„Wir haben hier heute schon einige Herzen fliegen sehen“Hunde suchen ihren Menschen beim ersten Kölner „Bark Date“

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Eine Gruppe Menschen steht um einen Hund herum, der ein Halstuch trägt mit der Aufschrift „Adopt me“.

Erstes Kölner Bark-Date im Stadtwald: Mehr als 80 Gäste kamen zum ersten offenen Vermittlungstreffen für Hunde aus Pflegestellen bei Tierschutzvereinen.

Im Stadtwald fand Kölns erstes „Bark Date“ statt: Neun Pflegehunde aus dem Tierschutz suchen ein Zuhause. Potenzielle Halter kamen „zum Schnuppern“.

Sie spielen zusammen, flitzen auf der Wiese herum und blicken neugierig auf die Menschen, die sich um sie herum versammelt haben. Wenn man den neun Schützlingen in die Augen schaut, würde man sie am liebsten alle direkt auf der Stelle adoptieren. Doch das schöne Gefühl bleibt, dass sie an diesem Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Zuhause gefunden haben: Erstmals in Köln fand auf der großen Hundewiese im Stadtwald innerhalb der Marcel-Proust-Promenade, zwischen den Gütergleisen und dem Militärring, ein „Bark Date“ statt.

Vor der Adoption steht ein Hausbesuch durch die Vermittler

Das Grundprinzip: Aus dem Ausland adoptierte Hunde, die derzeit übergangsweise bei Pflegestellen wohnen – oftmals Tierschutzvereinen –, suchen ein dauerhaftes Zuhause bei einer Familie. An diesem Vormittag trafen sie auf Leute, die ihrerseits überlegen, sich einen Hund anzuschaffen. Beim Streicheln und Kraulen auf der Wiese, sowie kleinen gemeinsamen Spaziergängen über das Areal, konnten die Gäste prüfen, ob die Chemie zwischen ihnen und dem jeweiligen Adoptivhund stimmt. Bei Interesse konnten sie unverbindlich ihre Kontaktdaten hinterlassen; der jeweilige Tierschutzverein überprüft dann in der kommenden Zeit bei Besuchen, ob die Bedingungen im Haushalt passen – meist ist dies aber eine reine Formalie. Wenn alles in Ordnung ist, wird ein Adoptionsvertrag gemacht und der Vierbeiner kann in sein neues Zuhause ziehen.

Initiiert und organisiert hat das „Bark Date Cologne“ Lisa Williamson. Die Resonanz war mit knapp 100 Gästen, die sich unter die übrigen Hundewiesen-Besucher und -Gassigänger mischten, sehr groß. Mit dem Zuspruch ist Williamson hochzufrieden. „Wir haben hier heute schon einige Herzen fliegen sehen“, verrät sie lächelnd. „Der Termin soll gerne regelmäßig stattfinden, und das nicht nur in Köln, sondern in ganz Deutschland. Wir sind für Anfragen aus anderen Städten offen.“ Ein Vorbild sind ähnliche ‚Mensch-Hund-Kennenlerntreffs‘ in den USA. „Ich hatte dann geschaut, wo es in Deutschland so etwas gibt – und stellte dann fest, dass das Format hier noch komplett fehlt.“

Organisatorin ist Tierärztin und vermittelt Tiere aus Osteuropa

Williamson, im Hauptberuf Tierärztin, ist darüber hinaus seit neun Jahren selbst ehrenamtlich in der Hundevermittlung tätig. Sie leistet etwa Vorkontrollen und Hausbesuche. Auf das Engagement war sie vor neun Jahren gekommen, als sie Rumänien besuchte und auf die oftmals sehr schlimmen Verhältnisse in den dortigen Tierheimen aufmerksam wurde, wo man verbreitet auf schlechte hygienische Bedingungen, völlig unzureichendes Futter und manchmal sogar ausgeprägte Brutalität seitens des Personals gegenüber den Tieren trifft. Die an diesem Tag zur Vermittlung stehenden Hunde stammten ebenfalls größtenteils aus Süd- oder Südosteuropa. Zu erkennen, und von den sonstigen vierbeinigen Gästen der Hundewiese zu unterscheiden, waren sie an ihren roten Halstüchern mit „Adopt me“-Schriftzug.

Die Initiatorin kann sich noch gut an den Vermittlungs-Boom während den Pandemie- und Lockdown-Zeiten erinnern, als viele Familien auf den Gedanken kamen, sich ein Haustier zuzulegen – wovon sich ein Teil später, als sich das gesellschaftliche Leben wieder normalisierte, erneut in der Vermittlung wiederfand – oder schlimmstenfalls ausgesetzt wurde. „Wir betonen gegenüber den Interessenten ganz klar, dass ein Hund eine Daueraufgabe ist und man ganz sicher sein sollte, bevor man den Schritt macht.“

Bark Date Cologne

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