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Pyro-Chaos im Stadion
Die Hofnarren des 1. FC Köln

Ein Kommentar von
2 min
Mer stonn ze dir, FC Kölle! UItras mit Pyrotechnik beim Spiel gegen Bayern München.

Mer stonn ze dir, FC Kölle! UItras mit Pyrotechnik beim Spiel gegen Bayern München.

Warum die Südtribüne ein rechtsfreier Raum ist, in dem die Ultras bestimmen, wo es langgeht.

Schluss jetzt. Das war meine letzte Saison auf der Südtribüne. Gerade erst hat der 1. FC Köln knapp eine Million Euro Strafe an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für das Abbrennen von Pyrotechnik in der Saison 2024/25 gezahlt. Doch die Ultras zeigen keinerlei Einsicht, über weniger kostspielige Formen dessen nachzudenken, was sie Fankultur nennen.

Das erste Heimspiel gegen die Bayern läuft seit ein paar Sekunden, schon brennen die nächsten Fackeln. Kurze Zeit später hängen dichte Nebelschwaden im Stadion, die wegen der Wetterlage zunächst nicht abziehen wollen. Man kann die Hand vor Augen nicht sehen. Ein Stadionsprecher empfiehlt allen Besuchern mit gesundheitlichen Problemen, den Innenraum zu verlassen. Dabei sind sie gekommen, um das Spiel gegen den Deutschen Meister zu sehen. Schon vergessen?

Die Argumentation der FC-Klubführung geht am Kern des Themas vorbei

Ich habe es aufgegeben, wieder und wieder über Sinn oder Unsinn von Pyrotechnik zu diskutieren. Weil alles, was die Klubführung bisher dazu beigetragen hat, am Kern des Themas vorbeigeht. Ja. Es gibt gefährliche und weniger gefährliche Formen. Ja. Es ist auf der Südtribüne bisher niemand durch Pyrotechnik verletzt worden. Das bestreitet keiner. Die Fackel in der Hand wolle man nicht pauschal verurteilen, hat FC-Vize Jörg Alvermann unlängst bei einem Mitgliederstammtisch gesagt. Böller, Raketen, „alles, was die Hand verlässt“, sei nicht zu dulden. Überdies werde die Pyrotechnik auf der hierarchisch organisierten Südtribüne unter vergleichsweise kontrollierten Bedingungen abgebrannt. „Kein Mensch, der dort eine Pyrofackel zündet, hat auch nur annähernd ein Interesse daran, dass sich jemand verletzt.“

Damit sind wir beim Kern des Problems. Wer auf der Südtribüne steht, muss sich Regeln unterwerfen, die von den Ultras aufgestellt werden. Sie stehen an der Spitze der Hierarchie. Sie bestimmen, wo es langgeht. Sie sind zwar in der Minderheit, aber das interessiert sie nicht. Sie sorgen für Stimmung, liefern die perfekte Show für die VIPs in den Logen, für die Art des Fußballs, die sie als selbst ernannte Bewahrer der Tradition ablehnen. Für die Champagnerschlürfer, die sie verachten. Sie sind die Hofnarren.

Und die Südtribüne ist ein rechtsfreier Raum. Ein Raum für geschmacklose Banner, in dem man sich nicht frei bewegen kann. Ein Raum für vermummte Fackelzündler, die man neben sich ertragen muss, wenn man keinen Stress haben will. Ein Raum, in dem die Ultras der Mannschaft und dem Trainer die Leviten lesen, wenn sie glauben, es sei mal wieder an der Zeit.

Es ist an der Zeit. Ich kündige.