Köln korrigiert seine Entscheidung und erlaubt späte Public Viewings, um seine sportliche Ambition zu demonstrieren.
Public ViewingMit dieser Entscheidung kommt die Stadt Köln bei der WM aus dem Abseits


Fans der deutschen Nationalmannschaft verfolgen das Spiel gegen die Elfenbeinküste im Herbrand's.
Copyright: Martina Goyert
Bis Dienstagnachmittag stand die Stadt Köln so weit im Abseits, dass es keinen Videobeweis gebraucht hätte. Das persönliche Recht auf Nachtruhe überwiegt das öffentliche Interesse, hieß es bis dahin – und war die Begründung, warum das übernächste Deutschland-Spiel am Montag aufgrund der späten Anstoßzeit um 22.30 Uhr nicht in der Außengastronomie gezeigt werden darf.
Köln: Weckruf in der Stadtverwaltung
War der Verwaltung entgangen, wie Tausende Fußball-Fans das Deutschland-Spiel gegen die Elfenbeinküste draußen verfolgt hatten? Würden Nicht-WM-Gucker in ihrer Nachtruhe wirklich mehr gestört, wenn ein Spiel eine halbe Stunde später angepfiffen wird? Ist es nicht vielmehr der nächtliche und nicht zu kontrollierende Autokorso wie am vergangenen Samstag, der das Einschlafen erschwert? Wird es in Wohngebieten ruhiger, wenn zukünftig viele Fan-Runden im Garten die deutsche Elf anfeuern oder der Fernseher auf den Balkon gestellt wird?
Wie beim Fußball braucht es offenbar auch in der Verwaltung einen Weckruf: Die Übertragungen der Deutschland-Spiele, auch wenn sie nach 22 Uhr beginnen, werden fortan geduldet. Ob der Entscheidung eine Kabinenansprache des Oberbürgermeisters vorausgegangen war, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die Stadt zurück ins Spiel gefunden hat. Köln will Sportstadt sein und hofft sogar, als „Leading City“ Olympische Spiele ausrichten zu dürfen. Wäre sie bei ihrer ursprünglichen Entscheidung geblieben: Jeder Unparteiische hätte ihr grobe Unsportlichkeit bescheinigt.
