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Anwohner ausgebremstStadt Köln untersagt Smiley-Tafel in Lindenthal

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Eine Gruppe Menschen steht um einen Geschwindigkeitsmessmast herum.

Bürger stehen mit Bezirksbürgermeister Roland Schüler (grüner Schal, Mitte) und CDU-Mitglied Marliese Berthmann (grauer Schal) um die unerlaubte Tempo-Messanlage in der Frangenheimstraße.

Bürger wollten ihre Straße sicherer machen und kauften eine Smiley-Tafel. Womit sie nicht rechneten, war ein Aufstellungsverbot der Stadt Köln.

Die Frangenheimstraße verläuft schnurgerade und ampelfrei, parallel zur viel befahrenen Dürener Straße in Lindenthal. „Wie eine Startpiste für Flugzeuge“, sagt Anwohner Stefan Mauß. Die Straße lädt zum Rasen ein. „Autofahrer geben dort Gas und merken nicht, wie schnell sie fahren“, so Mauß. Das sei in der Regel viel schneller als die dort vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometer. Dabei leben an der Straße viele Kinder. Es gibt mehrere Schulen und eine Kita. Die Anwohner hatten eine rettende Idee: Sie initiierten die testweise Installation einer Geschwindigkeitsanzeigetafel. Das führte zwar zu einer Verbesserung der Situation. Doch die Stadt hverhinderte die dauerhafte Installation.

Smileys belohnen Autofahrer, die sich an die Tempovorgabe halten

Dabei sah erst alles so gut aus: „Wir haben gehört, dass die Verkehrswacht in Kooperation mit der Stadt Köln Geschwindigkeitstafeln verleiht, die den Autofahrern anzeigen, wenn sie zu schnell sind“, erzählt Anwohner Oliver von Dugovics. Auf den Tafeln erscheint ein lächelndes Gesicht, wenn ein Fahrer sich an die vorgebebene Geschwindigkeit hält, ein trauriges, wenn er sie überschreitet. Die emotionalen Lichtsignale zeigen bereits an anderen Stellen der Stadt dauerhaft Wirkung, beispielsweis an der Friedrich-Schmidt-Straße in Braunsfeld und an der Straße Unter Linden in Widdersdorf.

Die Nachbarn beantragten also bei der Verkehrswacht im vergangenen Sommer einen vierwöchigen Test der Tafel vor Ort, der auch stattfand, mit Erfolg: „Wir haben dann erlebt, was sie bewirkt“, sagt Stefan Mauß. Den Autofahrern sei durch die Anzeige bewusst geworden, dass sie die Geschwindigkeit überschreiten. Ihre Begrenzung auf Tempo 30 sei vielen nicht bekannt. Sie gilt im ganzen Quartier um die Frangenheimstraße. Schilder stehen aber nur an den „Einfallstraßen“ und an der Ecke, wo Autofahrer von der Herbert-Lewin-Straße, einer Fahrradstraße,  in die Frangenheimstraße abbiegen. Viele würden glauben, das Tempolimit bezöge sich noch auf die Fahrradstraße, erzählen die Anwohner.

Freiwillige Helfer montierten mit vereinten Kräften die neue Tempo-Infotafel an der Longericher Straße.

Im Jahr 2023 wurden Anwohner in Longerich aktiv und installierten mit vereinten Kräften eine Tempo-Infotafel an der Longericher Straße.

Nach dem Erfolg des Tests bemühten sich die Nachbarn um eine dauerhafte Installation der Anzeigentafel. Anwohner Christian von Stosch wandte sich mit dem Anliegen an die Stadtverwaltung und erhielt die Antwort, es sei grundsätzlich möglich, dass Bürger Geschwindigkeitsanzeigetafeln an Straßen initiierten - unter den angefügten Bedingungen. Es folgte eine lange Liste von Voraussetzungen, die die Bürger abarbeiteten. Die Geschwindigkeitsanzeigetafel mussten sie selbst anschaffen, für 2000 Euro. Frisch im Besitz der Tafel beantragte von Stosch die Genehmigung zweier konkreter Aufhängorte, weil eine Bedingung erforderte, dass der Standort alle vier Wochen gewechselt wird. Doch die Stadt genehmigte die Installation nicht.

Geänderte Richtlinie verhindert dauerhafte Installation

Die Begründung: „Eine Richtlinie habe sich geändert“, so heißt es in der E-Mail an von Stosch. Aufgrund der Kooperation mit der Verkehrswacht Köln könnten keine weiteren Duldungen an Dritte erteilt werde. Auf von Stoschs Hinweis, die Kooperation habe es doch bereits zum Zeitpunkt seines Antrags gegeben, erhielt er die Antwort, das möge sein, es hätten aber mittlerweile Gespräche stattgefunden und es sei „eine einheitliche Vorgehensweise“ beschlossen worden. Eine Ausnahme sei nicht möglich. Auf Nachfrage dieser Zeitung antwortet die Stadt ebenfalls unklar: Die dauerhafte Anbringung einer Geschwindigkeitsanzeigetafel sei nicht angefragt, worden. Das hätte die Verwaltung generell abgelehnt. Es seien den Bürgern nur die Bedingungen mitgeteilt worden, unter denen die Aufstellung einer Geschwindigkeitsanzeigetafel grundsätzlich möglich sei.

Die Bürger und Bürgerinnen fühlen sich an der Nase herumgeführt. „Wir haben im Leben nicht damit gerechnet, dass unser Antrag abgelehnt wird, sagt Stefan Mauß. Lindenthals Bezirksbürgermeister Roland Schüler kann den Ärger verstehen: „Den Bürgern erst eine lange Liste mit Voraussetzungen für die Installation der Tafel vorzulegen und sie zu verbieten, wenn die erfüllt sind, ist nicht nachvollziehbar.“