millionen Euro. Und er will nicht mitentscheiden, wer das Geld bekommt. Keine künstlerischen Vorgaben, keinerlei Einfluss auf die Vergabe. In Zeiten leerer Kassen bekommt dieses Engagement noch mehr Gewicht. Staat und Stadt dürfen sich niemals aus ihrer Verantwortung für die Kultur zurückziehen, Mäzene sind kein Ersatz für öffentliche Kulturförderung. Aber sie schaffen eben auch entscheidende Freiräume und Neues, wo öffentliche Mittel nicht mehr vorhanden sind. Dass privates Geld in Teilen der Kulturszene Argwohn auslöst, ist erklärbar.
Niemand soll sich mit Millionen Einfluss auf Kunst kaufen können. Nur ist staatliche Förderung nicht schon deshalb frei von Interessen, weil sie staatlich ist – und privates Geld nicht schon deshalb verdächtig, weil es von einem Mäzen kommt. Entscheidend ist, welche Bedingungen daran geknüpft sind. Frank Blase bespielt mit seiner Musical-Firma nun alleine das Depot in Mülheim, den wichtigen rechtsrheinischen Kulturstandort, den die klamme Stadt fallen lässt. Schon das ist ein Glück für Köln. Er hätte dabei der freien Szene aber weder Raum noch Geld geben müssen. Trotzdem spendet er zehn Millionen Euro und verzichtet uneigennützig auf jedes Mitspracherecht. Darin liegt eine bemerkenswerte Demut des Gebenden, die man auch von der anderen Seite erwarten darf.
Denn wer Menschen gewinnen will, die ihrer Stadt etwas schenken, sollte ihnen mit Respekt und Verlässlichkeit begegnen. Köln hat das nicht immer geschafft. Gérard Corboud stellte dem Wallraf-Richartz-Museum mehr als 170 bedeutende Gemälde als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die Stadt sagte einen Erweiterungsbau zu – und ließ den Mäzen und seine Familie fast zwei Jahrzehnte warten. So gewinnt man keine Nachahmer, die eine Stadt wie Köln und ihre Bürgerschaft unbedingt brauchen. Dabei kann Großzügigkeit ansteckend sein. Frank Blases Engagement bewirkt vielleicht sogar mehr als die Rettung eines Kulturortes und die Förderung der freien Szene. Sein Beispiel könnte den Kreis der vielen noch größer machen, die sich schon heute mit Spenden, Stiftungen oder im Ehrenamt für ihre Stadt engagieren. Ihnen gebührt Anerkennung und Wertschätzung.
Eine Stadt kann nie genug Menschen haben, die sich für sie verantwortlich fühlen.