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Eltern sind verärgert
Neues Kölner Gymnasium kann wegen fehlender Türen nicht eröffnen

Gymnasium Aachener Straße 1

Im ehemaligen Unitymedia-Gebäude an der Aachener Straße in Köln entsteht ein neues Gymnasium.

Köln-Müngersdorf – Nach den Sommerferien sollte im ehemaligen Unitymedia-Gebäude an der Aachener Straße 744-750 in Müngersdorf ein neues Gymnasium öffnen. Nun wird es erst nach den Herbstferien so weit sein. Der Umbau des Gebäudes wird nicht termingerecht fertig. Der Grund sind laut Auskunft der Stadt „pandemie- und kriegsbedingte Lieferengpässe und Materialknappheit“. Konkret fehlen noch Brandschutztüren.

Die ersten vier fünften Klassen nebst Lehrern sollen nun zunächst in dem ebenfalls neuen Gymnasium an der Zusestraße in Lövenich Asyl erhalten. Diese Nachricht sickerte nach Auskunft der Eltern der künftigen Schüler schon vor Wochen in den Social Media durch.

Offiziell erfuhren sie es erst zu Ferienbeginn, dass diese zum neuen Schuljahr nicht öffnet – und sind verärgert. „Wir haben unsere Kinder an dieser Schule angemeldet“, erzählt der Müngersdorfer Simon Biela, „ohne die Lehrer zu kennen, ohne das Schulgebäude vorher von innen gesehen zu haben und obwohl sie keine Turnhalle verfügt. Wir haben der Stadt einen riesigen Vertrauensvorschuss geleistet.“

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Eltern schreiben offenen Brief an die Stadt

50 Eltern und Elternpaare der künftigen Schüler und Schülerinnen haben sich mit einem offenen Brief an die Stadt gewandt, mit dem sie Kritik äußern: „Uns wurde bei einer Infoveranstaltung gesagt, dass das Schulgebäude auf jeden Fall rechtzeitig fertig wird“, schildert Biela, „weil der Investor, der es umbaut, eine hohe Vertragsstrafe zahlen muss, wenn er der Termin nicht einhält.“ Natürlich könne es trotzdem zu einer Verzögerung kommen. „Wir hätten uns da aber vor allem mehr Transparenz gewünscht“, sagt er, „eine offene Kommunikation und den Versuch, mit den Eltern Lösungen zu finden.“

Nach Ansicht der Eltern gibt es solche: Sie schlagen vor, die fehlenden Türen bis zu ihrer Lieferung durch Brandwachen ersetzten, also Personal beauftragen, dass die entsprechenden Durchgänge überwacht. Für die dadurch entstehenden Kosten könnte die Vertragsstrafe verwendet werden, die der Investor durch die eingetretene Verzögerung zahlen müsse.

Gymnasium Aachener Straße 2

Ein Eingang in den Bürokomplex an der Aachener Straße

Falls das nicht möglich ist, wünschen sich die Eltern, dass zumindest ein Schulbus die Kinder zu dem Interimsstandort an der Zusestraße transportiert. „Viele Fünftklässler müssen nun viele Kilometer weit nach Lövenich fahren“, so Biela. „Das können Zehnjährige mit dem Rad noch nicht so ohne weiteres allein bewältigen.“ Falls sie die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen müssen, könnte die Stadt ihnen dafür Monatstickets zur Verfügung stellen.

Ebenso wünschen sich die Eltern, dass die Schulleitung, die nun nicht nur den Aufbau der neuen Schule, sondern auch den Einzug in eine fremde Schule und einen Umzug zu stemmen hat, durch zusätzliches Personal unterstützt wird, damit die Qualität des Schulbetriebes nicht darunter leidet. Auch dafür könnte die Vertragsstrafe verwendet werden.

„Eine Brandwache ist nicht möglich“

Laut Auskunft der Stadt wird eine solche Strafe jedoch nicht gezahlt. Sie bestreitet auch vor Ferienbeginn von der Verzögerung gewusst zu haben. „Dass der geplante Fertigstellungstermin nicht gehalten werden kann, wurde von der externen Projektsteuerung an die Stadt Köln erstmals am Abend des 30. Juni kommuniziert“, sagt Jutta Doppke-Metz, Sprecherin der Stadt. Sobald der neue Öffnungstermin feststand, habe die Stadtverwaltung die Schulleitung informiert.

Es gäbe keine Möglichkeit das Gebäude trotz fehlender Brandschutztüren zu beziehen: „Eine Brandwache ist nicht möglich“, so Doppke-Metz. „Die Türen müssen vor der Überprüfung der Luft auf Schadstoffe zwingend eingebaut sein. Nach dem Einbau muss dann noch der Fußboden beigearbeitet und der Raum gereinigt werden.“

Die Fragen, inwieweit ein Bus die Schüler zur Zusestraße nach Lövenich bringen kann, ob sie zumindest ein Monatsausweis für die KVB erhalten und ob die Schulleitung mit personeller Unterstützung für die Zusatzbelastung rechnen darf, ließ die Verwaltung unbeantwortet. Sie sieht in dem neuen Öffnungstermin aber eine besondere Möglichkeit, den Umzug zu stemmen: „Die Herbstferien können für die Umzugsarbeiten genutzt werden,“ sagt Doppke-Metz.

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