Köln – Hätte ein Warnschild die englischen Touristen davor abgehalten, ihr Wettrennen im Rhein zu auszutragen? Dass die Stadt nichts unternehme, um solche Vorfälle künftig zu verhindern, prangerte KStA-Chefredakteur Peter Pauls als Gleichgültigkeit an. Was, außer Phlegma, spräche gegen Warnschilder, fragte er in seinem Kommentar zu den tödlichen Badeunfällen dieses Sommers.
Die Meinungen der ksta.de-Leser zu dieser Frage gehen auseinander. Dem Vorschlag, vor den Gefahren ausdrücklich zu warnen, können einige Leser etwas abgewinnen: „Klare aussagekräftige Schilder sind jetzt eine erste gute und richtige Maßnahme“, findet anyoneinspace. Das werde zwar nicht jeden davon abhalten im Rhein, baden zu gehen. „aber viele darauf hinweisen, wie gefährlich das Baden im Rhein ist und sie zum Nachdenken bringen.“ Doch er sieht auch die Grenzen dieser Maßnahme, vor allem die finanzielle: „Ein paar Schilder aufstellen ist leider kein Geschäftsfeld.“
Andere setzen hingegen mehr auf den „gesunden Menschenverstand“, der genutzt werden sollte. ThomWeb kommentiert: „Wir werden mehr und mehr reguliert. Wenn ich auf dem Colonius stehe und springen will, brauche ich kein Schild, das mir sagt: Springen aus rund 200 m Höhe könnte in den Tod führen.“ Auch HansSchael warnt auf ksta.de vor einem „Warnschilderwahn am Rhein!“ Denn dann müsse man konsequenterweise auch Schilder an Ampeln und Fußgängerüberwegen aufstellen – „denn dort gibt es jährlich mehr Tote als im Rhein.“ Nutzer Paladin befürchtet, durch solche Fürsorge-Maßnahmen „den Menschen abzugewöhnen, ihren eigenen Kopf zu gebrauchen.“
LiveFreeorDie gibt hingegen zu bedenken, dass es zum Beispiel an kalifornischen Küsten grafisch sehr simple, eindrückliche und für jeden Menschen verständliche Warnschilder gebe, die vor gefährlichen Strömungen warnen. „Zehn Stück davon für die beliebtesten Kölner Strände, was kann das kosten? Sicher weniger als zwei große Rettungseinsätze.“
Einige Leser, darunter RoRa können gar nicht verstehen, wie man überhaupt auf die Idee komme, in der „üblen Brühe“ schwimmen zu gehen. „Den Rhein konnte man wohl vor 75 Jahren durchschwimmen, und zwar nur während der Sommermonate und einem niedrigen Wasserstand.“ Dem allerdings widerspricht Leser MagicFeet vehement: „An guten Tagen sind es Tausende, die sich an den Stränden sonnen. Alle paar Minuten kommt ein Schiff vorbei und das Wasser geht am Strand ein wenig zurück und kommt dann wieder. Das ist Strandidylle pur.“ Den Rhein mit einer Autobahn zu vergleichen, hinke aus seiner Sicht enorm. „Wer noch nicht dabei war, als ein Toter geborgen wurde, der wird das aus dem Bild vor Ort nicht erkennen können.“
„Erinnern wir uns an unsere Kindheit“
Auch auf unserer Facebook-Seite wurde rege diskutiert. Mit Warnhinweisen mache man ja prinzipiell erst mal nichts verkehrt, findet Frank Ruland, bezweifelt aber, „ob die Menschen, die man schützen will, dann auch wirklich nicht baden gehen.“ Nils Königshofen hingegen hält davon gar nichts: „Schilder, Verbote ... gegen die Dummheit der Menschen hilft so etwas nicht ... so ein absoluter Populismus ...“. „Die Schilder sind doch spätestens nach dem Wochenende im Rhein verschwunden“, glaubt Ra Ma Re und schlägt vor „noch ein Schild mit dem Hinweis: nichts in den Rhein werfen!!!“ aufzustellen. Sein Mitgefühl gelte den Rettungskräften. Michaela Langel kann das Problem nicht so ganz nachvollziehen: „Es gibt so viele Schilder in Köln und Umgebung, die unnötig sind, wenn die reduziert würden, wäre auch Geld für Warnschilder am Rhein da ...wo liegt das Problem!“
Ro So befürchtet einen Bumerang-Effekt, wenn man Verbotsschilder aufstellte: „Sie machen das Ganze nur noch reizvoller. Erinnern wir uns an unsere Kindheit. Verbote waren da, um sich darüber hinwegzusetzen. Aufklärung ja, aber es gibt immer noch zu viele Besserwisser, die alles besser können und für die kein Ding unmöglich ist.“
