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Homejacking in KölnIHK-Vizepräsidentin während sie schlief ausgeraubt

3 min

Birgit Dircks-Menten

Lindenthal – Die Täter hatten es nur auf eins abgesehen: die Autoschlüssel. Dass Birgit Dircks-Menten und ihr Mann in der Wohnung in Lindenthal waren und schliefen, nahmen die Einbrecher in Kauf.

„Wir sind am Sonntagabend um ein Uhr ins Bett gegangen, und als mein Mann um 7.30 Uhr aufgestanden ist, hat er die offene Tür in der Küche gesehen“, erzählt Birgit Dircks-Menten, Chefin eines Gartenbaubetriebs und IHK-Vizepräsidentin. Das Paar hörte nicht, dass die Täter irgendwann in der Nacht die Terrassentür aufhebelten und in die Wohnung eindrangen. „Auch unsere Mieter haben nichts gehört.“

Range Rover und Volvo gestohlen

Die Einbrecher flüchteten mit dem nagelneuen, schwarzen Range Rover und einem neun Jahre alten Volvo C70 Cabrio des Paars. Da Birgit Dircks-Menten mit dem Range Rover für ihr Gartenbauunternehmen unterwegs ist und ihn hauptsächlich als Transportfahrzeug nutzt, hat der Wagen keine Extras wie etwa ein eingebautes Navigationsgerät.

„Ich habe den Range Rover immer ganz nah hinter einer Laterne geparkt und den Volvo direkt davor.“ Dass jemand beide Autos stehlen könnte, wäre ihr nie in den Sinn gekommen.

Die 59-Jährige vermutet, dass die Täter sie ausgespäht haben, da es Tage gibt, an denen sie den Geländewagen auf dem Firmenhof stehen lässt. Die Täter nahmen auch ein Portemonnaie, einen Laptop und ein Mobiltelefon mit. „Auch der Kalender mit allen Daten und Terminen ist weg. Ich habe im Moment überhaupt keinen Überblick über meine Kundentermine.“ Für’s Erste ist sie nun mit einem Lieferwagen der Firma unterwegs.

Kein Massenphänomen

Homejacking bezeichnet eine Variante des Autodiebstahls, bei der die Täter in Wohnungen oder Häuser einbrechen, dort die Schlüssel mitnehmen und die Autos mit Hilfe der Originalschlüssel entwenden.

Die Deliktform kam auf, als der Diebstahl von neueren Autos ohne Originalschlüssel wegen der eingebauten Wegfahrsperren und Sicherungssysteme schwierig wurde. Die besondere Gefahr dieses Modus Operandi besteht darin, dass in den Räumlichkeiten, in die die Täter einbrechen, Personen anwesend sein können, sodass das Delikt leicht zum Raub eskalieren kann.

Die Polizei kennt auch das Showroom- und Carjacking. Im ersten Fall besorgen sich die Diebe in einem Autohaus die Schlüssel für Ausstellungsfahrzeuge. Beim Carjacking zwingen sie Fahrer oft mit Waffengewalt an einer roten Ampel zum Aussteigen und flüchten mit dessen Auto. (hsr)

Die Polizei betont: „Homejacking ist kein Massenphänomen.“ Die Tendenz der Fallzahlen sei rückläufig, wie ein Behördensprecher sagte. Allerdings ist es gerade mal zwei Wochen her, da brachen unbekannte Täter in ein Haus in Raderthal ein und stahlen einen BMW Sportwagen sowie ein VW Tiguan.

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres war ein Wohnhaus in Rath-Heumar Ziel eines Einbruchs. Die Diebe erbeuteten einen neuwertigen VW Scirocco. Nur zwei Wochen zuvor wurde in eine Villa in Marienburg eingebrochen, die Täter entkamen damals in einer Luxuslimousine.

Große Hoch-Konjunktur hatte die Homejacking-Masche allerdings im Jahr 2001. In NRW verschwanden damals rund 280 Luxusautos.

Trotz des Schocks, dass Fremde in ihrer Wohnung waren, während sie schlief, sagt Birgit Dircks-Menten: „So schlimm das Ganze auch ist, mein Mann und ich sind glücklich und dankbar, dass uns sonst nichts passiert ist.“

Die Polizei bittet Zeugen, die in der Nacht auf Montag Verdächtiges Am Gleueler Bach beobachtet haben, sich unter 0221/229-0 zu melden.