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Küssende Schweine, wuchernde Fantasie

4 min

Künstlerin Regina Matzerath zeigte einige gewitzte Kompositionen (l.). Wie gewohnt war am Stand von Gertrude Müller-Mörs eine sehr energische Malerei zu sehen (Mitte). Der Maler Andreas Mischke, der den altmeisterlichen Stil liebt, ließ sich von einem Gemälde des italienischen Malers Caravaggio inspirieren (r.).

Chorweiler – „Über den ganzen Tag kamen mal mehr, mal weniger Besucher. Aber es war immer etwas los“, sagte der Maler und Zeichner Manfred Schüler am Ende des Kunstmarktes Chorweiler Art, hier hatte er neben 25 anderen Künstlern seine Werke präsentiert. Seine Gemälde sich küssender oder miteinander kämpfender Schweine gehörten zu den gewitztesten Bildern der bereits zum zwölften Mal stattfindenden, vielleicht wichtigsten Kunstveranstaltung im Kölner Norden. Auch dieses Mal lockte sie wieder fast 500 neugierige Kunstliebhaber in den großen Saal des Bürgerzentrums Chorweiler.

An individuell gestalteten Ständen mit großen Stellwänden waren Bilder, Zeichnungen, Objekte und Skulpturen in ganz unterschiedlichen künstlerischen Stilarten präsentiert, so dass nicht nur für jeden Geschmack die erwartete Kunstform zu finden, sondern auch sehr viel Unerwartetes zu entdecken war. Wie in den Jahren zuvor stellten nicht nur die im Kölner Norden bereits bekannten Künstler des den Markt veranstaltenden Netzwerkes „Chorweiler Art“ ihre neuesten Kreativproduktionen vor, sondern auch zahlreiche Gastkünstler.

Einer von ihnen war Franz-Josef Kochs aus Alsdorf bei Aachen. Seine heiter-hintergründigen Zeichnungen, die er als Ausschnitt-Figuren an seinem Stand gleich hinter dem Eingang zum Saal zeigte, bezauberten in ihrer rätselhaften Vertrautheit. Dass dieser Künstler seine Motive mitten im Alltag findet, demonstrierte er denn auch ganz praktisch, indem er direkt vor Ort sein zeichnerisches Können vor Augen führte. Fasziniert sahen ihm die Besucher zunächst von vorne zu, um dann hinter ihn zu treten und über seine Schulter zu schauen. Mit Peter Mück führte noch ein weiterer Künstler vor, wie seine Zeichnungen in unzähligen kleinen Strichen allmählich wachsen. Die Bilder an seinem Stand machten sichtbar, wie sich der traditionelle Realismus in der Menschendarstellung durch Elemente von Graffiti und Illustration beflügeln lässt.

Künstlerin Regina Matzerath zeigte einige gewitzte Kompositionen (l.). Wie gewohnt war am Stand von Gertrude Müller-Mörs eine sehr energische Malerei zu sehen (Mitte). Der Maler Andreas Mischke, der den altmeisterlichen Stil liebt, ließ sich von einem Gemälde des italienischen Malers Caravaggio inspirieren (r.).

Der Mensch lässt sich auf viele Arten darstellen. So in greller farbiger Zuspitzung wie in Gemälden von David Binder, als namenlose Schemen wie auf den Tableaus von Ewa Salwinski oder als vielgestaltiges surreales Geheimnis wie in der altmeisterlichen Malerei von Andreas Mischke. Dessen Kompositionen faszinierten die Besucher ganz besonders, weil sie immer ganz verblüfft feststellten, dass sie den Kater in einem Menschenkopf und den kleineren Körper im größeren Leib zuerst gar nicht gesehen hatten. Im Gespräch mit dem Maler konnten sie dann erfahren, dass Mischke sich in seiner Komposition von einem Gemälde des italienischen Malers Caravaggio aus der Zeit des Frühbarock beeinflussen ließ. Als eine Meisterin des Realismus erwies sich gleichfalls Regina Matzerath mit ihren Buntstiftzeichnungen von Kronkorken, Chipstüten und Senftuben.

Andere Künstler führten dagegen vor Augen, wie sie bemüht sind, alle stilistischen Vorbilder links liegen zu lassen und die Farben und Formen frei wachsen zu lassen. Als besonders experimentierfreudig präsentierten sich Inge Bisping-Groß und Saziye Arslan an ihren einander gegenüber liegenden Ständen. Kein Bild glich dem anderen. Ähnlich ungezwungen waren die neuen Bilder von Gertrude Müller-Mörs, die inzwischen ein großes malerisches Vertrauen in die Kraft von Rinnsalen hat. So ließ sich erfahren, dass die Bildherstellung ebenso wie die Bildbetrachtung ein Abenteuer ins Unbekannte sein kann.

Sehr viele Künstler brachten auch in diesem Jahr zum Ausdruck, dass die Natur der Landschaft und Pflanzenwelt unvermindert eine der größten Inspirationsquellen für Künstler ist. Das gilt für die träumerischen zeichnerisch-malerischen Baumbilder von Claudia Wolf-Dürr ebenso wie für das prächtig leuchtende Sonnenblumenfeld von Ingrid Schulz. Uschi Reufels zeigte, wie sich Wassergewalt und Meeresromantik in Farben umsetzen lassen. Und Nataliya Korchemska zeigte mit filigranen Strichen, wie das Wachstum von Pflanzen sich in Phantasiegewächsen fortsetzen lässt.

Künstlerin Regina Matzerath zeigte einige gewitzte Kompositionen (l.). Wie gewohnt war am Stand von Gertrude Müller-Mörs eine sehr energische Malerei zu sehen (Mitte). Der Maler Andreas Mischke, der den altmeisterlichen Stil liebt, ließ sich von einem Gemälde des italienischen Malers Caravaggio inspirieren (r.).

Der Maler Karl Fuck hatte neben zahlreichen abstrakt-expressiven Bildern seine Blumenstillleben vor allem deswegen mitgebracht, weil sie sie im letzten Jahr so gut verkaufen ließen. Verwundert musste er allerdings feststellen, dass in diesem Jahr seine Dombilder auf größeres Kaufinteresse stießen. Kollege Gerd Maulbecker verkaufte wiederum gleich mehrere Skulpturen seiner poppigen Tänzerinnen, die er aus Pappmaschee und alten Plakaten formt.

Während traditionsgemäß die Kommunikation im Zentrum der Chorweiler Art steht, freuten sich in diesem Jahr besonders viele Künstler über Verkäufe ihrer Werke. Tatsächlich hörte man von Besuchern vor vielen Bildern immer wieder den Satz: „Das gefällt mir sehr gut“.