671 Patienten bekamen im Jahr 2025 eine Knie- oder Hüftgelenksprothese im Endoprothetikzentrum der städtischen Kliniken.
Schneller fitKrankenhaus Merheim entlässt Patienten mit neuen Gelenken bereits nach drei Tagen

Werner Wolf (liegend) hat ein neues Kniegelenk bekommen, Markus Hahn (sitzend) eine neues Hüftgelenk. Holger Bäthis (links), Leiter des Endoprothetikzentrums Köln-Merheim, und sein Team sind zufrieden.
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Die heimische Toilette hat Werner Wolf Probleme bereitet, als er bereits am vierten Tag nach seiner Knieoperation nach Hause kam. Sie war zu niedrig, um mit der frischen Prothese schon bequem aufstehen zu können. Inzwischen, zwölf Tage nach der OP, klappt es ganz gut und der 77-Jährige ist heilfroh, so schnell wieder fit geworden zu sein. Eine Stunde lang kann er mit Gehstützen bereits wieder spazieren. Auf die Frage, ob er zufrieden sei mit seinem neuen Knie, sagt er schlicht: „Ich kann laufen, das ist wirklich Wahnsinn.“
Vor der Operation ging das kaum noch. Die Arthrose in Wolfs Knie hinderte ihn nicht nur daran, die gewohnten Wanderungen mit seiner Frau zu machen. Er hatte ständig Schmerzen. Jetzt ist er einer der Musterpatienten, auf die Holger Bäthis, der Leiter des Endoprothetikzentrums Köln-Merheim verweist, wenn er die Vorzüge des vor rund einem Jahr eingeführten Programms „Aktiv-Plan“ bei Patienten mit Hüft- und Kniegelenkersatz darstellen soll.
Kern des von Orthopäden, Anästhesisten, Koordinatoren, der Pflege, der Physiotherapie und dem Sozialdienst gemeinsam ausgearbeiteten Plans ist eine deutlich verkürzte Verweildauer im Krankenhaus. Die Patienten sollen möglichst am Morgen des vierten Tages, also drei Tage nach der Operation, schon wieder so fit und selbstständig sein, dass sie nach Hause gehen können.
Nach 4,3 Tagen verlassen Patienten mit Knie- oder Hüftgelenksprothese das Krankenhaus Merheim im Durchschnitt
Insgesamt 671 Patienten bekamen 2025 bis Anfang Dezember eine Knie- oder Hüftgelenksprothese am Krankenhaus Merheim, sie wurden im Durchschnitt nach 4,3 Tagen entlassen. „Sehr erfreulich“ sei, sagt Bäthis, dass alle Patienten ab dem ersten Tag „autonom“ gewesen seien, also allein aus dem Bett aufstehen, die Toilette besuchen und ihr Essen am Tisch einnehmen konnten. Mehr ungeplante Wiederaufnahmen aufgrund von Komplikationen habe man bislang nicht festgestellt.
Die durchschnittliche Verweildauer nach dieser Art von Operationen liege in Deutschland bei 7,4 (Knie) und 7,0 (Hüfte) Tagen, sagt Bäthis. In den USA, Norwegen oder Schweden dagegen würden Patienten zum Teil schon nach ein bis zwei Tagen entlassen.

Einblicke ins Krankenhaus Merheim
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Die kürzere Verweildauer der Patienten entlastet natürlich das Pflegepersonal in einem Krankenhaus, was in Zeiten eines großen Mangels an Pflegefachkräften ein klarer Pluspunkt ist. Wirtschaftlich sei die Verkürzung der Liegezeit nicht automatisch ein Gewinn, sagt Bäthis. Zwar bekomme das Krankenhaus für den Gelenkersatz eine festgelegte Fallpauschale, „aber die Kosten für die Pflege auf der Station werden gesondert nach Behandlungstagen vergütet“.
Ein neues Knie kostet je nach Verweildauer im Krankenhaus zwischen 7700 und 8200 Euro
Ein neues Knie koste demnach bei vier Tagen Krankenhausaufenthalt inklusive Pflege rund 7700, eine neue Hüfte gut 6800 Euro. Bleiben die Patienten für sieben Tage in der Klinik, erhöhten sich die Kosten auf rund 8200 und knapp 7400 Euro, sagt Bäthis und betont: „Die Vergütung dieser Operationen ist im internationalen Vergleich in Deutschland sehr günstig und hat sich in den letzten 20 Jahren trotz Lohnentwicklung und allgemeiner Preissteigerung sogar noch reduziert.“
Markus Hahn hat im Krankenhaus Merheim ein neues Hüftgelenk bekommen, drei Tage nach der OP konnte er nach Hause gehen. Das ist jetzt 18 Tage her und der 59-Jährige ist zufrieden: „Ich habe jetzt schon mehr Bewegungsfreiheit als vorher.“ Er betont aber auch: „Wenn man mit zwei gesunden Beinen läuft, ist das anders.“
Damit die Patienten mit einem Gelenkersatz schon früh wieder selbstständig sein können, habe man in Merheim viele kleine Bausteine im Verlauf der Behandlung verändert, sagt Bäthis. So gibt es schon vor der Operation eine Schulung, bei der die Patienten über die Abläufe und ihre Rolle informiert werden und das Laufen mit Gehstützen üben. „Man verhuddelt sich da schnell, vor allem, wenn man eine Treppe hoch oder runtergeht“, sagt Werner Wolf.
Es gibt auch zwei hochkalorische Getränke vor der Operation, damit der Körper danach genug Energie hat, um noch am selben Tag aus dem Bett zu kommen. Im Aufwachraum gibt es ein Eis, um dem schlechten Geschmack im Mund von der Beatmung entgegenzuwirken. Und es wird auf Blasenkatheter und Drainagen verzichtet, damit nichts stört beim ersten Aufstehen. Und jeder Patient bekommt ein Tagebuch, um am OP-Tag und den drei Tagen danach genau festzuhalten, welche Übungen und Aufgaben erledigt wurden. „Das Heftchen ist ganz große Klasse“, sagt Wolf. Hahn ergänzt: „Da steht genau drin, was man tun darf und kann, das hat mir sehr geholfen.“
Dass Patienten in Deutschland insgesamt zu häufig oder zu früh einen Gelenkersatz erhalten, glaubt Bäthis nicht. „Ich kann nicht ausschließen, dass der eine oder andere auch mal zu früh operiert wird“, sagt er: „Aber wenn man sich wie wir an die Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie hält, findet keine Überversorgung statt.“ Der Leidensdruck bei den Patienten müsse groß sein, denn sonst bestehe die Gefahr, dass sich nach der OP Unzufriedenheit einstellt. Bäthis betont: „So eine Prothese ist ein Ersatzteil, das ist nicht genauso gut wie das gesunde Knie mit 20 Jahren.“

